Hitzig war es, hektisch, hochemotional - Tag 4 im Bunker-Mann-Prozess hatte es in sich. Thema war immer noch der Vorwurf der Veruntreuung. Seine Sprengkraft zog der Prozess allerdings aus der Konfrontation des Angeklagten und seines ehemaligen Auftraggebers, einen Elektromeister aus dem Landkreis Kulmbach.

Den Anfang machte der als Zeuge vernommene 64-Jährige, der zuerst etwas ausholen musste, um den Werdegang seines Unternehmens zu erklären. Er hatte dieses im Jahre 1992 übernommen, als der Vorgänger nach der Wende das Geschäft aufgab. Er sorgte für einen nahtlosen Übergang und konnte so die ungefähr 6000 Kunden mitnehmen. Im nächsten Jahr sollen der Sohn und dessen Geschäftspartner übernehmen. Bis 2006 habe dann auch alles "bombastisch geklappt", doch dann sei das Unternehmen immer mehr in eine finanzielle Schieflage geraten.

"Der Beste in Oberfranken"

"Dann haben wir langsam gemerkt, dass da irgendwas nicht passt". Auf den Buchhalter sei da allerdings noch niemand gekommen: "Wir haben ihm vertraut." Nach eigener Darstellung hatte er auch allen Grund dazu: der Angeklagte, der in dem Betrieb ausgebildet worden war, sei damals "der Beste in Oberfranken" gewesen, habe dafür sogar Preise erhalten. "Ich hätte nie gedacht, dass mit ihm so etwas passieren kann". Der Zeuge sieht sich sogar außerstande, den Bunker-Mann anzusprechen: "Ich vermeide seinen Namen, das geht mir gegen den Strich." Im Laufe der Verhandlung spricht er seinen ehemaligen Buchhalter, wenn überhaupt, als "der Angeklagte" an.

Das Bild, das der vermeintlich Geschädigte von den Aktivitäten des Himmelkroners malt, könnte düsterer nicht sein: in den Jahren 2011 und 2012 habe es aufgrund der vermeintlichen Abzweigungen auf das private Konto des Buchhalters schwerwiegende finanzielle Probleme in der Firma gegeben, es sei "gespenstisch" gewesen: "Wir wussten nicht mehr, wie wir unsere Rechnungen bezahlen sollten."

"Brutal, schäbig, eiskalt"

Bei einem Streit mit dem Angeklagten sei er "explodiert" und habe diesem mit der Kündigung gedroht, woraufhin der in Tränen ausgebrochen sei und ein Foto seiner Tochter hervorgeholt habe - "das ist dann seine letzte Masche".

Der Bunker-Mann hat anscheinend auch eine massive persönliche Wandlung durchlaufen. Zu Beginn seiner Karriere sei er stets höflich und adrett gekleidet aufgetreten. "Dann muss er einen Keulenschlag oder Knacks gekriegt haben", denn zuletzt sei er nur noch "dreckig, im Kampfanzug" im Betrieb aufgetaucht. Sein Verhalten sei aggressiv, mitunter patzig gewesen. Ausgehend von dieser Wandlung sei das Vorgehen "brutal" gewesen, "schäbig, eiskalt und hinterfotzig".

Unter Tränen schildert der 64-Jährige, wie selbst während einer Phase, in der seine Ehefrau einen Schlaganfall erlitten hatte, immer wieder Geld auf das Konto des Angeklagten verschwand. "Immer wenn es uns schlecht ging, hat er zugegriffen, um uns zu vernichten. Er hatte unseren Konkurs geplant." Die Enkel hatten den Großvater, der aufgrund der Geschehnisse inzwischen auch an Depressionen litt, sogar gefragt, ob man aus der Wohnung heraus müsse. Die Depression sei erst verflogen, als der Sohn und designierte Chef des Unternehmens dem Buchhalter auf die Schliche gekommen war. Zu den Vorwürfen der gemeinschaftlichen Steuerhinterziehung erklärte der Elektromeister: "Ganz entschieden Nein! Es gibt keine gemeinsame Sache. Wenn ich Geld verdiene, muss ich Steuern bezahlen. Wir sind ein gesunder Betrieb."

Der Prozess wird wohl doppelt so viele Verhandlungstage brauchen wie ursprünglich geplant. Vorsitzender Richter Michael Eckstein gab an, dass die Erkrankung des Angeklagten dafür sorge, dass man nicht so lange verhandeln könne, wie das unter normalen Bedingungen möglich wäre. Die Verhandlung musste erneut nach zwei Stunden unterbrochen werden. Nach zweistündiger Pause konnte der Prozess für circa zwei Stunden wieder aufgenommen werden.

Am heutigen Mittwoch wird der Sohn und künftige Chef des Betriebes vernommen. Verhandlungsbeginn ist um 8.30 Uhr am Landgericht Bayreuth.