"Die Löcher im Käse haben also gefehlt?" Die Kulmbacher Amtsrichterin Sieglinde Tettmann war sichtlich verdutzt. "Ja, das war eine ganz spontane Aktion", antwortete der Angeklagte. Aber dafür muss er nun ganz schön blechen.

Die kuriose Geschichte ereignete sich am 22. September. Gegen 22 Uhr war der 21-Jährige mit Freunden in der Nähe des Kulmbacher Busbahnhofs unterwegs. Dort fand er einen wasserfesten Filzstift auf dem Boden. Dann fiel ihm ein Wandgemälde auf: eine Maus, die ein Stück Käse in der Hand hält. "Aber der Käse hatte keine Löcher. Da hab' ich mir gedacht, die mal ich einfach noch hin", erklärte der Angeklagte.


Polizei schaut ganz genau hin

Genau in dem Moment kam eine Polizeistreife. Und bemerkte die Sachbeschädigung. Ein Delikt, das dem jungen Mann am Donnerstag einen Termin vor dem Amtsgericht einbrachte.
Hier hatte er schon ein paar Mal zu tun. Zuletzt wurde er wegen Sachbeschädigung verurteilt: zwei Wochen Jugendarrest.

Danach unterzog sich der junge Mann einer Therapie gegen seine Alkoholsucht. Die Behandlung sei, so der Angeklagte, erfolgreich gewesen. Auch ein Polizist, der ihn am ZOB geschnappt hatte, konnte damals keine Auffälligkeiten feststellen.


Immer wieder rückfällig

Aufgrund der Vorstrafen hielt Staatsanwältin Julia Mey eine Freiheitsstrafe von vier Monaten mit Bewährung für erforderlich. "Der Angeklagte wurde trotz Jugendarrest immer wieder rückfällig", sagte sie. Eine Geldstrafe sei nicht ausreichend.

Für einen Freispruch sprach sich Verteidiger Andreas Piel aus. Sein Mandant sei nur für den kleinsten Teil des Wandbildes verantwortlich. Der Renovierungsaufwand sei dadurch nicht größer geworden. Positiv anrechnen müsse man ihm zudem sein vollständiges Geständnis. Auch die Kosten des Neuanstrichs habe er bezahlt.


Freispruch kommt nicht in Frage

Einen Freispruch gab es trotzdem nicht. Die Richterin betonte: "Obwohl ein relativ geringer Schaden entstanden ist und sich der Angeklagte kooperativ zeigte, ist er ein Wiederholungstäter." Aufgrund seiner Vorstrafen könne man ihn nicht freisprechen. Eine Freiheitsstrafe auf Bewährung hielt die Richterin aber noch nicht für notwendig. Sie verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 600 Euro. Zusätzlich muss er 60 Sozialstunden ableisten.