Manchmal weiß selbst das Strafgericht keinen Rat mehr. Bei einem Rosenkrieg beispielsweise. Weil sich beide Ehepartner gegenseitig verletzt haben und der genaue Hergang nicht mehr mit Sicherheit zu klären war, hat das Amtsgericht am Donnerstag das Verfahren gegen einen 77-jährigen Mann aus dem Landkreis kurzerhand eingestellt, und zwar ohne jegliche Auflagen.


Einige Verfahren am Laufen


Weder für sich, noch für seine 33 Jahre junge Ehefrau dürfte das zufriedenstellend sein, zumal mehrere weitere Verfahren noch am Laufen sind und sich die beiden Streithähne bereits in der kommenden Woche beim Familiengericht in Bayreuth wieder begegnen.

Dann wird es wohl um die Scheidung gehen.
Bereits bei den Angaben zum Familienstand hatte der 77-Jährige angegeben: "Leider noch verheiratet." Die Frau war, obwohl sie im vorliegenden Verfahren nur als Zeugin geladen war, gleich mit einer Rechtsanwältin im Gericht aufgetaucht. Die Anklage gegen ihren Ehemann lautete auf Körperverletzung.


Dann flog der Aktenordner


Im vorliegenden Fall war es im Zuge eines Autoverkaufs zu einem Gerangel um einen Aktenordner gekommen. Ein Wort gab das andere, bis sich das ungleiche Paar gegenseitig angriff. Er sagte, sie sei schuld, sie sagte, er sei schuld.

So soll der Senior mit der flachen Hand auf die linke Wange der Frau geschlagen, sie in den Schwitzkasten genommen und gewürgt haben. Bei dem Vorfall sei es schließlich auch darum gegangen, dass ein Auto verkauft wird, um gemeinsame Schulden zu tilgen. Aufgrund des Würgevorgangs habe sie danach tagelang unter Kopf-, Hals- und Zahnschmerzen gelitten, berichtete die Frau.


Einbauküche kurz und klein geschlagen


Es sei ganz anders gewesen, sagte der Angeklagte. Seine Frau habe ihn mit den Füßen zwischen die Beine getreten und ihn anschließend in den Oberarm gebissen. Beides stellte die Frau übrigens nicht in Abrede. Auch nicht, dass sie schon mal mit einem Hammer die Tür eingeschlagen hatte.

Nicht Gegenstand der Verhandlung war, dass die Frau schon mal mit dem Küchenmesser auf den Mann losgegangen sein und die gesamte Einbauküche kurz und klein geschlagen haben soll.

So geht es bei dem Paar angeblich schon seit der Hochzeit 2013 zu. Er sagte: "Diese Frau ist wie ein Kugelblitz, es ist unmöglich, sie zu bändigen." Die 33-Jährige sprach dagegen von einem jahrelangen Martyrium und von "Terror hoch drei". Dumm nur, dass der Angeklagte mit seiner Frau Gütergemeinschaft vereinbart hat und ihr die Hälfte seines Anwesens mit Landwirtschaft, Pferden und mehreren Autos gehört.


Genaue Abläufe nicht zu ermitteln


So ganz klären ließ sich auch nicht, ob das Paar mittlerweile getrennt lebt oder nicht. Seine Frau sei nur sporadisch zuhause und halte sich die meiste Zeit bei ihrem neuen Freund auf, sagte der Angeklagte. Seine Frau widersprach ihm. Einen neuen Freund gebe es gar nicht, das sei nur ein Bekannter, dem sie aufgrund der vielen Schikanen ihr Herz ausschütten kann. Schon allein wegen der Tiere komme sie täglich auf das Anwesen.

"Das Strafgericht kann hier nicht weiterhelfen, sie müssen die Angelegenheit mithilfe vernünftiger Anwälte klären", sagte Richterin Sieglinde Tettmann. Auch was Ursache und Folge der Ordnerattacke angeht, ließen sich die genauen Abläufe gar nicht mehr ermitteln.