Wenn die Schüler Jana Bernstein, Theresa Fießmann, Fabian Dippold und Julian Seiferth durch den Wald bei Jöslein (Neudrossenfeld) streifen, dann sind sie immer wieder aufs Neue gespannt. Werden sie dieses Mal an einem der aufgestellten Stäbe ein Haar finden? Die vier Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums begeben sich in ihrer Freizeit auf Spurensuche - sie suchen die seltene Wildkatze.

Bis Pfingsten gehen sie freiwillig in den Wald, führen Buch und inspizieren. Insgesamt konnte Biologielehrer Andreas Bock, der das Projekt gemeinsam mit dem Bund Naturschutz betreut, 15 Schüler für die große Wildkatzen-Suche begeistern.

Seit Anfang März haben die Schüler im Abstand von 100 Metern drei Fichtenholzpfosten in dem Wald bei Neudrossenfeld aufgestellt. An Stellen, die ruhig unter Laubbäumen liegen, und die Unterschlupf für die scheuen Tiere bieten.
Außerdem sollten Lichtungen, die den Wildkatzen das Jagen erleichtern, in der Nähe sein. Hier sei es ideal, sagt Andreas Bock.

Auch im Limmersdorfer Forst und in Wirsberg sowie in Stadtsteinach wurden solche Stäbe aufgestellt. Die Schüler haben die Holzstöcke mit Feilen aufgeraut und mit Baldrian eingesprüht. Wenn es Wildkatzen in diesen Gebieten gibt, dann sollten sie von dem Duft angelockt werden und sich dann an den Stäben reiben, so wie es in der Paarungszeit für Katzen typisch ist. Das hofft Sabine Mücke vom Bund Naturschutz, die wie Försterin Anja Mörtlbauer das Projekt unterstützt.


Schüler machen alles selbständig

"Die Schüler kontrollieren die Stecken in ihrem Gebiet ansonsten selbständig ein Mal pro Woche", sagt Lehrer Bock, der nur in den Ferien selbst mal nachschaut. Ansonsten machen das die Schüler. "Theresa und ich waren bis jetzt drei Mal da. Aber wir haben noch nichts gefunden. Trotzdem ist das Projekt interessant. Wir hoffen, dass wir jetzt, wo es wärmer wird, die Wildkatzen anlocken können", sagt die 18-jährige Jana Bernstein.

Auch ihre zwei Jahre jüngere Projektpartnerin Theresa ist voll engagiert: "Ich finde Katzen einfach cool, aber leider bin ich allergisch auf Katzenhaare. Trotzdem finde ich das Projekt spannend, denn man hat viel über Wildkatzen erfahren." Alle Schüler sind in der Q11 und haben sich vom biologischen Forscherdrang anstecken lassen.

"Man muss, wenn man die Stöcke behandelt, unbedingt Handschuhe tragen. Sonst riecht man zu stark nach Baldrian", erklärt Fabian Dippold. Der 19-Jährige hat selbst zu Hause eine Katze namens Snoopy. "Aber die ist schwarz-weiß" - und habe so gar nichts mit einer Wildkatze gemein. Aber auch bei Snoopy wirke der Baldrianduft.

"Ich hoffe natürlich, dass wir bei dem Projekt noch etwas finden", sagt Julian Seiferth. Der 18-Jährige schaut noch mal mit der Lupe am Stock, ob sich vielleicht doch ein Härchen irgend wo entdecken lässt. Aber nichts.
Eigentlich ist die Paarungszeit Ende März/Anfang April zu Ende. Doch wegen des langen Winters hat der Bund Naturschutz das Projekt verlängert: Bis Pfingsten wollen die Schüler ihre Stöcke kontrollieren. Und natürlich hoffen sie, dass sich noch irgend wann etwas finden lässt.

Försterin Anja Mörtelbauer indes hatte ein bisschen mehr Glück. Sie hat Haare an einem der Stöcke in Wirsberg gefunden. "Aber ob diese Haare wirklich von einer Wildkatze stammen oder von einem anderen Tier, können wir noch nicht sagen. Sie werden derzeit untersucht", sagt Sabine Mücke vom Bund Naturschutz.

Wenn sich tatsächlich Wildkatzen an den Stöcken reiben sollten und Haare gefunden werden, geht die Arbeit erst los. Die Forscher wollen wissen, wie die Tiere wandern, wie groß ihre Reviere sind. Dann sollen Kameras aufgestellt werden, mit denen das Verhalten der Wildkatze beobachten werden kann. Das wäre ein Fortschritt, denn bislang ist wenig über die scheuen Tiere bekannt. Der Bund Naturschutz will ein Rettungsnetz aufbauen und somit beim Erhalt des Lebensraumes behilflich sein. Schließlich gelten die Wildkatzen als äußerst gefährdet.