500 Meter weit ist ein 46 Jahre alter Mann in Mainleus mit einem Leichtfahrzeug gefahren - ohne Führerschein, aber dafür betrunken. Dafür muss er nun ein halbes Jahr ins Gefängnis. Hintergrund ist, dass der gelernte Maurer nicht weniger als 21 Vorstrafen hat, die meisten davon wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und wegen Trunkenheit im Verkehr. Meist war er mit Geld- oder Bewährungsstrafen davongekommen, einige Male musste er seine Strafen aber auch schon absitzen.

Unter Leichtfahrzeugen versteht man vierrädrige und motorisierte Wagen, die deutlich leichter und kleiner sind als normale Autos. Sie können und dürfen in der Regel auch nicht schneller fahren als 40 oder 45 Stundenkilometer. Mit einem dieser Kleinfahrzeuge war der Angeklagte am 25. November des vergangenen Jahres von der Wohnung eines Bekannten in Mainleus zu einem benachbarten Einkaufsmarkt gefahren, um für den Kumpel etwas zu besorgen. Der Markt lag zwar in Sichtweite, doch der Angeklagte hatte mit dem Laufen krankheitsbedingt so seine Schwierigkeiten, also nahm er das Fahrzeug.

Polizisten fällt verwaschene Sprache auf: 1,5 Promille

Prompt geriet er in eine Polizeikontrolle. Ausfallerscheinungen hätte der Mann außer einer etwas verwaschenen Sprache kaum gehabt, erinnerte sich einer der Polizisten, die Fahne sei aber schon deutlich vernehmbar gewesen. Die Beamten stellten eine absolute Fahruntüchtigkeit mit 1,5 Promille fest, einen Führerschein hatte der Mann schon länger nicht mehr.

Er habe nur ein einziges Bier getrunken, beteuerte der Angeklagte. "Da muss wohl noch Restalkohol vom Vorabend dagewesen sein", mutmaßte er. Tatsache ist, dass der Beschuldigte seit Jahrzehnten mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat, davon aber nichts wissen will.

Er habe kein Alkoholproblem, sagte er auch jetzt wieder. Früher auf dem Bau sei schon das eine oder andere Bierchen geflossen. Doch wegen seiner Krankheiten könne er mittlerweile nicht mehr arbeiten und leben von Hartz-IV.

Anwalt argumentiert: 500 Meter seien extrem kurz

Fest steht aber auch, dass der Angeklagte seit 1993 und dann immer wieder wegen Trunkenheitsdelikten verurteilt wurde. Erst zu Geldbußen, dann zu Bewährungsstrafen und zuletzt bereits mehrfach zu kleineren Gefängnisaufenthalten. Bewährungsauflagen hatte er fast nie eingehalten, auch jetzt hatte er von sich aus den Kontakt zum Bewährungshelfer abgebrochen.

Der Gerichtstermin war bereits vor geraumer Zeit einmal angesetzt, auch da war der Angeklagte nicht erschienen, so dass er jetzt von der Polizei vorgeführt werden musste.

Eine Gefängnisstrafe hatte bereits der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragt, während Verteidiger Werner Brandl auf eine Geldstrafe plädierte. Es sei ja kein richtiges Auto, sondern nur ein Leichtfahrzeug, die Fahrstrecke sei mit 500 Metern extrem kurz gewesen und er sei nicht aus Eigennutz gefahren, sondern habe für jemanden eingekauft, gab der Anwalt zu bedenken.

Richterin stellt negative Sozialprognose

Richterin Sieglinde Tettmann ließ das nicht gelten. Der Angeklagte sei schon so oft betrunken und ohne Führerschein unterwegs gewesen, er stehe unter einer offenen Bewährung und die Bewährungen der Vergangenheit hätten nie so richtig funktioniert. Damit könne sie dem Angeklagten keine positive Sozialprognose erstellen.

Der Angeklagte darf außerdem vor Ablauf von zwei Jahren keinen neuen Führerschein beantragen, was aber aufgrund der Vorgeschichte auch danach ohnehin schwierig werden dürfte.