Im Ernst? Eine Whisky-Verkostung im Zoom-Meeting? Im Ernst! Der Kulmbacher Plassen Verlag zeigte am Dienstagabend, wie das geht. Mehr als 40 Whisky-Liebhaber hatten vorab zwei kleine Musterfläschchen erhalten und sich zugeschaltet, als die Neuer­scheinung vorgestellt wurde.

"A Journeyman's Journey - Die Geschichte des Jim McEwan" heißt der Titel des Werks, das am 8. April erschienen ist. Verlagsleiter Sebastian Grebe begrüßte die Whiskyfreunde aus dem Studio von Aktionär TV und hatte Udo Sonntag an seiner Seite, den deutschen Autor der Autobiografie über die schottische Whiskylegende Jim McEwan. Jim sei es zu verdanken, dass Genießer auf der ganzen Welt sich heute einen Single Malt Whisky in ihr Glas gießen könnten, sagte er. "Jim McEwan ist der Vater aller Markenbotschafter - bis er kam, gab es nur sogenannte blended Whiskys."

Aus Schottland zugeschaltet

Dabei wollte Jim McEwan anfangs nur ein guter Fassmacher, ein Cooper, werden. "Das war immer mein Traum, mir gefiel das Maskuline, die Körperlichkeit", erzählte der Schotte, der aus seiner Heimat, der Insel Islay, zugeschaltet war. Er stamme aus ärmlichen Verhältnissen, und nach seiner Ausbildung zum Fassmacher habe er mit 28 Jahren das Angebot erhalten, nach Glasgow zu gehen und eine Ausbildung zum Whisky-Blender zu machen. Hier griff er ebenso zu, wie er jede andere Chance in seinem Leben nutzte.

"Als wir nach der Schließung der Bruichladdich Distillery im Jahr 1994 diese 2001 wieder eröffneten und ich die ersten Fässer öffnete, wusste ich sofort, dass wir wieder erfolgreich sein können." Die ganze Insel habe hinter dem Team gestanden, die Mission lautete: "Make Bruichladdich great again."

"Eine Malzsüße, getragen von einer Honignote"

Zwar ist die Insel Islay für ihre torfigen Whiskys bekannt, doch Bruichladdich war eine Ausnahme. Der Bruichladdich Organic Scottish Barley 50 %, der bei der Whiskyverkostung zuerst probiert wurde, zeugt davon. Ein völlig rauchfreier Whisky aus biologisch angebauter Gerste - Jim McEwan leistete hier wahre Pionierarbeit. "Jim machte sich über die Herkunft der Gerste schon länger Gedanken", erklärte Udo Sonntag. "Der Hauptdarsteller ist nicht das Fass, sondern die Gerste." Eine Malzsüße, getragen von einer Honignote auf einem fruchtigen Bett - Slainte!

Seit 30 Jahren beschäftigt sich Sonntag, Religionslehrer aus Kulmbach, mit dem Thema Whisky. "Vor allem die vielen Menschen und die Geschichten rund um dieses faszinierende Getränk haben es mir angetan."

Das hat er mit Jim McEwan gemeinsam, denn auch er meinte: "Das Beste an meinem Beruf war es, Menschen zu treffen und ihnen von meiner Heimat zu erzählen." Und Erzählstoff hat der Whisky-Experte mit 57 Jahren Berufserfahrung reichlich, bereitwillig stellte er sich den Fragen der Verkostungsgäste. "Welches ist dein Lieblings-Laddie?" war eine. Laddie - so nennt die Distillerie liebevoll ihr Produkt, es ist das schottische Wort für "kleiner Junge". Jim McEwan liebt alle seine Whiskys gleich. "Sie sind alle auf ihre Weise unterschiedlich." Welchen Whisky er trinke, hinge von seiner Stimmung und von der Tageszeit ab. "Wenn ich von einem ausgedehnten Spaziergang am Atlantik nach Hause komme, dann ist es Zeit für einen Octomore." Das ist der stärkste Single Malt aus der Bruichladich Distillery, für den das Gerstenmalz über vier Tage lang geräuchert wird.

Wenn ein Fass müde wird

Nicht ganz so heftig, aber dennoch mit einer kräftigen Note wartete der zweite Whisky an diesem Abend auf. Der zehnjährige Port Charlotte war die Antwort von Jim McEwan auf die Kritik der Inselbewohner, die Bruichladdich Distillery würde nur "non-peated Whisky" brennen. Ziel sei es gewesen, einen hundertprozentigen Islay-Whisky zu produzieren. "Ich hatte das Glück, dass mir mein Vorstand als Master Distiller freie Hand ließ." Und so machte Jim McEwan das, was seine Leidenschaft war und bis heute ist. "Ein guter Whisky braucht vier Dinge: qualitativ hochwertiges Malz, eine langsame Destillation, hochwertige Fässer und vor allem Zeit!" Als erfahrener Fassmacher erkenne er auch, wenn ein Fass "müde" geworden sei.

Jim McEwan trinkt keine blended Whiskys, er liebt seinen Single Malt, und wer es wage, in einem Pub ein Cola dazu zu bestellen, der gehöre standrechtlich erschossen. Zum Glück befanden sich am Dienstagabend nur echte Liebhaber und Kenner in der Runde.

Und ja, ein virtuelles Whisky-Tasting hat zumindest ein Gutes: Man sitzt schon zu Hause und muss nicht mehr fahren. Um es also mit den Worten von Jim McEwan zu sagen: "Schenkt euch mutig ein gutes Dram ein und - ganz wichtig - kauft das Buch!" Denn zu einem guten Glas Whisky gehöre ein gutes Buch und umgekehrt.

Das 528 Seiten starke Werk ist im Plassen Verlag erschienen und auch als eBook erhältlich. Mehr Informationen unter www.jimsbiography.com und unter www.plassen.de.