Johannes Stocker ist 17 Jahre alt und besucht das Kulmbacher Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium. Er gehört dem P-Seminar unter der Leitung von Oberstudienrätin Doris Leithner-Bisani an, fertigt Info-Tafeln und konzipiert einen Teil der Ausstellung, die sich mit dem Nationalsozialismus in Asch und Umgebung beschäftigt und die Entwicklung bis zur Übernahme durch das Deutsche Reich dokumentiert. Die Ausstellung wird am 18. Mai zur feierlichen Wiedereröffnung des Deutschen Dampflokomotiv-Museums erstmals zu sehen sein.

"Ich bin schon in der 8. Klasse auf diese Themen aufmerksam geworden und habe großes Interesse daran. Die Arbeit macht Spaß und bringt mir auch wichtige Erfahrungen fürs Leben", sagt der MGF-Schüler.
Außerdem entsteht für das DD M ein Dokumentarfilm, der Hitlers ehemaligen Salonwagen zum zentralen Thema hat.
Eingebunden in die zum Teil aufwendigen Aufnahmen sind nicht nur Kulmbacher Schüler, sondern auch des Gymnasiums in Eger sowie der dortigen Filmgalerie, die die Arbeiten der Produktionsfirma Kama Media begleiten. Auf deutscher Seite wird die NS-Zeit dargestellt, die Partner aus Asch beschäftigen sich mit der Vorkriegs-, der Kriegs- und Vertreibungszeit.

"Die beiden Schulen veranstalten schon seit Jahren Ausstellungen. So war auch klar, dass wir bei diesem Projekt, das viele sudetendeutsche Themen aufgreift, unseren Partner in Tschechien mit ins Boot nehmen", erläutert Oberstudiendirektor Hans-Werner Fischer.

Christina Schaar (17) beschäftigt sich mit der Verfolgung und Vertreibung der Sudetendeut-schen in Asch: "Hier konnte ich im Stadtarchiv in Rehau recherchieren und bekam Unterlagen vom Stadtarchiv in Asch und von einer bekannten Journalistin, die aus Rehau stammt. Die Arbeit ist sehr interessant, weil man eben gerade diesen Teil wenig im Geschichtsunterricht bespricht und damit auch die politischen Hintergründe nicht mitbekommt." Philipp Roth und Paul Naser (beide 18) machten die Aufnahmen als "Making-Off" für den Begleitfilm und sind seit Januar dieses Jahres dabei.

"Ohne Vorurteile"

Als Geschichtsexperte begleitet der ehemalige MGF-Lehrer Wolfgang Schoberth das Projekt. Er ist für die MGF-Schüler nahezu unverzichtbar, was die Quellenarbeit im historischen Regionalbereich betrifft, und arbeitet auf tschechischer Seite mit Pavel Sebesta und Zyblek Illek zusammen. "Die beiden arbeiten mit großer Leidenschaft, zum Beispiel was die sudetendeutsche Folklore und das Brauchtum betrifft. Und sie gehen nicht mit Vorurteilen an die Sache heran, sondern sind aufgeschlossen und fair in der Darstellung. Es werden also ganz andere Sichtweisen gezeigt, als sie vielfach von offizieller Seite vertreten werden", würdigt Schoberth die Arbeit der Tschechen. Schoberth hält die grenzübergreifende Zusammenarbeit für außerordentlich wichtig bei diesem Projekt: "Was verantwortungsvoll wiedergegeben werden kann, scheint mir das politisch Wichtigste bei diesem Kooperationsprojekt zu sein. Deswegen helfe ich auch gerne mit."