Paul Daum von den Mittelalterfreunden "Burg Augenglas" packte am Samstagnachmittag die Gelegenheit beim Schopf: Während seine Vereinskollegen den Stand errichteten, baute er einen Schneemann. Einen ganz besonderen - mit einem Wikingerhelm auf dem Kopf. Am Samstag war so etwas noch zu machen. Gestern hätte der Kulmbacher schlechte Karten gehabt: Regnerisches Tauwetter ließ die weiße Pracht dahinschmelzen.

Das Schmuddelwetter sorgte dafür, dass, verglichen mit früheren Jahren , beim Blaicher Weihnachtsmarkt der ganz große Besucheransturm ausblieb. Der Regenschirm war für viele Besucher unverzichtbarer Begleiter beim Bummel durch die Budenstadt, die weihnachtliches Flair verströmte.

Die Veranstalter hatten sich auf das angekündigte Tauwetter eingestellt.
Bereits am Donnerstag und Freitag räumten Museumsleiter Bernhard Sauermann vom Bayerischen Brauerei- und Bäckereimuseum , Veranstaltungsbetreuer Uli Wagner und weitere Helfer fleißig Schnee. "Wir wollten nicht, dass die Leute im Matsch herumlaufen", sagt Sigrid Daum, Geschäftsführerin des Museums. Zudem hatte man einige der rund 40 Stände auf den Vorplatz des Museums verlagert, weil dieser einfach leichter vom Schnee zu befreien war.


Heimelige Atmosphäre


Pünktlich um 13 Uhr kommt das Blaicher Christkind Savina Foerster (9) hoch zu Ross auf ihrem Schimmel Rashid dahergeritten. "Es gibt heut' schöne und köstliche Sachen, die euch bestimmt viel Freude machen", begrüßt es die Gäste aus Nah und Fern. Erstmals in der Blaich vertreten ist heuer Wolfgang Böhner aus Leuchau, der handgeschnitzte Krippen und Krippenzubehör aus Holz baut. "Ích war schon auf vielen Märkten, doch eine solch heimelige Atmosphäre erlebt man selten." Seine Schnitzereien sind ein Hingucker.

Während die einen noch die Krippen bewundern, lassen sich die anderen hochprozentige Köstlichkeiten aus Oberlangenroth schmecken. "Hmm, schmeckt der Eierlikör würzig." Leonhard Förster aus Kulmbach lässt sich von Rosa Jurkat noch einen Waffelbecher reichen. "Die Quitte mit ihrem blumigen, angenehm fruchtigen Geschmack liegt in diesem Jahr voll im Trend", erzählt Jurkat, die an ihrem Stand eine Vielzahl von Obstbränden anbietet.

Franziska Wunderle schlendert mit einer kleinen Zipfelmütze auf dem Kopf über das Gelände. Was schätzt die Stadtsteinacherin, die sich zu den regelmäßigen Besuchern zählt, an dem Markt? "Hier findet man ausgefallene Sachen. Liköre und Töpferwaren zum Beispiel, die nicht jeder Weihnachtsmarkt hat."

Ganz auf Weihnachten ist man am Stand von Claudia Pechschmidt und ihrer Schwester Monika Pittroff eingestellt: Erstere verkauft Kerzen in Lebkuchenmännla- und Tannenbaumform, letztere die heilige Familie, hergestellt aus rotem Ton und überzogen mit Goldglasur.


Amnesty International und Bayern1


Der Blaicher Weihnachtsmarkt hat auch eine soziale Komponente: Mit selbst gebackenen Lebkuchen, verziert mit dem Emblem "ai", macht die Kulmbacher Gruppe von amnesty international auf ihre aktuelle Unterschriftenkampagne "Der arabische Frühling darf nicht verblühen" aufmerksam.

Ein Herz für notleidende Kinder haben die Mitglieder des Bayern 1-Stammtisches aus Mainleus. Selbst gestrickte Socken, gehäkelte Babyschuhe, selbst gebastelte Engel - alles von den Mitgliedern eigenhändig angefertigt für einen guten Zweck. Die Verkaufserlöse kommen der Aktion "Sternstunden" des Bayerischen Rundfunks zugute. Für dedn festlichen Klang sorgen mehrere Chöre und das Blechbläserensemble "Wiesenttaler". Auch in das Museum, das seine Pforten geöffnet hat, strömen die Besucher.