Viele haben Geschenke dabei. Denn die Insider wissen, dass Rose M. Meerwein in wenigen Tagen ihren 80. Geburtstag feiern wird. Auch Oberbürgermeister Henry Schramm und die stellvertretende Landrätin Christina Flauder sind da.
Die Fans und Freunde sowie einige Verwandte schieben sich an den Collagen vorbei, die die Künstlerin präsentiert. Die Collagen sind abstrakt oder realistisch. Sie zeigen konkrete Personen oder auch nur schemenhafte Gestalten. Sie erschrecken, rütteln wach, regen zum Nachdenken an. "Mein Leben lang habe ich mich mit Worten beschäftigt, aber wenn ich heute meine Gefühle ausdrücken möchte, dann greife ich zu Bildern", sagt Rose M. Meerwein. Sie ist eine Kulmbacherin, ist hier aufgewachsen und zur Schule gegangen.
"Ich bin zwar in Nürnberg geboren, aber das ist Zufall, weil meine Mutter Gefdie Schwiegereltern besucht hat als sich kam", erklärt Meerwein. "Ich liebe Kulmbach", gesteht sie und erzählt vom Rehberg, vom Blick über das Maintal bis zum Görauer Anger oder auf die Altstadt. Aber auch Berlin und das bunte Treiben in der Metropole mag sie. Sie ist eine Wanderin zwischen den Welten.
Dass sie eine Ausstellung in Kulmbach gestaltet, ist für Rose M. Meerwein durchaus etwas Besonderes. Schon 2004 hat sie ihre Collagen im Badhaus der Öffentlichkeit präsentiert. Später wurde sie mutiger und stellte im Rathaus Charlottenburg, in der Europäischen Akademie in Berlin, in der Galerie Mach-Art in Bad Nauheim oder im Hotel Kurfürstendamm in Berlin aus.
Rose M. Meerwein hat sich ihr Leben lang mit Literatur und Büchern befasst. Sie hat Komparatistik und Germanistik an der Freien Universität in Berlin studiert und mit dem Magister abgeschlossen. Sie hat sich mit Schwitters Merz-Projekten und den Textcollagen der Bauhaus-Gruppe beschäftigt. Und auch die Nonsense-Poetry war ihr ein Anliegen. Sie hat das legendäre Literarische Auskunftsbureau Gracklauer erworben, ausbaut und nach Berlin verlegt.
Dann lernte sie durch Zufall die Malerin und Kunsttherapeutin Charlotte Kollmorgen kennen. "Ein Glücksfall", sagt Kollmorgen. Denn die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb. Kollmorgen war von den Worten fasziniert, Rose M. Meerwein von den Bildern. "Ihre erste Collage waren Worte, Worte, Worte - und rechts war ein Bild, eine gelbe Sonne", so Kollmorgen in ihrer Laudatio. Meerwein wurde mutiger, verließ ihre Wortwelt und vertraute auf Bilder. "Als ich die Agentur dann verkauft habe, habe ich mich der Kunst gewidmet. Das ist eine schöne neue Möglichkeit."
Offen gibt die Künstlerin zu, dass sei heute keine Worte mehr braucht, um Gefühle auszudrücken. Sie tut es mit Bildern. "Ich habe zu Hause stoßweise Zeitschriften", verrät die Künstlerin. Denn Zeitschriften seien das Ausgangsmaterial für ihre Kunstwerke. Und dann brauche sie noch etwas: Fixogum. Wie lange es dauert, bis eine Collage fertig ist, kann Rose M. Meerwein nicht sagen. Sie schiebt und klebt, sie löst und verbessert. "Irgendwann fühle ich, dass es richtig ist", so Meerwein.
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