Ganz unberechtigt ist die Angst von Mesut Berberoglu nicht: Alte, ungepflegte Bäume in seiner Nachbarschaft sind ein Risiko. In den letzten Jahren sind mehr als einmal Äste herabgefallen und Bäume umgestürzt.
Vor vier Jahren haben Mesut Berberoglu und seine Frau ihr Wohnhaus in der Beethovenstraße gekauft, haben es renoviert und die Außenanlagen neu gestaltet. Mit dem Einzug ins eigene Haus kamen auch die Sorgen. Sowohl auf den Nachbargrundstücken als auch entlang des Steinernen Gässchens stehen hohe Bäume: Von einem "alten, ungepflegten Baumbestand" spricht Berbe roglu. Und immer wieder registrierte der Kulmbacher herabgefallene Äste, viele armdick und stärker. "Wir haben bisher einfach Glück gehabt, dass nichts passiert ist", sagt er und sorgt sich vor allem um seine Töchter, elf und eineinhalb Jahre alt, die oft im Garten spielen.
Berberoglu hat die Nachbarn gebeten, die alten Bäume auszuschneiden. Der Besitzer des Grundstücks oberhalb des Steinernen Gässchens hat prompt reagiert. Auch die Stadt hat die Eichen auf städtischem Grund zurecht geschnitten, hat ebenfalls Bäume gefällt.
Auf den Grundstücken links und rechts von seinem Anwesen hingegen hat sich nichts getan. Etliche Fichten stehen dort, ein paar Birken, alt, windschief, manche sichtbar morsch. Eine Fichte ist bereits gefallen. "Meine Frau hat nachts ein Geräusch gehört - am nächsten Morgen lag der Baum am Boden". Zum Glück auf dem Nachbargrundstück. "Wäre er in die andere Richtung gefallen, hätte er unser Auto getroffen."
Länger will Berberoglu seine Familie der Gefahr nicht mehr aussetzen. Deswegen hat er die Stadt aufgefordert, tätig zu werden um die Sicherheit wieder herzustellen. "Ich bestehe darauf, dass Sie sich der Probleme nun aktiv annehmen", hat er der Stadt geschrieben. "Sollte meiner Familie aufgrund Ihres Nichthandelns etwas zustoßen, werde ich Sie persönlich dafür in Haftung nehmen." Dass die Stadt nichts tut, ärgert ihn sehr.
Dass die Stadt gar nichts tun kann, sagt hingegen Uwe Angermann, Hauptamtsleiter im Kulmbacher Rathaus. Seit einigen Jahren schon sei man mit dem Problem befasst. "Aber das hier ist eine privatrechtliche Angelegenheit. Hier haben wir keine Handhabe."
Der städtische Bauhof sei in erster Linie für Bäume zuständig, die der Stadt gehören, sagt Angermann. Dafür verfügt der Bauhof eigens über zwei Mitarbeiter, deren Aufgabe es ist, den städtischen Baumbestand zu kontrollieren, Pflegeschnitte vorzunehmen und dann, wenn von einem Baum eine Gefahr ausgehe, dafür zu sorgen, dass die Gefahr gebannt wird.
Dass das auch im Steinernen Gässchen der Fall war, räumt Mesut Berberoglu ein - auch wenn es ihn wurmt, dass er ein Gutachten, das den Pilzbefall bei einer mächtigen Eiche bestätigt hat, aus eigener Tasche hat zahlen müssen.
Dass ihm die Stadt mitgeteilt hat, dass sie darüber hinaus nicht aktiv werden kann, geht ihm nicht ein. Die habe doch eine Verkehrssicherungspflicht. "Ich bestehe darauf, dass Sie [...] die Baumpflege mit den Eigentümern der Grundstücke zeitnah klären..." schreibt er.
"Dafür fehlt uns die Rechtsgrundlage", sagt hingegen Hauptamtsleiter Angermann. Einfach auf einem fremden Grundstück Bäume fällen oder schneiden - "das käme ja einer Enteignung gleich".
Einzig dann, wenn die Eigentümer der beiden Grundstücke nicht auffindbar wären und man "Gefahr im Verzug" feststelle, könne die Stadt auf dem Wege der so genannten Ersatzvornahme einschreiten.
Das aber sei hier nicht der Fall, sagt er. Weshalb man Mesut Berberoglu nur einen Rat geben könne: "Er muss das mit seinen Nachbarn klären."