Die Marotte der Deutschen, in der Phase des Lockdowns ausgerechnet Toilettenpapier zu horten, hatte weltweit für Kopfschütteln gesorgt. Auch das Ensemble "Pepe-Arts" konnte sich einen Seitenhieb auf die Hamsterkäufe nicht verkneifen. Überhaupt lieferte Corona den roten Faden in der Show, die das vierköpfige Ensemble in Kulmbach auf die Bühne brachte.

Initiator als Einweiser

Nichts war in der Dr.-Stammberger-Halle so wie vor der Krise. Spinnalto-Initiator Rüdiger Baumann betonte das. Denn normalerweise ist Spinnalto ein Mitmachprojekt. Normalerweise findet es in Mainleus auf dem Gelände der alten Spinnerei statt. Wegen der Hygienebeschränkungen war das jedoch nicht möglich.

Kurzerhand interpretierte Rüdiger Baumann Spinnalto neu. Er geleitete jeden Zuschauer auf seinen Platz. Überall gab es freie Stühle. Die Stadthalle war locker bestuhlt. "Auch für uns ist es das erste Mal, dass wir wieder richtig öffentlich auftreten", erklärte Jonas Dürrbeck vom Ensemble "Pepe-Arts". Als während der Show immer wieder tosender Applaus aufbrandete, war es für die vier Künstler wie eine Wiedergeburt.

Atemberaubend

Jonas Dürrbeck sorgte mit atemberaubender Akrobatik für Furore. Er stemmte sich auf einer Hand in die Luft und brachte seinen Körper in die Vertikale. Er lief in Zeitlupe vertikal durch die Luft, stemmte sich im perfekten rechten Winkel an einer Stange ab und zeigte atemberaubende Verrenkungen. Unglaubliche Kraft und Körperbeherrschung sind für solche Kunststücke nötig. "Ich habe natürlich auch während der Corona-Phase immer weiter trainiert. Sonst geht es nicht", verriet der Akrobat.

Auch Jakob Vöckler begeisterte. Er kletterte an den zeltartigen Stangen empor, ließ sich fallen, fing sich im letzten Moment ab. Zudem sorgte Vöckler im Programm für einen romantischen Touch. Denn er durfte mit Daniela Maier auf Tuchfühlung gehen, weil die beiden auch privat ein Paar sind. Maier präsentierte Turneinlagen und jonglierte mit Hula-Hoop-Reifen. Durch Lichtinszenierungen bekamen ihre Auftritte etwas Magisches.

"One fifty, sonst trifft's di"

Was passiert mit den Menschen, wenn sie isoliert sind, wenn sie immer zu Hause bleiben? Das waren die Fragen, auf die die vier Künstler in unterhaltsamer Weise auf der Bühne Antworten suchten. Michael Heiduk hortete Toilettenpapier und zeigte damit Kunststücke der besonderen Art. Er jonglierte mit Bällen und Pömpeln - allein oder gemeinsam mit Jakob Vöckler. Und am Ende rief er die Besucher noch einmal zum Abstandhalten auf: "One fifty, sonst trifft's di", war seine ur-bayerische Botschaft.

Bislang hatte "Pepe-Arts" nur vor kleinem Publikum gespielt: in Seniorenheimen oder in geschlossenen Kreisen. "Die Leute trauen sich noch nicht so richtig", sagte Jonas Dürrbeck. "Es ist ein bisschen eine komische Stimmung. Denn eigentlich haben die Leute keine Lust mehr, all die Regeln einzuhalten, aber ohne Regeln geht es eben nicht", sagte Michael Heiduk nach der Show.