Sie sind keine jubilierenden Engel, die mit Lauten und Posaunen die Geburt Jesu verkünden. Ihre Botschaft, die sie auf der Girlande vor sich tragen, ist die vom Tod her: "Wenn ich von der Welt erhöht bin, werden alle zu mir ziehen". Der Gekreuzigte ist der Erhöhte. Er wird jeden retten, so das Heilsversprechen.

Die vier Geflügelten an der Triumphwand der Kirche von Traindorf (Gemeinde Marktleugasts) hat Constantin von Mitschke-Collande (1884-1956) wenige Wochen nach Kriegsende gemalt, nachdem er mit Frau und kleiner Tochter im Unteren Schloss in Guttenbereg "Herberge" gefunden hat. In ihren priesterlichen Gewändern in goldbesticktem Brokat und wallendem Haar sind es Gestalten von nazarenerhafter Schönheit. Anmutig sollten die Himmelsboten auch in ihren Gesichtszügen sein. Deswegen sucht der Künstler sich seine Modelle unter den attraktivsten Frauen im Umfeld des Schlosses, die er zugleich in ihren Wesenseigenarten erfasst.

Das Wandgemälde erstrahlt nach seiner fachmännischen Restaurierung wieder in frischer Farbigkeit. Zu verdanken ist sie, wie auch die aufwendige Sanierung des Mauerwerks und des Dachstuhls, dem rührigen Kirchenpfleger Frank Herold. Er hat nicht lockergelassen, erhebliche Finanzmittel aus der Kirchenstiftung Marienweiher-Traindorf und von der Diözese Bamberg aufzutreiben.

Für die Gottesdienstbesucher ist es ein Blick auf Schönheit und Tod: Wenige Jahre nach der Entstehung stirbt der erste Engel: Therese von Guttenberg (1929-1953). Sie ist die Tochter der damaligen Schlossherrin Elisabeth von Guttenberg und die Tante Enoch zu Guttenbergs. Als der Künstler sie porträtiert, ist sie sechzehn. Sie heiratet den Architekten Alexander von Branca. Mit vierundzwanzig Jahren stirbt sie nach der Geburt ihres ersten Kindes.

Als Letzte der Engel ist nun im Mai dieses Jahres - fast gleichzeitig mit dem Dirigenten - Herta Reinhold 88-jährig in Düsseldorf verstorben. Mitschke-Collande hat sie als 16-Jährige bestens gekannt, da er im Unteren Schloss bei der Familie Reinhold gewohnt hat.

Die angehende Lehrerin, die privat die Kinder im Schloss unterrichtet, ist der Schwarm der männlichen Jugend Guttenbergs. Auch der Maler ist von ihrem Liebreiz fasziniert.

Das Wandgemälde zeigt sie in geheimnisvoller Aura, mit weichem Gesicht und fließenden Locken. Schüchtern blickt sie nach unten, die Lider geschlossen, als träume sie von dem Prinzen, der sie wachküssen werde.

Noch in letzten Lebensjahren hat sie sich jungmädchenhaft gefreut, wenn man mit ihr am Telefon über ihre Jugendjahre in Guttenberg sprach. Stets war ein bisschen Stolz, ein Hauch charmanter Eitelkeit herauszuhören, von einem bedeutenden avantgardistischen Künstler verewigt worden zu sein. Herta Engels, wie sie als verheiratete Frau wahrhaftig hieß, bleibt als wunderschöner Engel in der Kirche von Traindorf für immer gegenwärtig.