Anfang November beginnen die ersten Studierenden ihr Studium am neu geschaffenen Uni-Campus in Kulmbach. Professor Kai Purnhagen ist der Mann, der den neuen, international ausgerichteten Master-Studiengang "Food Quality and Safety" der Fakultät für Lebenswissenschaften leitet und in Kulmbach Pionierarbeit leistet.

"Ich freue mich jetzt, dass es nächste Woche endlich losgeht", sagt der 40-jährige Professor für Lebensmittelrecht. 80 Bewerber hätte es für den Studiengang gegeben, ohne dass massiv Werbung betrieben wurde. "Nach einem harten Auswahlverfahren haben wir nun 31 Bewerberinnen und Bewerber zugelassen."

Diese 31 würden vermutlich nicht auf einen Schlag starten können, da gelte es noch Hürden wie Visa oder Corona-Bestimmungen zu überwinden. "Wie viele also tatsächlich Anfang November hier am Start sein werden, ist noch nicht ganz klar."

Große Zukunft

Er sei froh, unter den aktuellen Voraussetzungen das Soll erfüllt zu haben, denn "wir haben noch keinen großen Namen in dem Bereich, aber mit künftigem Wachstum, mehr Forschung und mehr Kooperationen sehe ich für den Standort eine große Zukunft", sagt Purnhagen.

Studiert hat der Professor Europarecht und internationales Recht, hat sich recht schnell auf Warenverkehr spezialisiert, da sei es kein weiter Schritt mehr zum Lebensmittelrecht gewesen. "Für mich ist das Reizvolle am Lebensmittelrecht, dass man hier immer einen umfassenderen Blick braucht, es ist ein interdisziplinäres Studium und dadurch sehr spannend." Naturwissenschaften, Ökonomie, Ökologie - ja selbst Politik flössen in den Studiengang mit ein.

Zuletzt war Professor Purnhagen als Associate Professor in den Niederlanden tätig. Sein Jurastudium absolvierte er in seiner Geburtsstadt Gießen, seinen Master im pittoresken Madison, Wisconsin, USA. Promoviert hat Purnhagen am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, durchlief dann verschiedene Stationen an der Londoner School of Economics, der Uni Amsterdam und Luzern sowie an der TU München. "Von der neu geplanten Fakultät in Kulmbach erfuhr ich von der Universität Bayreuth", erzählt der Neu-Kulmbacher. "Ich war zu einem Vortrag in Bayreuth eingeladen gewesen, dort hat man mir von dem Projekt erzählt - und mit der Zeit wich Skepsis der Begeisterung."

Inzwischen lebt Purnhagen mit seiner Ehefrau und seiner vierjährigen Tochter in der Bierstadt und ist sehr zufrieden. "Man musste uns nicht hierher prügeln", lacht der Professor, der insbesondere die schöne Landschaft zu schätzen weiß.

In seiner knappen Freizeit spielt er am liebsten mit seiner Tochter, liest oder geht spazieren. In jungen Jahren war er Leistungs-Geräteturner, sogar Gau-Meister in Hessen. Auch das Windsurfen hat es dem Lebensmittelrechtler angetan. "Nach meinem Abi brauchte ich eine Orientierungsphase und war eine Zeit lang Surflehrer in St. Peter Ording. Ich wäre gerne länger geblieben, aber irgendwann muss man aufpassen, dass eine Orientierungsphase nicht zu lange dauert."

Nichts vermisst

In seiner neuen Heimat Kulmbach vermisse er bislang nichts, es gebe alles, was man brauche, und man sei schnell überall. "Sehen wir es doch einmal so: Man zieht ja auch nicht nach München, sondern wohnt letztendlich in Garching oder in einem anderen Vorort und ist eine Stunde ins Zentrum unterwegs."

Allerdings müsse er auch etwas Wasser in den Wein gießen: "Kulmbach muss sich noch bewusst machen, was es heißt, Unistadt zu sein." Einerseits gebe es viel Leerstand, andererseits keine attraktiven Angebote seitens der Kulmbacher, die Bierstadt den künftigen Bewohnern schmackhaft zu machen. "Immobilien werden oft viel zu teuer angeboten, dabei sind wir Professoren Wissenschaftler und Beamte und nicht, wie es das Fernsehen oft darstellt, geleckte Maseratifahrer."

Das gelte natürlich für die zukünftigen Studierenden ebenso. "Kulmbach muss sich schnell anpassen, und zwar in den nächsten vier bis fünf Jahren." Dann nämlich kämen die Leute, und dann würde sich entscheiden, wo die neuen Campusmitarbeiter und Studierenden künftig leben würden: in Kulmbach, oder doch in Bayreuth oder gar Bamberg?

"Die Uni wird sicher in Kulmbach sein, aber das Leben könnte sich dann woanders abspielen."