Wer gedacht hatte, die CSU würde am Samstag bei der Nominierung ihrer Stadtratskandidaten im "Weberhof", die Sozialdemokraten mit Hohn und Spott übergießen, der musste sich von Stadtrat Wolfram Brehm, der zusammen mit Jörg Kunstmann die Versammlung geleitet hatte, eines Besseren belehren lassen: "Einen Kommentar zur SPD erspare ich mir, da jeder selbst wissen muss, wen er aufstellt oder auch nicht."

Einen kleinen ironischen Seitenhieb konnte sich Brehm, der die Liste der CSU anführt, aber doch nicht verkneifen: "Wir haben keinen ehemaligen SPD-Bürgermeister nötig", scherzte er mit Blick auf den einstigen Weismainer CSU-Bürgermeister Peter Riedel, der bei den Kulmbacher Sozialdemokraten eine neue politische Heimat gefunden hat.

Die Christsozialen ritten keine Attacken gegen den politischen Gegner, sondern strichen selbstbewusst heraus, was in den vergangenen Jahren alles zum Wohle der Bierstadt getan worden war. Und das, so die einhellige Meinung, ist einem Mann zu verdanken: Oberbürgermeister Henry Schramm. Das Wort vom "Henry-Schramm-Team" machte ein ums andere Mal die Runde.

Der über den Klee Gelobte ergriff als einer der ersten das Wort. "Acht mal in Folge konnten wir einen Haushalt ohne Nettoneuverschuldung verabschieden", begann der Oberbürgermeister die Aufzählung "seiner Erfolge". Eine solide Finanzpolitik, Investitionen in Millionenhöhe in Infrastruktur, Bildung und Kinderbetreuung, die Arbeits- und Ausbildungsplätze gesichert und Kulmbach zu einer familienfreundlichen Stadt gemacht hätten und die Förderung des Vereinswesens waren Punkte, die er mit einem Strahlen im Gesicht vortrug.

Die Christsozialen haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie wollen die Anzahl ihrer Sitze im Kulmbacher Stadtrat vermehren. Brehm gab die Losung "Zehn plus x" aus, die er für realistisch hielt. Stadtrat Jörg Kunstmann, der auch stellvertretender Landrat ist, rückte das Personal in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. "Wir sind breit aufgestellt mit jungen, dynamischen Kräften und Persönlichkeiten, die jahrzehntelange politische Erfahrung mitbringen." Der Redner leitete damit zur Vorstellung der einzelnen Kandidaten über.

Das dreißigköpfige Bewerberfeld setzt sich aus bekannten Namen, wie Bürgermeister Frank Wilzok, Fraktionsvorsitzenden Michael Pfitzner oder dem Katschenreuther Urgestein Horst Zahr zusammen. Aber auch neue Gesichter stellten sich im Weberhof vor. Mit Corinna Hörath (30), die am Caspar-Vischer-Gymnasium unterrichtet, und Marion Hoffmann (43), die die Obere Volksschule in Kulmbach leitet, wurden zwei Neulinge unter die ersten zehn platziert, die beide Pädagoginnen sind: Erstere belegt Rang Drei, letztere den siebten Platz. "Ich bin schon viel in Bayern herumgekommen, aber in Kulmbach ist es am schönsten", bekannte Hörath frei von der Leber weg. Und Hoffmann tat kund: "Ich möchte die Anliegen der Eltern aktiv in die Politik mit einbringen."

Auch vier Parteifreie (siehe Liste) reihten sich unter die Christsozialen. Darunter zwei ausländische Mitbürger: "Ich möchte Kulmbach voranbringen", bekannte Orhan Asal (43) und Eiskonditormeister Augusto de Pellegrin (43) schlug eine gedankliche Brücke von der Kommunal- zur Europapolitik: "Wenn es einer Stadt wie Kulmbach gut geht, wozu ich beitragen möchte, dann dient das der Stabilität Europas." Das Schlusslicht auf der Liste bildet Prof. Dr. Wolfgang Protzner, der seit 42 Jahren dem Kulmbacher Stadtrat angehört und das Feld von hinter aufrollen möchte.


Die CSU-Kandidaten für den Stadtrat (ohne Ortsangabe = Kulmbach)
1. Wolfram Brehm
2. Frank Wilzok
3. Corinna Hörath
4. Michael Pfitzner
5. Heike Vogel
6. Jörg Kunstmann
7. Marion Hoffmann
8. Peter Weith
9. Richard von Schkopp
10. Cornelia Zinck (parteifrei)
11. Horst Zahr (Katschenreuth)
12. Lothar Seyfferth (Melkendorf)
13. Dieter Heckel
14. Alexander Schmidt
15. Patrick Kölbel
16. Moritz Protzner
17. Orhan Asal (parteifrei)
18. Benno Pieger
19. Michael Möschel
20. Hans- Christian Leuschner (Oberdornlach)
21. Torsten Grampp (Melkendorf)
22. Markus Ewald
23. Daniel Singh
24. Dieter Hägele
25. Heinrich Poperl
26. Augusto de Pellegrin (parteifrei)
27. Thomas Ludewig
28. Ulrike Berger
29. Peter Bastobbe
30. Wolfgang Protzner.

Ersatzkandidaten sind: Karin Weinmann, Bernd Seebach und Nina Harttig.