Wenn ein Luxus-Kreuzfahrtschiff Richtung Hawaii aufbricht und Brückleiner an Bord sind, verspricht das, eine sehr turbulente Reise zu werden. Und so war das neue Lustspiel "Loveboat sticht in See" gespickt mit zahlreichen Überraschungsmomenten, treffsicheren Pointen und Bonmots. Regisseurin Silke Strobel hatte die Charaktere gut ausgewählt und ideal besetzt.


200 Zuschauer aus dem Häuschen


Das Lustspiel im Festzelt zur Brückleiner Kerwa bot alles, was man von einem Laientheater nicht unbedingt erwarten muss: Mimische Variabilität, durchgängige Textsicherheit und grandiose Situationskomik. Die Theatergruppe Brücklein schöpfte zur Premiere aus langjähriger Erfahrung, sie hat's einfach drauf.

Den Auftritt vor über 200 Besuchern, die mit Zwischenbeifall und einem frenetischen Schlussapplaus ihrer Begeisterung freien Lauf ließen, darf man als sehr gelungen bezeichnen, als Werbung für die noch kommenden Vorstellungen. Denn der Dreiakter, der viel Stehvermögen und Textvolumen forderte, quoll über vor Verstrickungen, teils grotesken und skurrilen Szenen, in denen Seekrankheit, ein Leck, zwei Heiratsanträge und abgesoffene Taucher für Wirbel sorgten.


Happyend im Doppelpack


Die Gags riefen Lachsalven hervor, dazwischen nur Mimik und Gestik, wortlos, aber spannungsgeladen. Eine Mischung aus purer Heiterkeit und Verzweiflung über die Tücken der Liebe. Und dass das amüsante Stück gleich mit zwei Happyends schloss, freute das Publikum, auch wenn der zweite Heiratsantrag erst nach dem Schlussvorhang offenbar wurde. Auch eine nette Idee.

Die zehn Akteure, darunter drei Neulinge, wuchsen ein bisschen über sich hinaus, das Herzblut von Laienschauspielern war deutlich zu verspüren. Besonders die, die schon seit Jahren auf der Bühne stehen, gaben dem Abend den richtigen Drive, die unverkennbare Note. Allen voran Frank Stöcker, der Mann von kleiner Statur, aber großer Ausstrahlung. Wortgewaltig im Dialekt und gestenreich, der genau Richtige für die mit Verzögerung explodierenden Einfälle, so unverhofft, dass sie den Beifall der Zuhörer erst Sekunden später auslösten. Ohne ihn wäre Theather in Brücklein wie ein Bassin ohne Wasser.


Ein kongeniales Paar


Mit seiner Angetrauten Elfriede (Carmen Wich) ergab sich ein kongeniales Paar, sie gehören auch abseits der Bretter zusammen. Carmen war die Rolle der sich im Kulmbacher Slang bewegenden Szenerie auf den Leib geschrieben. So schön treuherzig kann das nur sie. Und einer, in dem Theatherblut fließt, ist Alexander Jungwirth, diesmal als schwuler Steward. Allein das Grazile, die feinen Manieren, die Stimme, in der Höhe angesiedelt, machten das Zuschauen zum Vergnügen.

Man muss ihn einfach mögen, Christian Neus alias Rodriguez Alvarez, der Beau, der Frauenliebling, fühlte sich als Entertainer, Monteur und Bordarzt gleichermaßen wohl, ausdrucksstark und dominant im Auftreten. Marco Zapf entpuppte sich wieder mal clownesk, derb und einfühlend. Auf der Tastatur des Profilwechsels zu spielen, ist für ihn kein Problem.


Drei starke Neulinge


Annika Schott outete sich resolut liebenswürdig, bestimmend in verzwickten Situationen, und Andreas Schwarz gab einen tolpatschigen, etwas duseligen Kapitän. Ein nicht einfacher Part, aber er gelang. Noch zu den drei Neulingen. Die Überraschung war Verena Dörfler. Sie agierte ungemein selbstsicher, Grand Dame und verletzliche Frau, jede Gefühlsregung superb ausdrückend. Ein spätes Talent. Eva Neumann mimte die Coole, distinguiert und feines Hochdeutsch sprechend. Und André Jurke ist einer, der zum Team passt: seriös, klar in der Sprache, zielführend.

Die besten Szenen waren, als die vorne auf der Bühne zu "Hey, Macarena" rhythmisch tanzten , das Publikum geschlossen aufstand und mitmachte. Oder als Stöcker und Zapf als Taucher über Bord gingen, ihre Not herausschreiend. Und noch das wundervoll angerichtete Kapitäns-Dinner.

Ein Sonderlob gilt dem aufwändigen Bühnenbild, der Maske und Schminke. Die in Brücklein beherrschen die Kunst des Theaterspielens.