Atomausstieg und Energiewende sind ehrgeizige Projekte. Ebenso die Suche nach Wegen, wie die regenerativ erzeugte Energie künftig zu den Verbrauchern, gerade in Bayern, kommen soll. Den Auftrag für den Netzausbau entlang des Ostbayernrings, der auch durchs Stadtsteinacher Oberland führt und Oberfranken und die Oberpfalz mit Strom versorgen soll, hat die Firma Tennet in Bayreuth bekommen.


"Wir planen offen und transparent"


Mitarbeiter von Tennet suchten gestern im Marktleugaster Bürgersaal den Dialog mit den Betroffenen - und dies vor dem eigentlichen Genehmigungsverfahren. ,"Unsere Philosophie ist es, im Dialog mit den Bürgern zu planen. Wir informieren dazu offen und transparent", erläuterte hierzu Ina-Isabelle Haffke.

Wie Projektleiter Mark Sprung betonte, habe Tennet aber auch ein sportliches Ziel: "Wir wollen 2020 fertig sein. Der Zeitplan steht im Zusammenhang mit der Energiewende, die von der Bundesregierung beschlossen wurde."
Ina-Isabelle Haffke zeigte auf, dass das behördliche Genehmigungsverfahren zwei Schritte umfasst: das Raumordnungsverfahren und das anschließende Planfeststellungsverfahren.


Von Redwitz bis Schwandorf


"Tennet hat im November den Raumordnungsbeschluss bekommen mit der Linienführung und allen Varianten, die positiv beurteilt wurden, und die stellen wir heute vor", sagte Haffke. Im Planfeststellungsverfahren werde dann der genaue Verlauf der Leitung von Redwitz nach Schwandorf festgelegt.

Die Regierungen von Oberfrankenund der Oberpfalz wägen alle Argumente ab und erlassen schließlich für die einzelnen Abschnitte den jeweiligen Planfeststellungsbeschluss. Auf Basis dieser Beschlüsse kann Tennet mit dem Leitungsbau beginnen.

In den nächsten Tagen wird Tennet die Gespräche mit den Eigentümern führen, auf deren Grundstücken nach der jetzigen Vorplanung ein Mast gebaut werden könnte.


Für Erdeverkabelung fehlt gesetzliche Grundlage


Was den konkreten Trassenverlauf im Bereich von Traindorf und Neuensorg angeht, liegt Tennet bekanntlich die Forderung nach einer Erdverkabelung vor. Dazu fehlt aber nach den Worten der Sprecherin die gesetzliche Grundlage. "Die Politik setzt sich dafür ein. Es ist auch noch nicht vom Tisch, aber derzeit haben wir keine Signale aus München oder Berlin für eine Erdverkabelung. Insofern gehen wir weiter von einer Freileitung aus."

Im Bürgersaal hätten runde Tische unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Ina-Isabelle Haffke: "Wir hatten schon bei der Vorstellung des Leitungstrasse 2014 gesagt, dass wir in Neuensorg, wo sich eine Engstelle ergab, die Bürgerbeteiligung anbieten. Dafür konnte man sich bewerben. Die Teilnehmer haben auch ihr lokales Wissen eingebracht." Ergebnis sei die Nord-Variante gewesen. Auch Bürgermeister Franz Uome habe sich dafür ausgesprochen. "Wir schaffen in Neuensorg damit eine wesentliche Verbesserung", so Haffke.


Variante mit Vorteilen


Projektleiter Mark Sprung ging gestern kurz auf die Planungswerkstätten ein: "Hier in Neuensorg hatten wir an einer von drei Stellen ein Trassenuntersuchungsteam installiert. Gemeinsam mit den Bürgern haben wir die unterschiedlichen Varianten entwickelt, die wir dann auch wertfrei aus unserer Sicht in das Raumordnungsverfahren eingebracht haben."

Die Regierung habe sich jetzt für eine Variante entschieden, weil sie entsprechende Vorteile gegenüber den anderen habe. Das äußere sich vor allem darin, dass die Abstände zur Wohnbebauung größer sind. "Die Tendenz war, dass diese Trasse auch von der Mehrheit im Team befürwortet wurde."


Ersatz nah am Bestand


Beim Ostbayernring gehe es ja um einen sogenannten Ersatzneubau. Sprung: "Das heißt, wir lehnen uns an den Bestand an. Wir hatten dort die Maxime, die neue Trasse 65 Meter rechts oder links des Bestandes zu etablieren. Wir haben hier aber in Neuensorg die Chance genutzt, eine generelle Verbesserung herzustellen. Die haben wir erreicht, weil wir überwiegend sogar 400 Meter von der Wohnbebauung weg sind."

Max Wirth war einer betroffenen Landwirte, der die Info-Veranstaltung von Tennet nutzte: "Ich habe die Änderung des Trassenverlaufes gesehen und ich bin auch als Landwirt in den Ortsteilen Neuensorg und Traindorf betroffen. Für mich ist die jetzige Variante positiv, weil einfach die Leitung in nördlicher Richtung verschoben wird. Bei einer Erdverkabelung ist bei der Nutzung für den Landwirt ein Minderwert anzusetzen. Ich als Landwirt sehe deshalb die Freileitung für vorteilhaft an."


Bürgermeister: Hervorragende Informationspolitik


Bürgermeister Franz Uome (CSU) zeigte sich aus der Sicht der Marktgemeinde mit der Vorgehensweise von Tennet zufrieden: "Ich habe schon von Anfang an gesagt, dass die Informationspolitik hervorragend ist. Das sage ich ohne Umschweife, Tennet macht hervorragende Arbeit."

Heute wird das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens dargestellt. Auch hier hat der Bürger noch einmal das Wort.

Wie Ina-Isabelle Haffke auf Anfrage erklärte, war Tennet mit dem Besuch von rund 50 Personen sehr zufrieden: "Es war eine ruhige und sachliche Stimmung. Viele gaben uns zu verstehen, dass sie mit der Nord-Variante besser leben könnten." Für die Bürgerinitiative war auch Fritz Ruppert anwesend, der den Vertretern von Tennet deutlich machte, dass man weiterhin auf einer Erdverkabelung bestehen werde.