Hartmut Dippold von der Chorgemeinschaft Feuln-Waizendorf-Lindau, derzeit Vorsitzender der Sängergruppe Neuenmarkt, sah den Liederabend mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Lachend deshalb, weil man erstmals alle Chöre unter einen Hut bekam, und weinend, weil nach Trebgast nunmehr auch der Gesangverein Wirsberg sein Mitwirken aus Personalmangel einstellen musste. Diese Entwicklung trifft nicht nur uns, und sie sollte uns nachdenklich machen."

Der 30-köpfige Chor der Männer aus den drei Trebgaster Ortsteilen zeigte aber, dass es auch Hoffnungsschimmer gibt. Er setzte eines der Highlights in dem Liederabend, wobei deutlich, warum es dem Ensemble im Gegensatz zu vielen Chören d immer wieder gelingt, auch Nachwuchs zu generieren: Durch modernes Liedgut wie das bekannte Lied der österreichischen Musikgruppe STS: "Irgendwann bleib i dann dort."

Zwei der jungen Sänger sind Frederik Förtsch (22) und Michael Hahn (26). Ersterer schloss sich bereits mit 16 Jahren der Chorgemeinschaft an: "Es war damals hauptsächlich der Vorsitzende unseres Gesangvereins Feuln-Waizendorf, der im Dorf die Jugendlichen ansprach und für den Gesang warb. Wir waren damals vier Jugendliche, die als Aktive beitraten, jetzt sind wir halt noch zu Zweit. Daran sieht man, dass nicht immer alle bei der Stange bleiben.
Mir macht aber der Chorgesang Spaß, ich habe einfach Freude daran, in der Gemeinschaft zu singen.


"Einfach eine schöne Sache"


Seit zwei Jahren ist Frederik Förtsch auch Vorsitzender des Vereins und konnte dabei spüren, dass auch einem jungen Sänger Vertrauen entgegen gebracht wird. "Das hat man zum Beispiel in der Feuerwehr nicht unbedingt. Der Chorgesang ist einfach eine schöne Sache", meint der 22-Jährige.

Dass sich die Gemeinschaft Feuln-Waizendorf-Lindau auch an modernes Liedgut wagt, liegt nach seinen Worten nicht unbedingt daran, dass der Chor über ausreichend junge Sänger verfügt: "Es liegt eher an unserem Chorleiter Christian Knörrer, der auf seine alten Tage einfach mehr zulässt. Aber auf Englisch singen - das war mein Vorschlag - will er immer noch nicht. Wir singen aber das altbewährte Liedgut genauso gern wie die modernen Stücke."

Die sängerischen Aktivitäten von Michael Hahn haben eine etwas andere Geschichte, denn sein Vater, der bereits Aktiver war, brachte ihn mit 16 Jahren in die Chorgemeinschaft. "Ich habe auch in der Schule gern gesungen, und wir hatten damals in Neuenmarkt mit Günther Hübsch einen Lehrer, der uns mit seiner Gitarre für die Musik und den Gesang begeistern konnte", erinnert sich Michael Hahn. "Es ist aber auch unser Chorleiter, der jeden jungen Sänger unterstützt und ihm Mut gibt. An ihm hängt der ganze Chor. Mir gefallen auch unsere alten Lieder wie zum Beispiel "La Montanara", das in italienischer Sprache sehr schwer zu singen ist. Unser Chorleiter motiviert uns auch immer wieder, neue Lieder einzustudieren."

Auch in der Chorgemeinschaft Neuenmarkt-Hegnabrunn freut man sich, mit den beiden Schwestern Anette Balzar-Mohr (37) und Elisabeth Freundt (30) zwei junge Sängerinnen gewonnen zu haben. Beide stießen vor knapp einem Jahr zum Chor.


"Im Ort irgendwie integrieren"


Die treibende Kraft war die Grundschullehrerin Anette Mohr-Balzar: "Ich finde, der Chorgesang sollte in einem so großen Ort wie Neuenmarkt einfach weiter gehen. Ich wollte schon immer in einen Gesangverein, und man sollte sich im Ort auch irgendwie integrieren. Jung und Alt - das finde ich gut. Deshalb haben wir uns vor einem Jahr entschlossen, den ersten zu Schritt zu machen."

Elisabeth Freund findet vor allem die Gemeinschaft im Chor sehr nett: "Es hat sich herausgestellt, dass alle wirklich lustig drauf sind. Aber man muss natürlich auch ein wenig singen können, und das ist derzeit noch das größte Problem. Es klappt aber schon wesentlich besser als in der ersten Stunde."

Auch der Vorsitzende des Sängerkreises Bayreuth, Professor Klaus Hofmann, wies auf die Schwierigkeiten der Gesangvereine in der Region hin, entsprechenden Nachwuchs zu gewinnen. So sei es in der Vorstandsetage des Sängerkreises nach wie vor noch nicht gelungen, einen Nachfolger für den verstorbenen Heinz Ott aus Untersteinach zu finden.