Es ist immer wieder ein Genuss, die "Schorgasttaler Blasmusik" zu hören, ein echtes Vorzeigeorchester in der Region. Beim sechsten Böhmischen Abend servierte die Kapelle dem begeisterten Publikum in der vollbesetzten FC-Turnhalle wieder einmal musikalische Leckerbissen.

Mit perfekten Einsätzen, flüssigem, virtuosem Spiel wussten die Musiker um Dirigent Rainer Streit stets Glanzpunkte zu setzen. Schon lange beherrscht das Ensemble verschiedene Stilrichtungen, doch seine Spezialität ist die Böhmische Musik.

Schwungvoll und verträumt

Schwungvolle Polkas, flotte Märsche, verträumte Melodien und schöner Gesang sprachen Herz und Gemüt der Besucher an. Der weiche, warme Orchesterklang verlieh dem Ganzen noch eine besondere Note.
Beeindruckend das harmonische Wechselspiel der einzelnen Register und der Gesamtkapelle.

Weitere Trümpfe: die Solisten-Auftritte. Im Doppel-Solo Jürgen Braunersreuther (Tenorhorn) und Thomas Neidlein (Flügelhorn). Technisch anspruchsvoll, dennoch mit einer gewissen Leichtigkeit präsentierten die beiden Vollblutmusiker die "Polka für Zwei" in mitreißender Manier.

Lustige Witze und Gags gefällig? Gerne. Damit hatte Armin Helbig die Lacher auf seiner Seite. Augenzwinkernd fragte der Schlagzeuger, Moderator und Sänger in Richtung Holzbläser, wie eine Klarinette am besten klingt? Seine Antwort: Leise knisternd im Kamin.

Verdienter Lohn

Daraufhin legten Claudia Goller (Es-Klarinette) und Jürgen Friedrich (B-Klarinette) mit einer verblüffenden Fingerartistik mächtig Feuer in ihr Solostück "Zwei lustige Vögel". Stürmischer Applaus war der verdiente Lohn.
Und das entfachte Feuer flackerte munter fort. Tausendsassa Jürgen Friedrich suchte im Publikum einen Gesangspartner und wurde fündig. Sein Spezi Roland Schaller von den "Kulmbocher Stollmusikanten" musste auf die Bühne. Der Grund: Die beiden beherrschen den Text der Borsicka-Polka in tschechischer Sprache.

Zweifellos hat Dirigent und Frontmann Rainer Streit ein Ensemble um sich, auf das er stolz ist. Zum Beispiel wurden einige neue Stücke erst einen Tag vor der Veranstaltung geprobt, und dennoch alles hat auf Anhieb geklappt. Ein Beweis für die Qualität seiner Musikerinnen und Musiker.

Beachtenswert die Entwicklung der Klarinettistin Claudia Goller. Sie hat sich als hoffnungsvolles Talent zur Leistungsträgerin gemausert, kann dirigieren, gefällt mit ihrer unbekümmerten Art als Moderatorin und feierte an diesem Abend sogar ihre Premiere als Sängerin.

Auch Torsten Koch macht seinen Weg. Der junge Musiker steht meist im Hintergrund. Doch sorgt er mit gekonnten Soloschlägen auf der großen Trommel im richtigen Moment für das Sahnehäubchen.

"Alle waren in Hochform"

"Alle waren in Hochform", freute sich Vorsitzender Marco Heuschmann. Verwöhnt wurden die Gäste, die am Ende reichlich und anhaltend Beifall spendeten, zudem mit kulinarischen Genüssen aus der böhmischen Küche. Ihre Bravorufe und Zugabeschreie beantworteten die Aktiven mit drei weiteren Stücken.