"Wir möchten zur Kenntnis bringen, dass wir jedes widerrechtliche Betreten unseres Grundstücks und das Entfernen von irgendwelchen Gegenständen mit allen juristischen Mitteln verfolgen werden", kündigt das Ehepaar an, das sich auch öffentlich bei der Bürgerversammlung schon gegen diesen "Brauch" ausgesprochen hat. Wie andere Rugendorfer Familien hat das Ehepaar aber auch keine Lust dazu, alle beweglichen Gegenstände vom Grundstück zu räumen und einzuschließen.

Keine Dialogbereitschaft

Schon vor Monaten erklärte Hollweg gegenüber der Bayerischen Rundschau: "Was uns stört, ist, dass die Betreffenden keinen Dialog wollen", so Hollweg. "Es ist diese Absolutheit, dass das eben Brauch ist, und dagegen kann man nichts machen. Das wollen wir nicht akzeptieren", betonte Hollweg und kündigte an, dass er sich nicht vor einer Auseinandersetzung scheuen würde.
Nun also der Brief.

"Aber was soll ich als Bürgermeister machen", fragt sich Martin Weiß und hofft, dass seine öffentlichen Appelle Früchte tragen und das Ehepaar Hollweg in Ruhe gelassen wird, schon um Ärger und juristische Auseinandersetzungen zu vermeiden.

"Es liegt auch in Ihrer Verantwortung als Bürgermeister und als Mitglied der federführenden Organisation, die für diese gesetzeswidrige Veranstaltung verantwortlich zeichnet, zu verhindern, dass Jugendliche und solche, die sich noch dafür halten, straffällig werden", steht in dem Brief.

Bürgermeister Martin Weiß aber weist von sich, dass die Landjugend als Verein oder ein anderer Rugendorfer Verein hinter dem Pfingststehlen stecken würde. Sicherlich werde dieser Brauch von Jugendlichen, die möglicherweise auch in Rugendorfer Vereinen engagiert sind, durchgeführt, doch ein Verein organisiere die Aktionen nicht. "Das Pfingststehlen hat es schon immer gegeben, das waren immer sporadische, aber doch keine organisierten Einsätze", kommentiert Weiß den Brauch.

Vor einigen Jahren hatte sich der Rugendorfer Bürgermeister selbst an die Öffentlichkeit gewandt. Damals wurden Hollywoodschaukeln, Gartenmöbel und andere schwer bewegliche Dinge auf den Dorfplatz verfrachtet, doch die "Bestohlenen" konnten die Gegenstände nicht mehr aus eigener Kraft zurückbringen. Damals bat Martin Weiß um Rücksichtnahme und um Verständnis für die älteren Bürger. "Und das hat dann auch geklappt", nimmt Weiß die Jugendstreiche bis zu einem gewissen Ausmaß in Schutz. Was ihm ebenfalls ganz besonders wichtig ist: Dass beim Pfingststehlen nichts beschädigt werden darf.

Appell an die Vernunft

"Ich weiß nicht, was ich anderes tun soll, als auch in diesem Jahr wieder zu appellieren. Es darf keine Schäden geben. Ich muss einfach an die Vernunft appellieren", sagt Weiß.

In Rugendorf werden am Samstag vor Pfingsten nicht nur bewegliche Dinge auf den Dorfplatz gezerrt, sondern zwischen "heimlichen" Liebschaften oder zwischen Menschen, die man gerne zusammenführen möchte, werden alljährlich wieder Kalkspuren gezogen. Und so manches Mal sind die Spuren auch gar nicht so ernst anzusehen, erklärt Martin Weiß. Natürlich gab es auch schon Spuren, über die sich Betroffene ärgerten. Doch das hielt sich immer im Rahmen. Denn letztlich wussten die Rugendorfer immer, dass eigentlich alles nur ein Schabernack sein soll.

Hoffen auf friedliche Pfingsten

Die Androhung, gegen den Pfingstbrauch juristisch vorzugehen, gibt es zum ersten Mal. "Die Reaktion in dieser Weise wie jetzt ist ein Einzelfall. Natürlich haben sich auch andere schon mal geärgert, wenn es Übertreibungen gegeben hat, aber nicht so", so Weiß. Auch in früheren Jahrzehnten habe es immer mal wieder "Ausreißer" beim Pfingststehlen gegeben. Da wurden Plumpsklos umgesetzt oder ähnliche Dinge angestellt. "Aber bislang hat sich alles immer wieder in Wohlgefallen aufgelöst", hofft Martin Weiß auch diesmal auf ein friedliches Pfingsten.