Kulmbach
Zivilcourage

Frau (21) getreten und geschlagen: "Stiller Held" wird zum Retter

An der B85 wurde Matthias Rech Zeuge eines Überfalls: Ein 22 Jahre alter Mann schlug und tritt auf eine junge Frau ein. Rech geht dazwischen. Für die Polizei eine "höchst gefährliche Situation".
 
"Stiller Held" Matthias Rech
Wieder am Ort des Geschehens: In der Bayreuther Straße in Kulmbach wurde Matthias Rech aus Küps Zeuge eines gewaltsamen Angriffs eines Mannes auf eine Frau. Er alarmierte die Polizei und stellte sich schützend vor die Frau. Foto: Foto: Sonny Adam

"Stiller Held" in "höchst gefährlicher Situation" - Mann verhindert Schlimmeres: Matthias Rech ist ein bescheidener Mann. "Für mich war mein Verhalten ganz normal. Nichts Besonderes", sagt er. Doch das sieht nur Matthias Rech so. Nach Einschätzung anderer ist er in der Nacht zum 24. Januar zum "stillen Helden" geworden. Er hat Zivilcourage bewiesen und damit verhindert, dass eine Frau schwer verletzt wurde.

Matthias Rech, der in Küps lebt und bei der Bayreuther Sicherheitsfirma Intercept Security arbeitet, war an diesem Wochenende im Einsatz. Um Mitternacht beendete er seinen Dienst, wollte nur noch nach Hause und schlafen. Als er auf der B 85 Kulmbach passierte, fiel ihm an der Schauerkreuzung ein Mann auf, der über die Straße rannte - direkt auf eine Frau zu. Dass der Mann nichts Gutes im Sinn hatte, merkte der erfahrene Personenschützer auf Anhieb. "Ich habe dann gesehen, dass es eine Diskussion gab", erinnert er sich. Bei Worten blieb es freilich nicht: Der Mann schlug und trat auf die Frau ein.

B85: Mann greift Frau an - Augenzeuge verhindert Schlimmes

Rech reagierte sofort. "Wenige Häuser weiter stand ein Notarztfahrzeug, offensichtlich im Einsatz. Ich bin sofort hin und habe das Team gebeten, die Polizei zu rufen und zu helfen", erzählt Matthias Rech, der unverzüglich dorthin eilte, wo der Mann immer noch auf die Frau einschlug. Er habe versucht, die Frau zu schützen. Der Angreifer sei höchst aggressiv gewesen und habe die Frau noch traktiert, als diese schon am Boden lag, erinnert er sich. Angst? "Angst hatte ich nicht. Ich arbeite schon viele Jahre im Sicherheitsdienst. Man ist da geschult."

Aus Erfahrung wusste der Personenschützer, dass jedes Wort die Situation noch hätte verschlimmern können. Aus diesem Grund habe er lediglich versucht, die Frau von dem Angreifer abzuschirmen. "Ich habe ihn nicht angesprochen."

Nach wenigen Minuten traf ein Rettungswagen ein; die 21-Jährige konnte in Sicherheit gebracht werden. "Die Frau war schon ganz rot im Gesicht, sie war auch ganz durcheinander", erzählt Rech. Die junge Frau, wie sich bald herausstellte die Ex-Lebensgefährtin des Täters, erlitt bei dem Angriff Prellungen, Abschürfungen und eine Gehirnerschütterung.

"Situation höchst gefährlich": Polizei lobt Zivilcourage

Auch die Polizei war schnell an Ort und Stelle. "Als der Mann das Blaulicht gesehen hat, ist er völlig ausgerastet. Er ging auf einen Polizisten los und verletzte einen Beamten", erinnert sich Rech. Peter Hübner, der Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach, bestätigt dies. Mehrere Polizeistreifen seien bei diesem Vorfall im Einsatz gewesen. "Die Situation war höchst gefährlich", so Hübner, der die Zivilcourage lobt, die Rech bewiesen habe.

Man müsse in solchen Fällen nicht selbst den Helden spielen, so der Polizeichef weiter. Wichtig sei es vor allem, schnell einen Notruf abzusetzen und die Polizei zu verständigen. Wenn man keine Angst habe, könne man auch versuchen, den Täter anzusprechen. "Aber das muss man im Einzelfall entscheiden." Matthias Rech jedenfalls habe vorbildlich gehandelt.

Der Schläger, ein 22 Jahre alter Mann, sitzt inzwischen in der Justizvollzugsanstalt in Hof und wird auch in Untersuchungshaft bleiben. Er ist nicht zum ersten Mal aufgefallen, musste sich schon mehrfach wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten und gilt als gemeingefährlich. Zur Tatzeit stand der 22-Jährige unter Alkoholeinfluss; möglicherweise waren auch Drogen im Spiel.

Für die junge Frau ging letztlich alles gut aus. Ein Polizeibeamter allerdings wird nach einem Tritt ans Knie wohl mit einem bleibenden Schaden rechnen müssen. Matthias Rech indes ist froh, dass er der Frau helfen konnte. "Ich würde das wieder tun."