Manche älteren Stadtsteinacher erinnern sich noch daran, dass man früher "Blasiwasser" den Hühnern und Gänsen zu trinken gegeben hat, um die Tiere das ganze Jahr über vor dem Fuchs zu schützen.

Heute ist dieser Brauch längst in Vergessenheit geraten, auch Dekan Hans Roppelt kann sich selbst nicht an das "Blasiwasser" erinnern. "Nein, Wasser segnen wir nicht", erklärt er. Trotzdem ist der Blasiussegen noch immer äußerst beliebt und fasziniert die Menschen. Priester spenden den Blasiussegen mit den Worten: "Der allmächtige Gott schenke dir Gesundheit und Heil; er segne dich auf die Fürsprache des heiligen Blasius durch Christus, unsern Herrn."

Der vergoldete Kerzenhalter

Als Besonderheit wird in Stadtsteinach alljährlich ein vergoldeter Kerzenhalter aus der Sakristei geholt: der Blasius-Kerzenhalter.
Die Kerzen werden - wie ein Andreaskreuz - eingesteckt, unter den Flammen sind kleine Auffangschalen, damit kein Wachs herabtropft. "In Untersteinach und in vielen anderen katholischen Gemeinden werden die Kerzen für den Segen mit einem Band zusammengebunden", berichtet Roppelt. Das mache der Mesner.

Die "Allerweltsweisheit"

Der Heilige Blasius gehört zu den 14 Nothelfern. "Es ist doch klar, warum Blasius so beliebt ist. Jeder hat den Wunsch nach Gesundheit", so der Dekan. "Hauptsache gesund", das sagt man nicht nur so. "Gesundheit ist ein hohes Gut. Dass man das oft erst merkt, wenn man krank ist, das ist eine Allerweltsweisheit", betont Roppelt und führt an: "Aber wir bitten mit Blasius für ein heiles Leben. Es geht nicht nur um Halskrankheiten und Gesundheit am Leib, sondern auch an der Seele."

Omas kommen mit Enkeln

Den Blasiussegen wird auch bei den evangelischen Menschen immer beliebter, stellt der Dekan fest. "Es ist schön, wenn Omas mit ihren Enkeln kommen oder Mütter mit kleinen Kindern. Ich spende den Segen gerne."
Jedem Einzelnen werden die gekreuzten Kerzen vor den Hals gehalten, und jeder Einzelne empfängt den Segensspruch. "Es gäbe auch die Möglichkeit, den Segen allgemein zu sprechen, aber es ist diese persönliche Zuwendung, die den Menschen gefällt. So viel Zeit ist da", sagt Roppelt.

Die Form des Andreaskreuzes

Doch warum werden die Kerzen in Form des Andreaskreuzes vorgehalten? "Das ist einfach physikalisch bedingt. Denn bei einer echten Kreuzform würde doch die querliegende Kerze ausgehen", so Roppelt.

Eines jedoch ist dem Stadtsteinacher Dekan ganz wichtig: "Der Blasiussegen hat nichts mit Magie zu tun, er ist einfach ein Gebet, von dem wir hoffen, dass es erhört wird." Roppelt weist darauf hin, dass die Bitte um Fürsprache der Heiligen eine typisch katholische Angelegenheit ist. "Auch heute empfinden es viele Menschen als etwas Besonderes, zusammen mit Heiligen, die schon bei Gott sind, zu beten. Das hat aber nichts mit Verehrung zu tun."

Doch was hat Blasius eigentlich getan? Blasius war von Beruf Arzt und Bischof von Sebaste in der römischen Provinz Armenien (in der heutigen Türkei gelegen). In den Zeiten der Christenverfolgung versteckte sich Blasius in einer Höhle. Wilde Tiere bewachten sein Domizil, die Vögel trugen ihm Essen heran. Und die Jäger fanden kein Wild mehr, weil sich alle Tiere bei Blasius versteckten.

Die Stunde des Martyriums

Doch eines Tages erhielt Blasius die Botschaft, dass die Stunde seines Martyriums gekommen ist. Blasius kam ins Gefängnis und rettete dort einen Buben, der eine Gräte verschluckt hatte, vor dem Erstickungstod. Er tat auch aus dem Gefängnis heraus noch allerlei Gutes. Die Verfolger der Christen waren über die Standhaftigkeit des Bischofs äußerst erbost, ließen Blasius enthaupten. Doch vorher bat der Heilige, dass alle, die ein "Übel an der Kehle oder sonst ein Siechtum haben", Erhörung finden sollten. Und eine Stimme vom Himmel versicherte ihm die Gewährung dieser Bitte.

Patron der Blasmusiker

Der Heilige Blasius gilt heute als Patron der Blasmusiker, Schuh- und Hutmacher, Gerber, Bäcker, Müller, Maurer, Gipser, Steinmetze, Wachszieher, Seifensieder, Nachtwächter.

Und außerdem wird der Heilige für eine gute Beichte, bei Husten, Halsleiden, Kehlkopfkrankheiten, Diphterie, Blasenkrankheiten, Blutungen, Geschwüren, Koliken, Zahnschmerzen, Pest, Kinderkrankheiten und zur Vorbeugung vor Sturm und wilden Tieren um Fürsprache gebeten.

Meistens wird der Heilige St. Blasius mit Kerzen dargestellt. ‚Deshalb werden am Sonntag, dem Mariä Lichtmesssonntag, auch zusätzlich Kerzen geweiht", sagt Dekan Hans Roppelt.