Seit diesem Tag wird Christl Tischer von ihrem Liebling-Bibelvers begleitet. "Ein langes Leben hat seine Tiefen und Höhen. Dieser Vers hat mich durch alle Tiefen und Höhen begleitet und mir immer geholfen", sagt die 75-Jährige.

Ihr Leitspruch

Schließlich sei der Vers zu ihrem Leitspruch geworden. "Wo eine Tür zufällt, öffnet Gott ein Fenster. Wenn man denkt, dass es an einer Stelle nicht mehr weitergeht, geht es dafür einfach an einer anderen Stelle weiter." Manchmal könne man nicht wissen, warum etwas geschieht, aber man solle Gott vertrauen. Er werde es schließlich fügen. "Man sollte Freud und Leid in die Hand Gottes legen. Man kann so viel ertragen, wenn man Gott um Hilfe bittet."

Christl Tischer hat ein bewegtes Leben gehabt, erzählt sie. 1938 wurde sie in Berlin geboren. Erst 1948 ist sie nach Oberfranken gezogen.
Ihre Kindheit prägten der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit geprägt. Diese Information sei nötig, um sie richtig zu verstehen, sagt sie.

Dankbarkeit und Nächstenliebe

"Man sollte für alles dankbar sein. Dafür, dass man immer wieder einen neuen Tag erleben darf", sagt Christl Tischer. Auch seinen Mitmenschen sollte man danken. Auch für Kleinigkeiten. "Man sollte jeden Menschen so nehmen und lieben wie er ist."

Dankbarkeit und Nächstenliebe sind der Kulmbacherin sehr wichtig. "Als ich vor kurzem einkaufen war, konnte ich eine Flaschen, die auf einem hohen Regal stand, nicht erreichen. Ein junger Mann hat mir dann geholfen." An der Kasse habe ihr der hilfsbereite Mann noch zugezwinkert und sie angelächelt. "Diese Freundlichkeit hat den ganzen Tag lang wohl getan."

Als Christl Tischer etwa 15 Jahre lang die Mutter und die Tante ihres Ehemanns gepflegt hat, sei es auch hier die Nächstenliebe gewesen, die sie angetrieben habe. "Es war viel Liebe nötig. Ich hatte ja auch noch einen Beruf, die Kinder und das Haus." Schwierigkeiten konnte sie aber stets zusammen mit ihrem Mann meistern. Die Gemeinschaft habe dabei immer im Vordergrund gestanden. "Es war eine sehr glückliche Ehe und eine glückliche Fügung."

"St. Hedwig ist meine Heimat"

"St. Hedwig ist meine Heimat", sagt sie. Der Pfarrgemeinde fühlt sie sich sehr verbunden. 1974 habe sie bei den Vorbereitungen für die Kommunion und die Firmung geholfen. Wenig später sei sie in den Pfarrgemeinderat berufen worden. Danach wurde sie immer wieder gewählt. 25 Jahre lang war sie dabei; den Vorsitz hatte sie 18 Jahre lang. Heute ist sie noch als Mitglied der Kirchenverwaltung, als Lektorin und als Kommunionhelferin aktiv. "Das Wohl von St. Hedwig und die Menschen aus der Pfarrgemeinde liegen mir sehr am Herzen. Es war bisher eine lange und bewegte Zeit."