Am historischen Stammtisch der Freunde der Plassenburg präsentierte Harald Stark in der "Burgschänke" die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit zur ehemaligen Plankammer und zum Planmaterial der Plassenburg aus den vergangenen Jahrhunderten. Der Kastellan gab einen Überblick über noch vorhandene Baupläne, Zeichnungen und Detailskizzen zur ehemaligen Hohenzollernresidenz seit 1550.


Das Erbe von Professor Limmer

Stark hatte bereits vor einigen Jahren die Restbestände der ehemaligen Plankammer der Plassenburg gesichert. So wurden die 108 noch vorhandenen Reproduktionen historischer Grundrisse, Bauskizzen und Ansichten gesichert. Diese hatte das Gründungsmitglied der Freunde der Plassenburg, Professor Fritz Limmer, seit den dreißiger Jahren aus Sammlungenb nund Archiven in ganz Deutschland zusammengetragen.

Ab 1933 wurden Limmers Ablichtungen in einem Saal im zweiten Stock über der Schlosskirche der Öffentlichkeit präsentiert, sagte der Referent. Immerhin 108 gerahmte Bilder hätten die Zeiten überdauert und seien heute in einem Depot gesichert.

Schon seit Jahren, so Stark, beschäftige er sich mit der Vorstellung, die Plankammer der Burg wieder einzurichten. Er habe sich in Archiven auf die Suche nach alten Plänen, Grundrissen, Zeichnungen und historischen Abbildungen gemacht.


Die Dreckbrühe stürzte hinab

Beim historischen Stammtisch legte Stark eine Fülle von unbekannten oder vergessenen Bauplänen vor. So habe der Artilleriehauptmann Karl Hoffmann nach 1780 einen heute im Kriegsarchiv in München aufbewahrten detaillierten Plan der Gesamtanlage angefertigt, der auch die Abwassergräben im Norden der Burg zeigt. "Das Dreckwasser floss beim äußeren Burgschänkenrondell durch eine freigelassene Öffnung in der Mauer. Die Dreckbrühe stürzte als fünf Meter hoher Wasserfall in die Stadt hinab und ergoss sich in einem Graben zum Mühlbach." Der Graben sei heute noch am Grünwehr hinter dem "Seelöwen" zu erkennen.

Direkt vor dem heutigen Burgtor gab es Stark zufolge bis 1807 zwei weitere Tore, deren Grundrisse noch vorhanden sind. Die in den Skizzen eingezeichnete Bären im Bereich der Gräben seien dabei keine Verzierung. "Die Markgrafen haben im Fichtelgebirge am Waldstein Bären fangen und per Wagen auf die Plassenburg transportieren lassen. Hier mussten sie in Gefangenschaft auf die nächste geplante Bärenjagd warten."


Liebesspiel im Hasengarten

Die große fünfeckige Bastion, die südlich an den Arsenalbau anschließt, sei als Hasengarten bezeichnet worden. "Markgraf Christian Ernst ließ hier im 17. Jahrhundert Hasen halten, denen er gerne beim Liebesspiel zusah", berichtete der Kreisheimatpfleger. Den Namen Flaggenhof habe das Areal erst in den dreißiger Jahren von den Nationalsozialisten erhalten, die dort eine Reihe von Fahnenmasten aufgestellt hatten.

Dass auf der Plassenburg nicht nur Wein getrunken, sondern auch gekeltert wurde, belegt ein weiterer Fund Starks. Anhand einer Beschriftung in einem Plan konnte er einen Raum für die Traubenpresse in den Gewölben unter der kleinen Bastei lokalisieren. Darüber war im Innenraum der Bastei die Roßmühle untergebracht, in der mit Pferdekraft Mehl und auch Schießpulver gemahlen wurden.


Brauhaus mit großer Sudpfanne

Östlich der kleinen Bastei liegt heute eine Gartenfläche, doch im 18. Jahrhundert war hier das Brauhaus der Festung, von dem Stark sowohl Grundriss als auch eine Außenansicht zeigen konnte. Sogar über die genauestens eingezeichneten Gerätschaften bekamen die staunenden Zuhörer Auskunft: "Die Sudpfanne konnte umgerechnet 28,5 Hektoliter für einen Brauvorgang aufnehmen."

In der Diskussion legten sich die Freunde der Plassenburg nicht darauf fest, ob die Plankammer wie vor 1938 wiedererstehen wird. Dies sei in erster Linie Sache der Schlösserverwaltung. Material wäre in Hülle und Fülle vorhanden.


Warum Bierweg?

Und noch ein Detail kam am Ende heraus: Der Bierweg hat nichts mit dem Brauhaus der Burg zu tun. Er heißt erst seit den siebziger Jahren so, als mehrere Kulmbacher Brauereien Ruhebänke gestiftet hatten.

Ein Großteil der gezeigten Plassenburgbauten, auch der unterirdischen, kann ab Mai jeden Samstag bei Außenführungen besichtigt werden; Treffpunkt 14.15 Uhr am Tiefen Brunnen im Schönen Hof.