Inge Hoch sitzt auf ihrer Terrasse in Neuenmarkt in der Sonne. Die Nähmaschine rattert. Hoch näht aus buntem Baumwollstoff eine Art Säckchen. "Jetzt schließe ich es oben. Der Stoff ist doppelt genommen. Dann bügele ich Falten und nähe das Gummiband ein und die Ränder", erklärt die 59-Jährige.

Sie lassen die Nähnadeln sausen

Inge Hoch engagiert sich im Helferkreis für Flüchtlinge. "Durch die Ausgangsbeschränkungen ist ein persönlicher Kontakt zu unseren Schützlingen derzeit nicht möglich. Wir nähen Mund-Nasen-Schutzmasken für unsere Asylis", sagt sie. Unterstützung erfährt sie durch Inge Peter und Katharina Moritz. Auch diese beiden Helferinnen lassen die Nähnadeln sausen und fertigen Schutzmasken. Ebenfalls zu Hause bei sich - allein.

Die Abstimmung erfolgt nur via Telefon. "Wir haben Ostern normalerweise immer kleine Nester gemacht und gemeinsam Eier versteckt. Aber das ging jetzt natürlich nicht. Wir wollten trotzdem ein Zeichen setzen, dass wir an die Leute denken", sagt Hoch. Sie möchte die Masken kontaktlos übergeben.

Sie kennen den Ernst der Lage

Vor dem Erlass der Ausgangsbeschränkungen wurden die Regeln in den Unterkünften kommuniziert. "Die Leute halten sich daran. Sie wissen, dass die Lage ernst ist. Wenn ich mal einen beim Einkaufen sehe, dann frage ich natürlich, wie es geht", sagt Hoch. Und sie ist jedes Mal froh, wenn alles in Ordnung ist.

Inge Hochs großer Wunsch wäre, wenn sie den Asylbewerbern für die Unterkunft eine Nähmaschine zur Verfügung stellen könnte: "Ich staune immer wieder, wie geschickt die Leute sind. Sie können aus nichts was machen." Auch Stoffe und Gummibänder wären dringend nötig, um die Versorgung mit Masken zu sichern. "Vielleicht hat ja jemand eine Nähmaschine, die er nicht mehr braucht - wir nehmen sie gerne", wünscht sich Hoch.

Telefonische Hilfe wird angenommen

Evi Hohner (63) ist ebenfalls im Helferkreis Neuenmarkt aktiv. Sie passt normalerweise auf die Kinder auf, wenn die Eltern sich Kleidung aus der Kleiderkammer holen. "Ich habe Urlaub, hätte jetzt Zeit. Es tut mir fast ein bisschen leid, dass derzeit kein Kontakt möglich ist", so Hohner.

"Die Asylbewerber können sich in dieser schweren Zeit auch telefonisch an uns wenden. Das wird auch wahrgenommen", erklärt Uli Stelter vom Helferkreis.

Auch die anderen Beratungseinrichtungen stehen telefonisch zur Verfügung. Veronica Specht, geschäftsführende Vorsitzende der Caritas Kulmbach, betont, dass alle Anfragen telefonisch oder schriftlich beantwortet werden. "Formulare werden in den Briefkasten geworfen. Da wir einen Mitarbeiter haben, der auch Arabisch und Persisch sprechen kann, hilft das", sagt Specht. Bei Rechtsangelegenheiten kontaktieren die Asylbewerber selbstständig ihren eigenen Rechtsanwalt.

"Und natürlich kriegen derzeit auch die Hausmeister viel mit, auch was das Einhalten von Abstandsregeln und den Ausgangsbeschränkungen angeht", so Specht. "Die meisten haben Verständnis, dass der direkte Kontakt nicht möglich ist und eine schriftliche Beantwortung oder eine Bearbeitung von Formularen jetzt vielleicht auch mal ein bisschen länger dauert. Aber wir sind da und geben auch Gutscheine für Lebensmittelmärkte aus", zieht sie eine erste Bilanz.

Corona-Plattform eingerichtet

Auch die Geschwister-Gummi-Stiftung, die Bildungs- und Gruppenangebote für Asylbewerber eingerichtet hat, setzt auf telefonische Beratung. "Wir haben eine Online-Plattform eingerichtet, veröffentlichen dort Informationen über Corona, auch in arabischer Sprache und in afrikanischen Sprachen", erklärt Vanessa Druse-Baum von der Gummistiftung. "Wir haben aber auch Vorschläge gemacht, wie man sich zu Hause fit halten kann. Denn viele gehen ja ins Fitnessstudio, was jetzt natürlich nicht möglich ist", so Druse-Baum. Auch bei der Gummi-Stiftung werden alle telefonischen Kontaktangebote gerne genutzt. Die Betreuung und Beratung geht also weiter. Alle Neubürger können darauf vertrauen, dass sie auch in der Krise Solidarität und Unterstützung erfahren.