"Im Jura-Solarpark wird nicht nur Strom für 7800 Haushalte erzeugt, sondern auch leckerer Brotaufstrich. Imker Lorenz Seyferth aus dem Thurnauer Ortsteil Menchau hatte die Idee, mehrere Bienenstöcke aufzustellen." Die emsigen Insekten würden sich an den blütenreichen Pflanzen erfreuen, die unter den Modulen wachsen.

Für den Firmenvertreter ist die parallele landwirtschaftlichen Nutzung ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien Wertschöpfung im ländlichen Raum erzielen und die Akzeptanz für regenerative Stromerzeugung in der Bevölkerung erhöhen lässt. Diese beiden Aspekte standen im Mittelpunkt einer Fachtagung, zu der das Centrale-Agrar-Rohstoff-Marketing- und Entwicklungs-Netzwerk, kurz C.A.R.M.E.N., in die Frankenfarm nach Himmelkron geladen hatte. Zum Abschluss wurden die Themen vor Ort in Fesselsdorf anhand des Solarparks erörtert.

Keine Schnapsidee ist auch der Gedanke, dass in Fesselsdorf, einem der insgesamt acht Standorte des Solarparks, einmal "Solarschnaps" gebrannt werden könnte. Als ökologische Ausgleichsmaßnahme für den Solarpark wurde in dem Weismainer Ortsteil unweit der eingezäunte Anlage eine Streuobstwiese angelegt. "Sobald die Bäume Früchte tragen, werden diese von Georg Gunzelmann aus Fesselsdorf eingemaischt und zu hochprozentigen Genüssen verarbeitet", verriet Partheymüller.

Versuch in Sachsen-Anhalt


Auf der Speisekarte heimischer Restaurants könnte in ein paar Jahren außerdem "Solarlamm vom Jura" stehen. Sollte ein Feldversuch in Sachsen-Anhalt erfolgreich verlaufen, dann verspricht Partheymüller auch für den Jura-Solarpark den Einsatz tierischer Rasenmäher. "Von der Größe her sind die bretonischen Zwergschafe optimal. Mit einer Kopfhöhe von 60 Zentimetern haben wir noch zehn Zentimeter Luft zu den Modulen. Auch die Kabel wurden von dem Schaf, das wir in Sachsen-Anhalt ausgesetzt haben, nicht angeknabbert."

Doch wird sich auch eine ganze Herde in einem Solarpark wohl fühlen? Das werde sich im großen Pilotprojekt zeigen, das derzeit anlaufe und sich über ein halbes Jahr erstrecke, so der Experte. Darüber hinaus sollen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Neben der Beweidung ist auch eine Lammzucht angedacht.
Eigens für den Solarpark wurde ein Umspannwerk gebaut. Partheymüller kann sich vorstellen, dieses zu erweitern, um Strom von den Windrädern einzuspeisen, die einmal auf den Jurahöhen stehen sollen.

Derzeit läuft die Bevölkerung Sturm gegen die Vorrangflächen, die im Stadtgebiet Weismain ausgewiesen werden sollen. "Die Energiewende in Bayern kann nur mit den Bürgern funktionieren", ist Maria Kopfinger, Mitarbeiterin bei C.A.R.M.E.N., überzeugt. Ins gleiche Horn bläst Edmund Langer, Geschäftsführer des Vereins. Die Bürger müssten auch etwas haben von den erneuerbaren Anlagen. Der Ingenieur, der die parallele landwirtschaftliche Nutzung ausdrücklich begrüßt, plädiert für den Bau von Bürgeranlagen bei allen Arten von erneuerbaren Energien. Die Bürger müssten begreifen, dass sich die Energiewende nur auf dem Lande realisieren lasse, weil die dafür notwendigen Flächen nur hier vorhanden seien.

Für Langer geht der Trend weg von den großen Konzernen hin zu einer dezentralen Energieversorgung. Dazu würden die Bürgeranlagen einen wertvollen Beitrag leisten. Verständnis brachte er für den Wunsch vieler Menschen auf, energieautark zu werden. Um diesen zu realisieren, müsse man die entsprechende Speichertechnologie entwickeln.