Die blaue Uniform hat Ronald Baumüller sein ganzes Leben lang mit Stolz getragen: Es war die Uniform des THW. Auf überregionaler Ebene war Baumüller engagiert. Und obwohl er als Kulmbacher immer eine echte Landratte war, schlägt sein Herz doch für Schiffe. "Zurzeit habe ich gleich drei Schiffe in Bau", erzählt Ronald Baumüller und führt uns die steile Stufe im Haus in der Wolfskehle hinauf: Dort ist seine Werft - ein Hobbyzimmer, in dem die berühmtesten Schiffe gebaut und mit High-Tech ausgestattet werden.

Die Technik macht's

Angefangen hat Ronald Baumüller mit dem Schiff "Theodor Heuss". Das Schiff ist rot-weiß lackiert, der Körper des Schiffes ist aus Styropor. "Das Boot ist ein Bausatz - Formteile, Holzspanteile oder eben Kunststoff. Aber das, was meine Leistung ist, ist das, was ich drumherum baue: die Technik", sagt Baumüller und lächelt. Die "Theodor Heuss" hat ein Schleppboot. Dieses kann elektronisch mit einer Ankerwinde zu Wasser gelassen werden.

"Wichtig ist auch immer die Beleuchtung", erklärt Baumüller sein Faible. Ankerlampen, Positionslampen, Radar. Die Schiffe bekommen steuerbord und backbord verschiedene Lampenfarben, genau wie die Originale. "Steuerbord - rechts - ist grün, Backbord, also links, ist rot", weiß Baumüller.

Immer die Attraktion

Besonders stolz ist er auf sein 1,80 Meter langes U-Boot. Es kann sogar abtauchen. "Wenn kein Badebetrieb ist, lasse ich es an der Kieswäsch oder im Trebgaster See fahren", berichtet Baumüller. Und natürlich ist Baumüller, wenn er seine Boote ausfährt, immer die Attraktion.

"Manche Städte haben einen echten Hafen, wo Modellbootbauer ihre Boote fahren lassen können. Das wäre was", überlegt Ronald Baumüller.

Sehr häufig lässt er seine selbst gebauten und ausgestatteten Schiffe im heimischen Pool zu Wasser. Denn zu Hause kann er die Wasserlinie austarieren, kann schauen, ob die Boote mit Blei beschwert werden müssen oder ob sie auf einer Seite Überlast haben. Im Schiffsinneren, unter den Planken, versteckt sich in Baumüllers Schiffen jede Menge Technik: Kabel, Schläuche, Relais, Schalter, Leuchtdioden.

Zurzeit baut Kapitän Ronald Baumüller an drei Schiffen gleichzeitig, unter anderem an einem Krabbenkutter, der ausfahrbare Netze bekommen soll. "Ich baue auch einen Rauchgenerator ein, und einen Krabbenofen bekommt das Schiff zusätzlich noch. Der gehört schließlich dazu", erklärt Baumüller.

Besonders kompliziert ist Schiff Nummer zwei, ein Feuerlöschboot mit drehbaren Löscheinrichtungen. Die Spritzen sollen elektronisch funktionieren.

Und das dritte Boot, das sich gerade in der Werft in der Wolfskehle befindet, ist ein Tonnenlegerboot, das die Tonnen, also Schiffahrtszeichen zur Kennzeichnung von Fahrrinnen, ausbringen soll.

Baumüllers Traum

In der Lockdown-Phase hat Ronald Baumüller täglich in seiner Werft gearbeitet, meistens zwischen 22 Uhr und Mitternacht. Denn neben den drei Booten, die fertig werden sollen, hat er noch einen Traum: Er möchte die "Graf Spee", ein Schiff der deutschen Kriegsmarine, das während des spanischen Bürgerkrieges und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges eingesetzt war, nachbauen. Es soll im Maßstab 1:200 entstehen. "Das ist ganz schön kompliziert. Ich habe aus dem Boot schon 370 Bullaugen rausgebohrt. Und jedes Bullauge wird einzeln beleuchtet", erklärt Baumüller. Vier große Pläne hat er, um das Boot detailgerecht auszustatten. "Aber ich benötige sicher noch ein bis zwei Jahre, bis es vorzeigbar ist", sagt er.

Die Sache mit der "Graf Spee"

Ronald Baumüller kann mit diesem Werk auch seine Frau, die sich sonst in Sachen Schifffahrt eher zurückhält, begeistern. Denn ihr Vater war auf der "Graf Spee". "Er war vermisst, als die ,Graf Spee‘ in Uruguay versenkt wurde", erzählt Baumann. Der Kommandant Hans Langsdorff wähnte sich damals in aussichtsloser Lage: Er ließ die Mannschaft von Bord und dann das Schiff versenken. Er selbst nahm sich wenige Tage später in Buenos Aires das Leben. All das ist geschichtlich verbrieft. Und der Vater von Ronald Baumüllers Frau war einer der Männer, die mit dem Leben davongekommen sind.

Krönung der Werftgeschichte

"Die Schiffe machen auch Geschichte lebendig", sagt Baumüller und recherchiert weiter. Die "Graf Spee" soll jedenfalls Baumüllers eigene Werftgeschichte krönen.

Und natürlich ist die Bayerische Rundschau dabei, wenn die "Graf Spee" vom Stapel läuft und in See stechen wird ...