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Kulmbach
Entdecker-Tour (172)

Der letzte Galgen Kulmbach fiel im Jahr 1814

Im alten Kulmbach gab es mehrere Orte, an denen Menschen öffentlich hingerichtet wurden. Wir stellen diese Galgenberge vor.
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Wo früher der Galgen stand, wurde Mitte des 20. Jahrhunderts die evangelische Kreuzkirche errichtet. Die Einweihung des Gotteshauses fand am 2. Dezember 1962 statt. Foto: Jörg Hermann
Wo früher der Galgen stand, wurde Mitte des 20. Jahrhunderts die evangelische Kreuzkirche errichtet. Die Einweihung des Gotteshauses fand am 2. Dezember 1962 statt. Foto: Jörg Hermann
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Der Rechtspflege wurde schon im Frühmittelalter breiter Raum gewidmet. So gab es damals auch in unserer Region Gerichtsstätten und Rechtsorte. Nachweise hierfür finden sich in der Namenswelt eines Gebietes.

Wo die Krähen fündig würden

Da sich die Richtstätten in der Regel aus hygienischen und aus Tabu-Gründen außerhalb der Ortschaften befanden, gibt es relativ viele Flurnamen wie Galgenberg, Galgenstein oder auch Rabenstein. Letztere Bezeichnung wies wohl darauf hin, dass ein Gehenkter nicht tief genug eingegraben worden war und die Krähen sich einfanden.

Aus den Jahren 1601 bis 1663 ist das "Urteil-Buch über die peinlichen Verfahren des Kulmbacher Gerichts" erhalten. Dort ist 1613 vom "gehengten Gericht" die Rede. Die Galgen standen häufig an Gemarkungsgrenzen. Stets in Grenzlage waren dagegen die sogenannten Schnellgalgen, einfache T-förmige Balkengerüste, die für die rasche Aburteilung wieder aufgegriffener Verurteilter, denen man das Leben unter der Auflage gelassen hatte, dass sie nicht mehr ins eigene Territorium zurückkämen, und vor allem im 17. und 18. Jahrhundert beim rigorosen Vorgehen der Behörden gegen die wandernden Zigeuner benutzt wurden.

Drei Standorte bekannt

Die Bezeichnung für einen Galgenberg gibt es in Kulmbach dreimal. Am bekanntesten ist der Galgenberg an der alten Melkendorfer Straße. Von ihm vermutet Professor Erich von Guttenberg, dass er ursprünglich der Galgen für Melkendorf war und später vom Herrschaftsgericht Kulmbach übernommen wurde. Melkendorf bestand schon vor der Gründung des Bistums Bamberg.

In einem Reisebericht aus dem Jahre 1810 erhalten wir Kenntnis von dem Galgen.

Professor W. A. Lampadius hat seine Wanderung von Kulmbach hinaus nach Bamberg beschrieben: "Nach einer sanft durchschlafenen Nacht ging es frisch und fröhlich, bei dem schönsten Maiwetter, aus Kulmbach hinaus gen Bamberg. Bald präsentierte sich links an der Chaussee der schönste Galgen, den ich jemals sah. Diesen niedlichen Galgen beschatteten nämlich einige schöne, aus seinem Gemäuer entsprossene, laubreiche Bäume, und ein dort gehenkter armer Sünder müsste notwendig in einer arkadischen Umgebung sein Leben enden. Vermutlich bezweckte eine löbliche Kulmbacher Polizei aber nicht die Versüßung der letzten Lebensstunden. Sie wollte vielmehr den Reisenden das Schreckensbild des Todes in einem milden Lichte darstellen."

Das "Arme-Sünder-Gässchen"

Unser schreibender Wandersmann ist vermutlich das "Arme-Sünder-Gässchen" zum Galgenberg hoch gewandert, die heutigen Luitpoldstraße. Hier wurden die zum Tode Verurteilten auf einem Karren zum Galgen gefahren. Das Totenglöckchen der Nikolaikirche läutete zum Geleit.

Von dem Galgen ist schon längst nichts mehr zu sehen. Er stand links der alten Melkendorfer Straße. Hans Edelmann sah als möglichen Standort das Gelände der Gärtnerei Dressel an, das auch als Bauplatz für das neue Krankenhaus im Gespräch war. Nun steht hier die am 2. Dezember 1962 eingeweihte evangelische Kreuzkirche. Der ehemalige Stadtarchivar Richard Lenker hatte aber nach gründlichem Studium der Urkunden und Pläne keine Zweifel, dass der Galgen rund 100 Meter weiter in Richtung Stadt stand, in dem Bereich der Hausnummern 37, 39 und 41.

Großes Spektakel

Manche Hinrichtungen wurden zur Abschreckung in der Stadt vollzogen, so dass möglichst viele Zuschauer dem "Spektakel" beiwohnen konnten. Die letzte öffentliche Hinrichtung in Kulmbach fand am 17. September 1811 statt. Eine vielfache Giftmischerin, die 50-jährige Witwe Anna Margarete Zwanziger, wurde auf der Draht mit dem Schwert gerichtet.

Als Kulmbach nicht mehr preußisch, sondern bayerisch war, wurden Hinrichtungen nicht öffentlich, sondern im Gefängnishof in Bayreuth durchgeführt.

In einer Verfügung vom 30. Juni 1814 an sämtliche Kriminalgerichte und Rentämter schrieb die Königliche Finanzverwaltung: "Da nach dem neuen Kriminal-Gesetzbuche die Strafe des Stranges nicht mehr besteht, so ist durch eine Verfügung des Königlichen Finanzministeriums bestimmt worden, die Galgen in denjenigen Orten, in welchen sie noch vorhanden sind, abtragen zu lassen. Die Zerstörung der Galgen hatte alsbald zu erfolgen, nötigenfalls im Benehmen mit der Polizei. Die Abbruchkosten sollten aus dem Erlös des Verkaufs der Richtstätte gedeckt werden."

Herrlicher Blick ins Maintal

So ging dieser Erlass also auch an den Vorsteher des Rentamts Culmbach, den Amtmann Johann Apollonius Weltrich, nach dem die Weltrichstraße in Kulmbach benannt ist. Nach Streitigkeiten, wem nun das Grundstück gehöre, ging im Dezember 1814 der Galgen nebst dem umliegenden Ödland in den Besitz der Stadt Kulmbach über, die dann alsbald den Galgen niederreißen ließ.

Es gibt eine weitere Flurbezeichnung "Alter Galgenberg" oberhalb der Drei Steine und der Gustav-Adolf-Straße. Von dort ging die älteste Verbindung nach Bayreuth. Man konnte von da oben weit hinaus ins Maintal und zum Jura blicken. Vermutlich ist dieser Galgenberg der älteste von Kulmbach.

Ein weiteres Flurstück mit dem Namen "Alter Galgenberg" liegt in den oberen Bürgergärten an der Bergstraße. Bevor der Weg wieder abwärts geht, hatte man von dem Vorsprung des Rehbergs eine weite Sicht zum Patersberg, ins Dobrachtal und nach Ziegelhütten.

Dieser Platz war vielleicht jener, von dem die Chronik aus dem Buch "Beispiele des Guten" berichtet. Demnach ließ ihn Markgraf Christian 1608 aufstellen, um die in seinen Forsten überhandnehmende Wilddieberei zu bekämpfen. Im Jahre 1610 wurden an diesem Galgen vier Wilddiebe gehängt.

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