Das bisschen Haushalt, ist doch kein Problem - vorausgesetzt, man kennt ein paar Tricks und Kniffe. Selbst erfahrende Hausfrauen, die die Hauswirtschaftsschule zur beruflichen Weiterbildung besuchen, haben noch jede Menge gelernt, erzählen sie potenziellen Interessierten beim Tag der offenen Tür.

Bernadette Schilling ist sechzig Jahre alt. Sie ist bei der Ausbildung der Hauwirtschafterinnen für den Bereich Haus- und Textilpflege zuständig. Streng blickt sie über gedeckte Tische. "Tischkultur ist fast völlig aus der Mode gekommen. Aber man kann auch mit wenig Aufwand Tische sehr hübsch decken", sagt sie und rückt noch ein paar Gläser zurecht. Ihr Lieblingstisch ist ein blau gedeckter Tisch, der eigens für den Tag der offenen Tür aufgebaut worden ist. Gefaltete, und auf die Teller gestellte Servietten harmonieren perfekt mit einer blau-karierten Tischdecke im Landhausstil. Und auf dem Tisch setzen noch ein paar kleine Traubenhyazinthen farbliche Akzente. Einfach schön, das muss jeder zugeben.

Ursula Willenberg über die Ausbildung an der Hauswirtschaftsschule by Infranken.de

"Es ist auch heute wieder wichtig, dass man einen Knopf annähen kann und dass man auch mal einen Reißverschluss einnähen kann. Das lernen wir. Wir fangen mit säumen an und bauen die Kenntnisse dann aus", erklärt die Lehrerin.

Gelernt, wie man Zeit spart
Unterdessen lässt Carolin Dreßel (28) die Nähmaschine rattern - eine alte Bernina. "Ich wollte die Ausbildung eigentlich für mich und meine Familie machen, ich hatte natürlich Grundkenntnisse, aber ich wollte neue Strukturen in den Haushalt bringen. Ich habe gelernt, wie man vieles rationeller macht und Zeit sparen kann", erklärt die Absolventin, die bald ihre Prüfungen vorbereitet. Derzeit näht sie ein Stoffutensilo. Jeder Handgriff sitzt. "Ich habe früher vielleicht mal einen Vorhang genäht, aber so was nicht. Dabei ist das nicht schwierig", sagt Dreßel und empfindet die Ausbildung als äußerst bereichernd.

Auch Nicole Geier ist mit ihren 27 Jahren eine der ganz jungen. "Ich bin Mutter geworden und zu Hause. Da habe ich die Chance ergriffen, um mich beruflich zu verändern und noch einmal etwas anderes zu machen", sagt Nicole Geier. Eigentlich ist sie gelernte Arzthelferin. "Ich arbeite zur Zeit bei einem ambulanten Pflegedienst, da kann mir der Abschluss der Hauswirtschaftsschule schon nützen", sagt Geier.

Doch nicht nur die Jungen profitieren von der Ausbildung. Auch ältere Schüler, die derzeit für den Abschluss büffeln, sind begeistert. Die gelernte Krankenschwester Gabriele Ratz macht mit 51 Jahren die Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Sie arbeitet in der Waldorf-Schule und macht derzeit ihren Abschluss an der Hauswirtschaftsschule, um noch eine zusätzliche Qualifikation zu erlangen. Beim Tag der offenen Tür begeistert sie die Besucher mit Filzvorführungen.

Gelernt hat sie das Filzen von Ulrike Falk. "Das ist kein Unterrichtsstoff, sondern ist durch ein Projekt entstanden", erklärt Falk und hat einen Riesen-Spaß, mit den Hauswirtschafterinnen Beutel, Taschen, Utensilos und anderes zu filzen. Durch die Behandlung der Wolle mit Seife und durch Streichen entstehen feste Stoffe, lauter Unikate. Gabriele Ratz zieht den Filz in Form und im Nu entstehen herrliche Filzblüten.

Vom Büro in den Haushalt
Die hauswirtschaftliche Ausbildung hat viele Facetten. So bindet Carolin Bock, ebenfalls eine der diesjährigen Absolventinnen, Kränzchen und Sträußchen als Deko. "Ich war früher Bürokauffrau, doch nach meiner Erziehungszeit finde ich einfach nichts mehr. Dann habe ich geputzt, und so bin ich auf die Idee gekommen, noch die Hauswirtschaftsschule zu machen. Und die Ausbildung ist gut", sagt Carolin Bock. Sie ist richtig glücklich, dass sie sich dazu entschlossen hat. "Ich bin derzeit in drei Unternehmerhaushalten tätig", erklärt sie.

Eine gute Qualifikation
Doch wozu dann noch die Ausbildung? "Ich möchte einfach ein Qualifikationszeugnis vorweisen können. Ich will einen Abschluss und will sagen können, ich habe das richtig gelernt. Ich habe auch wirklich viele Kniffe und Tricks kennengelernt", sagt Bock. Da gibt es einfach Handgriffe, wie ein Salat sich viel schneller säubern lässt, wie man Blumen bindet oder wie man schneller putzt.

Unterdessen ist Ursula Willenberg mit allen Interessenten in der Küche zugange. Renate Feulner mixt einen Radieschenquark zusammen, unterdessen macht Gabi Geißler eine Schinkencreme. Die soll dann auf selbstgebackene Brötchen gestrichen werden. Als Snack für die Interessierten und als Beweis, dass Selbstgemachtes einfach besser schmeckt.

Die Absolventen der Hauswirtschaftsschule haben aber auch eine Plakatausstellung zum Thema "Kleine Köstlichkeiten aus der Region" angefertigt. Und außerdem lernen sie, vor Publikum Vorträge zu halten. "Wir sind ja eine Abteilung der Landwirtschaftsschule, natürlich kommt bei unserer Ausbildung auch der landwirtschaftliche Aspekt zum Tragen", erklärt Ursula Willenberg.