Deutliche Kritik am Kulmbacher Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt wird im verbandlichen Prüfverfahren geübt. Ein Verfahren, das der Bezirksverband Ober- und Mittelfranken eingeleitet hat und das sich gegen das Führungsgremium um Vorsitzende Inge Aures richtet.

Eine renommierte externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und weitere Fachleute waren (wie berichtet) mit der Prüfung beauftragt und das Verfahren an den Bundesverband abgegeben worden, um ein Höchstmaß an Unabhängigkeit und Objektivität zu gewährleisten, wie nun der Bezirksverband im Nachgang zu einem Treffen in Kulmbach feststellt, das am Dienstag stattgefunden hat.

Bundesvorstand war in Kulmbach

Im Mittelpunkt des Abschlussgesprächs zum Aufsichtsverfahren, an dem auch Bundesvorsitzender Wolfgang Stadler teilgenommen hat, stand eben diese Prüfung. Stadler hat die Presse bereits am Mittwoch darüber informiert, dass man in einer hart geführten Debatte einig gewesen sei, dass künftig keine Aufträge mehr an das Architekturbüro von Hans-Hermann Drenske, dem Ehemann der Kreisvorsitzenden, vergeben wird, um eine Interessenskollision zu vermeiden. Kritiker hatten Inge Aures Vetternwirtschaft vorgeworfen.

Wolfgang Stadler übte deutliche Kritik am Führungsgremium, in dem er den Vorstand aufforderte, sich künftig "ohne Ausnahmen" an den Awo-Governance-Kodex zu halten.

Das sagt der Bezirksverband

Gestern zog der Bezirksverband Ober- und Unterfranken, dessen stellvertretende Vorsitzende die Kulmbacher Landtagsabgeordnete ist, ein Fazit. In der Sitzung seien die Themenkomplexe "Interessenskollision im Zusammenhang mit der Beauftragung des Architekturbüros Drenske" und "Beschäftigung des Ehrenvorsitzenden" in aller Breite diskutiert worden. Beim Ehrenvorsitzenden handelt es sich um Oskar Schmidt, der als Bauberater beim Umbau des Heimes Am Rasen eingesetzt war und dafür 135000 Euro Honorar erhalten haben soll.

Gremium kannte Interessenskonflikt

Der vorgestellte Abschlussbericht bestätige die Interessenkonflikte, die dem gesamten Entscheidungsgremium bei seinen Beschlüssen bekannt gewesen seien und gebe dazu weitere Handlungsempfehlungen für die Zukunft, heißt es in der Stellungnahme des Bezirksverbands. In den vergangenen vier Jahren seien keine neuen Bauprojekte an das Architekturbüro Drenske vergeben worden, "so dass insoweit seitdem keine Interessenkollision mehr bestand".

Bei der Bauherrenvertretung seien Kriterien, die sich aus Beschlüssen der Vorstandssitzungen ergeben, nicht vollumfänglich erfüllt worden. Die Zusammenarbeit mit Oskar Schmidt sei vor längerem beendet worden. Solche Vertretungen würden künftig anders geregelt.

Keine Aufträge mehr für Drenske

Weiter heißt es, dass trotz zum Teil starker Kontroversen in wichtigen Punkten Einigkeit erzielt worden sei. So werde das Architekturbüro Drenske keine Aufträge mehr durch den Kreisverband unter der jetzigen Zusammensetzung des Vorstandes erhalten, um jegliche Interessenskollision zu vermeiden. Die Regelungen zur Trennung von Führung und Aufsicht müssten gemäß dem Awo-Governance-Kodex strikt eingehalten werden. "Ehrenamtliche Funktionäre erhalten lediglich Aufwandsentschädigungen und keinerlei Vergütung."

"Dinge besser regeln"

Es sei wichtig, "den Fokus auf die Vergangenheit zu richten und sich gemeinsam kritisch mit den Vorkommnissen auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie Dinge in Zukunft besser geregelt werden können und müssen. Nun aber gilt es, gemeinsam konstruktiv in die Zukunft zu blicken und in voller Transparenz vertrauensvoll miteinander umzugehen".