Aus Jux und Tollerei hat ein 29-jähriger Mann aus Kulmbach am 10. Januar zwischen 23 und 24 Uhr insgesamt sechs Mal die Notrufnummer gewählt. Dabei befand er sich weder in Gefahr, noch benötigte er Hilfe.

Natürlich ist das Ganze strafbar, denn der Kulmbacher blockierte nicht nur die Nummer der Einsatzleitzentrale, sondern setzte auch noch eine Streife der Polizei in Bewegung, die bei dem Mann zuhause nach dem Rechten sehen musste.

Keinerlei Erinnerung

Vor Gericht hatte der Angeklagte keinerlei Erinnerung an den Abend. Ausschließen wollte er das Geschehen ausdrücklich nicht. Er bedauere sehr, was ihm da "passiert" sein soll. Schuld daran könne nur der Alkohol sein.

Tatsächlich war der Mann längst amtsbekannt, er befindet sich wegen schwerer Depressionen und posttraumatischer Belastungsstörungen in ärztlicher Behandlung und hatte bereits eine längere Alkohol-Therapie und mehrere Entzugsversuche hinter sich. An besagtem Abend war bei ihm eine Blutalkoholkonzentration von fast zwei Promille festgestellt worden. "Ein für den Angeklagten ganz normaler Wert", sagte ein Beamter der Polizeiinspektion Kulmbach. Er habe den Mann auch schon ganz anders erlebt.

An jenem Abend habe dem Angeklagten aber nichts gefehlt, er sei quicklebendig gewesen, sagte der Polizist. In der Vergangenheit sei es bei ähnlichen Fällen freilich auch schon zu Widerstandshandlungen gekommen.

Seit Monaten "trocken"

Mittlerweile sei er aber seit Monaten "trocken", beteuerte der Angeklagte. Er trinke keinen Alkohol mehr und auch Drogen habe er abgeschworen. Ganz im Gegensatz zu früher, als er nicht nur Bier, Wein und Wodka, sondern auch Ecstasy und andere harte Drogen konsumiert habe. Seinen letzten Rückfall in Sachen Alkohol datierte er auf April.

Richterin Sieglinde Tettmann verurteilte den Angeklagten wegen des Missbrauchs von Notrufen schließlich zu 70 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro (700 Euro). Die gleiche Strafe hatte zuvor auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer beantragt. Die Tagessatzhöhe ist deshalb relativ niedrig, weil der Mann von Hartz IV leben muss. Auch wenn der Angeklagte binnen kürzester Zeit sechs Mal bei der Einsatzzentrale angerufen hatte, hielt ihm Richterin Tettmann in ihrem Urteil zugute, dass er alkoholbedingt enthemmt gewesen sei, die Taten nicht abgestritten und Reue gezeigt habe.