Der Hofladen Spiller in Kremitz galt viele Jahre lang als Geheimtipp, aber seit Ostern gibt es ihn nicht mehr. Hans und Heidi Spiller betrieben im letzten Winkel des kleinen Himmelkroner Ortsteils eine Direktvermarktung ihrer Schweine, Lämmer, Rinder und Kälber, am vergangenen Samstag standen sie letztmals hinter der Theke.

Vor fast 18 Jahren hatten sie das Geschäft aus kleinsten Anfängen heraus aufgebaut und seitdem mit viel Herzblut geführt. Die Kundschaft kam am Wochenende von überall her, denn die hauseigenen Produkte wurden nur am Freitag und Samstag verkauft: Dosen- und Frischwurst, Sülze, Geräuchertes , Frischfleisch aller Art.

"Ich muss kürzer treten"

Jetzt sind die Eheleute ins Rentenalter gekommen. Vor allem bei Hans Spiller macht die Gesundheit nicht mehr so mit, dass er den Hofladen weiter betreiben könnte: "In ein paar Wochen werde ich 65. Meine beiden Hüften wurden schon ausgewechselt. Ich merkte, dass ich kürzer treten muss. Und nachdem unser Junior keiner ist, der gern schlachtet oder mit dem Messer arbeitet, wird er den Hofladen nicht weiterführen."

Hans Spiller erinnert sich noch an die Anfänge: "1995 habe ich eine Biogasanlage gebaut, und es kamen viele Besucher auf den Hof, um diese zu besichtigen. Dabei wurde auch die Frage gestellt, ob man auf dem Bauernhof nicht auch einkaufen könnte. Das war der Anstoß, ein Jahr später haben wir dann mit dem Hofladen angefangen."

Die ersten Fleisch- und Wurstwaren wurden noch im Bauernhaus verkauft, bevor wenig später ein Laden geschaffen wurde. "Durch die Mund-zu-Mund-Werbung sind es immer mehr Kunden geworden, die auch aus Bad Berneck, Bindlach und sogar aus Bayreuth kamen. Viele schätzten vor allem das Geräucherte - eine Spezialität von uns. Über unsere Verwandtschaft wurde es sogar bis nach Augsburg versandt", so Spiller.

Tatsächlich war "Geracherts aus Kremitz" die Spezialität von Heidi Spiller. In einem großen Topf wurde das gesalzene Rohfleisch eingelegt. Darin reifte es dann vier bis sechs Wochen, bevor es im Schlot geräuchert wurde. Das Salzen erledigte Hans Spiller, für die Feinheiten mit den Gewürzen war seine Frau zuständig.

Die perfekte Köchin

Heidi Spiller hat eine hauswirtschaftliche Ausbildung, die ihr als gute Bäuerin auch eine Portion Selbstbewusstsein beschert hat: "Ich bin eine perfekte Köchin und weiß auch, mit allem umzugehen. Ich bekam auch von Zuhause sehr viel mit, denn mein Vater war Metzger. Wie das Geräucherte hergestellt wird, das habe ich schon von der Pike auf gelernt."

So richtig in Schwung kam der Hofladen der Familie Spiller mit der Lammsalami, die reißenden Absatz fand. Besonders oft wurde außerdem die "Fernsehwurst" verlangt, eine Salami aus Rindfleisch mit italienischen Geschmacksnuancen.

Der letzte Tag hinter der Theke war für Heidi Spiller an Ostern dann doch nicht so einfach: "Ich habe den Hofladen gern gemacht, aber wir haben jetzt den Entschluss gefasst aufzuhören. Wir haben auf dem Bauernhof noch genug zu tun."

"BSE-Krise war ein Horror"

Den Kontakt und die Späßchen mit der Kundschaft wird Heidi Spiller vermissen. Auch dunkle "Wolken" hat es in der Geschichte des Hofladens schon gegeben: "Die BSE-Krise war für mich damals ein Horror. Ich habe manchmal die Ladentür zugemacht und geweint. Einmal war ich sogar dem Nervenzusammenbruch nahe", erinnert sich Heidi Spiller.

Geschlachtet wurden die Tiere in der benachbarten Metzgerei von Reinhold Stützinger in Lanzendorf. Für Hans und Heidi Spiller war es über all die Jahre eine sehr angenehme Zusammenarbeit. Hans Spiller: "Die Großmutter Stützinger stammt ja aus unserem Bauernhof, es ist also Verwandtschaft. Wir haben auch in der Landwirtschaft schon immer zusammengearbeitet. Die Tiere wurden dort geschlachtet, zerlegt und verwurstet."

Den landwirtschaftlichen Betrieb hat Hans Spiller inzwischen an seinen Sohn Martin übergeben. Künftig wird er noch den Holzbau betreiben, ein weiteres Standbein der Familie. Die Aufgabe des Hofladens fiel Hans und Heidi Spiller nicht leicht, aber neben gesundheitlichen Problemen kamen auch technische hinzu: "Das Kühlaggregat ist in die Jahre gekommen und hat vor ein paar Wochen seinen Geist aufgegeben. Wir hätten jetzt auch investieren müssen."

Ein wenig enttäuscht waren die letzten Kunden am Ostersamstag schon. Sigrid Mühlbauer aus Kremitz: "Man hat hier immer Frische und vor allem Qualität gehabt. Ich habe meine Sachen noch nie in einem Großmarkt gekauft, sondern immer hier im Hofladen."

Einziger Trost für die treue Kundin: Die Produkte aus dem Tierbestand der Spillers werden künftig von der Landschlächterei und Metzgerei Stützinger in Lanzendorf vermarktet.