In der christlichen Tradition und im Volksglauben gibt es viele Rituale und Brauchtümer im Zusammenhang mit dem Sterben. Vor allem in ländlichen Gegenden beauftragten die Angehörigen einen sogenannten Totenansager oder Leichenbitter, der den Menschen, aber auch dem Vieh oder den Pflanzen den Tod verkündete und zur Aufbahrung und Beerdigung einlud. Es waren vorzugsweise arme Witwen oder ältere Männer, die für eine kleine Entlohnung oder Wegzehrung von Tür zu Tür gingen.

Geläut sollte Dämonen vertreiben

Das Sterbegeläut sollte auch böse Dämonen vertreiben. Obwohl es von der Kirche nicht festgelegt war, hat man traditionell den Verstorbenen sowohl aus hygienischen Gründen als auch aus Respekt vor dem Tod von der Totenfrau "heimbürgen" lassen.

Unter Heimbürgen versteht man nach der Kulmbacher Heimatforscherin Elise Gleichmann das Herrichten des Leichnams, also das Waschen, Rasieren sowie Haare- und Fingernägelschneiden.

Die Totenfrau bekam als Lohn etwas Geld oder Essen, teilweise hatte sie auch Anspruch auf die Kleidung des Verstorbenen. Das Waschen wurde als Symbol der Taufe und der Wiedergeburt angesehen, damit der Tote in aller Reinheit ins Jenseits übergehen konnte.

Nach der Waschung wurden alle Gegenstände, die benutzt worden waren, weggeworfen oder eingegraben. In manchen Orten schüttete man das Waschwasser in eine Hecke (symbolisch: aus dem Tod entsteht das Leben) oder auch auf die Straße. Auf keinen Fall auf das eigene Grundstück, sonst, so fürchtete man, stürbe die Familie aus.

"Denke daran, dass du stirbst"

In vielen Fällen wurde das Wasser in einem kleinen Topf dem Sarg beigegeben. Man schrieb ihm übersinnliche Kräfte zu, es sollte keinen Schaden anrichten können. Das Totenhemd wurde oft schon zu Lebzeiten erworben. "Memento mori", der Gedanke an das Sterben gehörte zum Leben. Das lateinische "Memento mori" lässt sich etwa mit "Denke daran, dass du stirbst" übersetzen.

Erst in späterer Zeit fing man an, zur Bekleidung des Verstorbenen zum Beispiel den Sonntagsanzug oder das Festtagskleid zu verwenden. In Teilen des Frankenwaldes durfte aber auf keinen Fall das Hochzeitsgewand genommen werden, sonst würde der verwitwete Teil, so glaubte man, nie mehr Freude am Leben finden.

Schmucklos und bescheiden

Früher hat man darauf geachtet, dass der Tote schmucklos und bescheiden bestattet wurde. Außer einem Rosenkranz um die Hände oder einem Kreuz sollte nichts Schmückendes beigegeben werden. Um den Weg zu Gott nicht einzuengen, wurde auf Schuhe verzichtet - und die Haare sollten offen um den Kopf liegen.

Da durch den Tod der vor Gott geschlossene Ehebund beendet war, nahm man den Ehering ab und überließ ihn dem verbliebenen Partner.

"Mir lasst den Nährpfennig"

Lieblingsgegenstände gab man aber durchaus mit in den Sarg, auch kleinere Münzen. "Hier hast du den Zehrpfennig, mir lasst den Nährpfennig" - damit war der Tote abgefunden und durfte keine Ansprüche mehr erheben. Um das Gesicht eines Verstorbenen vor schneller Verwesung zu schützen, wurde es mit Branntwein bestrichen, zum Stützen des Kopfes und zum Schließen des Mundes legte man dem Toten das Gesangbuch unters Kinn.

Die Verwendung eines Sarges war bis ins 18. Jahrhundert eher selten, er war teuer. So wurden in den Gemeinden Totenbretter bereitgehalten, die teilweise mit Schnitzereien verziert und wiederverwendbar waren. In vielen Ortschaften hatten Familien eigene Bretter, die weitervererbt wurden und auf denen die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt werden konnten.

Totenwache durfte nicht schlafen

Damit Dämonen keine Macht über den Toden gewinnen konnten, war es üblich, eine Totenwache zu stellen. Wer einschlief, lief Gefahr, "nachzusterben".

Man verwendete viel Weihrauch, hauptsächlich um den Geruch am Sterbelager zu überdecken, und man sprach Gebete. Ab und zu ging es aber auch recht lebhaft zu und es wurde Schnaps und Bier getrunken, damit nicht jeder merkte, dass die Angst anwesend war. Elise Gleichmann schrieb zur Totenwache Folgendes: "Es aanziga Mittl, daß sich die Leit nett ve die Tuutn ferchtn is desto; mer muß n Tuutn dreimoll be seina gruußn Zeha ohpackn. Wer des getoo hott, fercht sich sei Lebtoog nimmer ve aana Leich."