Ruhig ist es in der "Breiten Wiese". Felder und Wiesen breiten sich auf den Hügeln rund um das Neubaugebiet mit seinen bunten Einfamilienhäusern aus. Mehrere Bauplätze sind allerdings noch frei, grüne Flächen, wo Bürgermeister Eugen Hain (CSU/PWG) lieber neue Häuser sehen würde. "Das ist eines der Dinge, die ich in meiner nächsten Amtszeit angehen möchte: Unsere Bauplätze weiter vermarkten", erzählt er.

Mit seinen 520 Einwohnern ist Guttenberg die kleinste Gemeinde in Oberfranken. "Und auch wenn wir im Vergleich mit anderen Gemeinden im Oberland noch ganz gut dastehen, verlieren wir Einwohner. Das ist nicht nur ein finanzielles Problem, weil die Höhe der Einkommensteuerbeteiligung und der Schlüsselzuweisungen davon abhängt.
Nein, es geht auch um den Nachwuchs für die Vereine, überhaupt um das Leben im Dorf."

Familien in den Ort holen
Um junge Familien nach Guttenberg zu holen, möchte Hain auch Mietwohnungen sanieren. "Ich bekomme immer wieder Anfragen von Familien, die gern hier zur Miete leben würden. Da bräuchten wir aber Fördergelder für die Sanierungen, denn selbst können wir solche Investitionen nicht leisten. Das ist auch etwas, wofür ich mich in der kommenden Amtszeit einsetzen will."

Seit 30 Jahren ist Eugen Hain in der Kommunalpolitik aktiv. Seit 1984 sitzt er für die CSU/Parteilose Wählergemeinschaft im Gemeinderat, fünf Jahre später wurde er zweiter Bürgermeister, 1996 wurde er zum ersten Bürgermeister gewählt. "Ich hab mich schon mein ganzes Leben lang meiner Heimat verbunden gefühlt. In so einem kleinen Ort kennt man ja alle, hat den direkten Kontakt zu den Menschen. Mir war immer wichtig, ein aktiver Teil der Dorfgemeinschaft zu sein."


Dieses Jahr wird Hain 65, zu einer vierten Amtszeit wollte er eigentlich nicht antreten. Sein Nachfolger sollte Ulrich Rogen werden, der bereits stellvertretender Bürgermeister war. Im vergangenen Jahr starb Rogen jedoch unerwartet. Ein anderer Nachfolger konnte auf die Schnelle nicht gefunden werden, Gegenkandidaten gibt es nicht. "Für mich war klar, dass ich mein Dorf da nicht im Stich lassen kann. Deswegen trete ich wieder an. Ich hoffe, dass ich mir in den kommenden sechs Jahren einen neuen Nachfolger aufbauen kann."

Zweimal pro Woche hat Hain Sprechstunde in der Gemeindekanzlei, jeden Tag kommt er ins Büro der Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach, zu der Guttenbeg gehört, hat regelmäßig auswärtige Termine und Dienstbesprechungen. "Und im Kopf beschäftige ich mich natürlich auch dann mit den Problemen der Gemeinde, wenn ich nicht im Büro sitze. Manchmal dauert es nach einer Gemeinderatssitzung noch lange, bis ich einschlafen kann, wenn zum Beispiel eine größere Investition ansteht."

Jüngstes Großprojekt war die Sanierung der Gemeindestraße zwischen Maierhof und Triebenreuth 2011. Dafür musste die Gemeinde 36 000 Euro aufbringen. "Wir haben 13 Kilometer Gemeindeverbindungsstraßen. Die meisten davon wurden in den sechziger und siebziger Jahren ausgebaut und haben so langsam ihre maximale Lebensdauer erreicht", sagt Hain. Die Sanierung der Straßen wird in den kommenden Jahren also ein wichtiges Thema sein.
 
Erfolgreich Schulden abgebaut
"Mein Ziel war immer, die Gemeinde voranzubringen und trotzdem Schulden abzubauen", erzählt Hain. 1996, als er sein Amt antrat, lag die Pro-Kopf-Verschuldung bei 1223 Euro, inzwischen liegt sie bei 606 Euro. "Finanziell stehen wir im Moment gut da." Solide Haushaltspolitik sei trotzdem weiterhin angesagt. "Es kommen bestimmt auch wieder schlechtere Zeiten mit weniger Einnahmen, dafür müssen wir jetzt Puffer schaffen."

Trotz Sparpolitik sei es ihm wichtig, sein Dorf lebens- und liebenswert zu gestalten und zu erhalten. Stolz ist er deshalb auf die Gründung des Gartenbau- und Ortsverschönerungsvereins, die er angestoßen hat. "Die Verbesserung des Ortsbilds ist mir wichtig. Und der Verein hat schon viel dazu beigetragen. Am Herzen gelegen habe ihm auch die Wiederbelebung der Kirchweih. "Mit der Unterstützung der Vereine ist das jetzt wieder ein richtiges Fest." Für das Dorfwirtshaus, das vor zwei Jahren zumachte, würde er sich einen neuen Pächter wünschen. "Allerdings müsste das jemand sein, der auch Speisen anbietet, reine Bierwirtschaften laufen einfach nicht mehr." Zum Glück könne der Verlust der Wirtschaft zum Teil durch die Vereinsheime aufgefangen werden, die ihre Öffnungszeiten erweitert hätten. "Wir ziehen alle an einem Strang. Auch im Gemeinderat funktioniert die Zusammenarbeit gut. Das ist es, was mir an Guttenberg und dem Leben hier gefällt: Das Miteinander."

Auch das Verhältnis mit den Schlossherren von Guttenberg sei gut. "Sie sind immer offen und hilfsbereit, wenn ich mit einem Anliegen sie herantrete. Die Wasserversorgungsanlagen oder der Spielplatz etwa stehen auf dem Grund und Boden des Barons, ohne dass die Gemeinde dafür zahlen muss." Auch die Feuerwehr hat der Baron schon finanziell unterstützt, zahlt die Hälfte des Gehalts des evangelischen Pfarrers. "Die zu Guttenbergs richten auch eine Seniorenweihnachtsfeier im Schloss aus, sorgen für Kaffee und Plätzchen, und der Baron und seine Frau spielen Klavier."