Wasser ist das wichtigstes Grundnahrungsmittel. Nicht nur der Mensch, auch die Tiere und Pflanzen könnten ohne das kühle Nass nicht leben. Die Versorgung mit Trinkwasser ist daher seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte eine wichtige und oftmals beschwerliche Aufgabe.


Beschwerlicher Weg


Auch die Bewohner des Rehbergs hatten große Mühen zu ertragen, um an Trinkwasser zu gelangen. Zu allen Jahreszeiten legten sie mit schweren Butten auf dem Rücken den beschwerlichen Weg zur Brunnenstube zurück, um hier das Wasser für den täglichen Gebrauch zu schöpfen.

Die Wasserqualität in diesem Gebiet ist eine der besten in der Region. Unterhalb dieses Hanges standen in Kulmbach mehrere Brunnen, deren Wasser sogar als Gesundheitswasser bezeichnet wurde.

Auf dem Weg von der Trendelstraße zum Rehberg kommt man an einem sehr unscheinbar aussehenden Sandsteinhügel vorbei. In diesem verbirgt sich ein wahrer Schatz, hat hier doch bereits 1680 ein Steinmetz eine große Sandsteinplatte bearbeitet um den Kulmbachern mitzuteilen was hier gemacht wurde.


Kulmbacher Bürger und Ratsherr


Die Inschrift des Brunnens lautet: "1680 hat Johann Christoph Dobenecker L.L. Stud. Diese Brun(n)Stube welche zu seinen anererbt Dobeneckers Castenlehenbaren Stael (oder Stadt) Garttenhaus und Gartten gehörig wiederum reparie(ren) hiermit seine gerechtsame genugsa(m) erwie(sen) gethan und eröffnet haben wollen."

Der beschriebene Dobenecker war ein sehr angesehener und weitsichtiger Kulmbacher Bürger und Ratsherr. In einer Zeit, in der jeder sein Wasser an Brunnen oder Bächen holen musste, errichtete er diese Brunnenstube. Sein Anwesen befand sich im Bereich des heutigen Gymnasiums und des Prinzesinhauses.

Zum Brauchtum im Kulmbacher Land gehörte einst auch, dass die Mädchen das Osterwasser holten. Wasser, das Lebenselement für Mensch und Tier, genoss von jeher Schutz und Verehrung. Um Quellen und Brunnen ranken sich Bräuche und Erzählungen.


Guter Brauch zur Osterzeit


In der Osterzeit wurde neben den ersten grünen Kräutern und den Eiern auch dem Brunnenwasser besondere Heilkraft zugeschrieben. Osterbrunnen, aus denen in der Osternacht Mädchen Wasser schöpften, wurden bereits in alter Zeit mit Eiern und Blumen geschmückt.

Das Osterwasser zu holen war in Franken bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs Brauch. In der Nacht, die dem Auferstehungstag voranging, sah man Mädchen mit Krügen verstohlen zu Quellen und Brunnen huschen. Sie schöpften Wasser und trugen den gefüllten Krug eiligst wieder in ihre Kammer zurück. Dabei durfte kein Laut über ihre Lippen kommen. Denn einem alten Volksglauben folgend, sollte alles Wasser in dieser Nacht besonders heilende und verschönernde Kraft besitzen.

Der Zauber ging aber verloren, sobald beim Schöpfen und Holen des Wassers ein Wort gesprochen wurde. Diesen Glauben machten sich die jungen Burschen zunutze. Sie lauerten den Wasser holenden Mädchen auf und neckten sie auf mancherlei Weise, so dass manche arme Wasserschöpferin oft ihre liebe Not hatte, sich der Zudringlichkeit eines allzu kühnen Verehrers zu erwehren.

Die Sitte des Osterwasserholens und der Glaube an eine besondere Kraft dieses Wassers spielten schon bei der altgermanischen Göttin Ostara eine wichtige Rolle. In der Nacht vor dem Fest der Göttin wuschen sich die Jungfrauen im Wasser der Quellen ihr Gesicht, um es schön und jugendlich zu erhalten.


Mystische Handlung


Aber auch diese Waschung musste, wie jede mystische Handlung, schweigend geschehen, weil sonst der Zauber keine Wirkung mehr hatte.

In der christlichen Zeit blieb der Volksglaube lebendig. Die Priester weihten in der Osternacht das Wasser, mit dem besonders kleine Kinder getauft wurden. Solch geweihtes Wasser wurde von der Landbevölkerung für sehr wertvoll erachtet. Sie besprengten am Ostermorgen ihre Häuser und Ställe damit, um Schutz und Segen für das ganze Jahr zu bekommen.