Vor der Gemeinderatssitzung am Montagabend übergab Bartels Listen mit binnen zwei Tagen gesammelten 145 Unterschriften "pro Windkraft" an Bürgermeister Dietmar Hofmann (SPD/OL). "Ich habe mich sehr über die Energiewende gefreut, die die Regierung gestartet hat. Dafür habe ich seit Jahrzehnten gekämpft. Zwei Jahre nach dem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft werden jedoch gerade mal 20 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie regenerativ erzeugt. Es ist noch ein langer Weg zu den anzustrebenden hundert Prozent. Noch schwerer wird es, wenn dieser Weg dadurch blockiert wird, dass sich Leute das Sankt-Florians-Prinzip nach dem Motto ,Wir sind ja für die Windkraft, aber nicht bei uns' auf die Fahnen schreiben", erklärte Bartels im Gespräch mit der BR.

Der bayerische Windenergieatlas, so Bartels, weise schließlich für die Region hervorragende Werte aus.
Auch die Geoökologische Fakultät der Universität Bayreuth bestätige die "beste Eignung der angedachten Vorrangflächen". Alle beklagten schließlich die langen Strecken, über die der per Windkraft an der Nordsee erzeugte Strom bis nach Süddeutschland, wo er verbraucht wird, transportiert werden muss. "Wir werben dafür, dass man sich nicht am Anblick eines Windrads stößt, sondern dieses als wohltuende Beruhigung des Gewissens betrachtet", so der Initiator der Unterschriftensammlung. Allen anderen sei zu empfehlen, dass sie ihren persönlichen Energieverbrauch auf 20 Prozent des aktuellen Wertes senken. "Dann könnte auch ich der Unterschriftensammlung der Windkraftgegner zustimmen".

Bartels erklärte, dass er bei seiner Aktion viel Zustimmung, aber auch ablehnende Reaktionen erhalten habe. "Die Ablehnungen gingen aber eher in die Richtung, dass diejenigen über die Windkraftanlagen entscheiden sollten, die in den Vorranggebieten wohnen." Bedauerlich finde er, dass sich unter den Gegnern auch Personen finden, die sich vor 20 Jahren gegen die damals geplante Restmülldeponie im Limmersdorfer Forst eingesetzt haben. "Ich empfehle denjenigen, sich an der bundesweiten Suche nach einem Endlager für Atommüll zu beteiligen. Ein solches wird nämlich wegen der Nutzung der Kernkraft zwingend benötigt."

Die Vorgehensweise des Marktes im Hinblick auf die Nutzung der Windkraft im Thurnauer Gemeindegebiet nannte Bartels "vorbildlich". Die Entscheidungsprozesse seien transparent verlaufen, es habe genügend Informationsveranstaltungen und Veröffentlichungen gegeben. Wichtig sei auch die geplante Bürgerbeteiligung an den Anlagen, die bereits ab 500 Euro ermöglicht werde. Mit der Firma NewEn sei zudem ein Partner gefunden worden, der mit einer eigenen Niederlassung vor Ort sei und eines Tages die aus der Windkraftnutzung resultierende Gewerbesteuer direkt nach Thurnau zahle.

Zur Befürchtung, dass die Landschaft zerstört werden könnte, verwies Bartels auf die Naturzerstörung, die man nicht sehen, aber am Klimawandel und der Luftverschmutzung sowie an der latenten Gefahr durch die Atomkraft ablesen könne: "Ich hätte kein Problem mit einer Windkraftanlage vor der Haustür."

Bürgermeister Hofmann begrüßte die Unterschriftensammlung, die in den nächsten Tagen noch fortgesetzt werden soll. Es sei wichtig, dass die Diskussion weiter sachlich bleibe und sich keine Fronten bilden. Für die beiden Vorrangflächen bei Kleetzhöfe und Alladorf habe man bislang erst 20 bis 30 Prozent des Weges im Genehmigungsverfahren absolviert. Hier sei es wichtig, dass weiter alle Beteiligten in einem Boot bleiben. Über die gemeindeübergreifende Vorrangfläche bei Lochau werde hingegen angesichts des umstrittenen Zuschnitts noch zu reden sein.