Für einen Mann aus Coburg war der letztjährige Bierwochen-Besuch in Kulmbach ein teures Vergnügen. Der 51-Jährige wurde gestern zu 3000 Euro Strafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt. Über dieses Urteil konnte sich der Mann allerdings freuen. Angeklagt war er nämlich aufgrund zweier Delikte: Wegen fahrlässiger Körperverletzung und wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung.

Eine Frau und deren Freund erstatteten letztes Jahr kurz nach Ende des Bierfestes in Kulmbach Anzeige gegen den Mann aus Coburg. Er soll mit seinem Hinterteil die Frau absichtlich von der Bank gestoßen haben. Daraufhin habe der Freund der Frau ihn aus Ärger geschubst, weshalb der Angeklagte auf diesen losgegangen sein soll.
Mit mehreren Faustschlägen soll er den Mann verletzt haben, dieser musste aufgrund von Prellungen und Schürfwunden danach ärztlich versorgt werden.


Über den Tisch geflogen

Der Angeklagte, der mit einer Gruppe von 25 Personen die Bierwoche in Kulmbach besuchte, konnte sich an die Geschehnisse nicht mehr genau erinnern. "Wir haben Alkohol getrunken und auf der Bank getanzt. Das Zelt war komplett voll. Da passiert es schon mal, dass man jemanden auf den Bänken hinter sich berührt", erklärt der Coburger.

Dass er die Frau, die hinter ihm auf der Bank stand, absichtlich angerempelt hat, bestritt der Angeklagte aber: "Wieso sollte ich eine fremde Frau absichtlich von der Bank runter stoßen?" , fragte er.
Der Freund der Frau, der ebenfalls auf der Bank stand, schilderte die Situation gestern so: "Meine Freundin ist über den kompletten Tisch geflogen, weil sie von hinten geschubst wurde. Hinter uns stand der Angeklagte, das muss also er gewesen sein".

Aus Wut darüber, dass seine Freundin hingefallen war, schubste der Mann den Coburger dann ebenfalls. Daran konnte sich der Angeklagte auch erinnern: "Ich wurde dann von dem Mann weggestoßen, und meine komplette Bank ist deshalb umgeflogen." Der Freund der Frau konnte sich allerdings an das Umfallen der Bank nicht mehr erinnern. "Ich habe ihm nur einen kleinen Stoß verpasst, weil ich sauer war. Dann ist er auf mich losgegangen, hat mich am Kragen gepackt, mich auf eine Bank gedrückt und mir mehrfach ins Gesicht geschlagen."


Fehlende Beweise

Laut Aussage des Mannes haben auch noch weitere Personen auf ihn eingeschlagen, diese konnte er aber nicht erkennen. Für die Härte des Urteils waren die Mittäter aber irrelevant, da nicht bewiesen werden konnte, dass diese Bekannte des Angeklagten gewesen sind. Da alle Beteiligten unter Alkoholeinfluss standen und sich nicht mehr vollständig an die Geschehnisse erinnern konnten, ließ das Gericht, auch aufgrund von fehlenden Beweisen, in Absprache mit Verteidigerin Petra Kaulich-Bauer und Staatsanwalt Ludwig Peer die Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung fallen.

Den Zeugen, der angegeben hatte vom Angeklagten geschlagen worden zu sein, hielt das Gericht allerdings für glaubhaft.

Da auch der Angeklagte, aufgrund von Erinnerungslücken, die Schlägerei nicht ausschließen konnte, entschied das Gericht, ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu verurteilen. Da es sich um eine Spontan-Tat handle und der Angeklagte durch den Freund der Frau provoziert worden sei, entschied Richterin Sieglinde Tettmann, dass keine schwere Körperverletzung vorliegt.

"Der Angeklagte wird aufgrund von mindestens zwei Faustschlägen gegen den Mann wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen á 50 Euro verurteilt", erklärte die Richterin.
Ob der Verurteilte die Kulmbacher Bierwoche auch in diesem Jahr besucht, wird er sich wohl zweimal überlegen.