Im Kulmbacher Stadtteil Forstlahm war über Jahrhunderte ein Adelsgeschlecht ansässig. Urkundlich wird der Ort "Lame" erstmal 1333 erwähnt, als die Brüder Albert, Eberhard und Albert der jüngere Förtsch von Thurnau dem Kloster Langheim einen zu Leuchau gelegenen Hof übereigneten.

"Das Stift Langheim hat daselbst einen Hof"

Der Stadtvogt Johann Libor Reinholts beschreibt um 1678 das Stadtvogteiamt Kulmbach. Er ermöglicht damit auch einen Blick auf die Ortschaft, in der nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) nur noch eine Familie wohnte: "Forstlahm ist eine Stunde von Culmbach an der Bayreuther Straße gelegen, gehört in das Gericht nach Culmbach. Das Stift Langheim hat daselbst einen Hof. Die von Waldenfels haben zwei Höfe und fünf bis sechs Selden. Die von Guttenberg besitzen ebenfalls eine Selde.

Man gesteht ihnen die Vogtei nicht zu, sie haben auch darum nicht nachgesucht. Die markgräfliche Herrschaft hat in diesem Dorf zwei Seldengüter und das Stift Himmelkron einen Hof und eine Selde, jener front mit einem halben Wagen." Eine Selde bezeichnet den Hof und Grund eines Kleinbauern, der als Tagelöhner zusätzlich dazuverdienen musste.

Burgstall mit Wehranlage

In Beschreibungen von Forstlahm wird häufig ein Burgstall mit einer verfallenen Wehranlage erwähnt, damit müsste das Anwesen Forstlahmer Straße 58 gemeint sein. In unmittelbarer Nähe dazu befand sich an der Abzweigung nach Wickenreuth eine Sandsteinmauer aus Buckelquadersteinen, teilweise mit Zangenlöchern.

Es wird fälschlicherweise angenommen, dass die Steine von diesem Burgstall stammten. Sie waren jedoch bei Umbauarbeiten am Heilingschwertturm in den 1950er Jahren ausgebrochen und nach Forstlahm gebracht worden. Vor einigen Jahren wurde die Mauer abgebrochen und das Gelände angeböscht.

Wappen mit Einhorn

Das stattliche Anwesen Forstlahmer Straße 58 (alte Hausnummer 15) hat über der rundbogigen Haustür einen großen Wappenstein. Darauf sind die Allianzwappen derer von Waldenfels und Wallenrodt abgebildet. Die Inschrift lautet: "Als man zählt 1691 jähr Dis Haus von Johann Christoph Adam von Wallenfels erbauet War Gott geb das dieses Haus bey dem geschet Florirt aus 1691."

Vom Betrachter aus rechts gesehen befindet sich ein Wappen mit einem Einhorn, das ist das Wappen- und Siegelbild der Freiherren von Waldenfels. Das linke Wappen wird durch die Buchstaben BSVW und eine stark verwitterte Schnalle als Wappen des Geschlechts von Wallenrods gekennzeichnet. Beide Wappen wiederholen sich in der Helmzier.

Johann Christoph Adam von Waldenfels war Leutnant bei den Bayreuther Kürassieren, stand also in markgräflichen Diensten. Der Ehe mit Barbara Sabina von Wallenrodt entstammten die Kinder Eva Maria Barbara, Eva Katharina, Wolf Christoph, Christiana Margaretha Sabina, Christiana Eleonore, Margaretha und Georg Christoph Adam.

Die Freiherren von Waldenfels

Im Lebensrevers über die Höfe und Güter zu Forstlahm wird bemerkt, dass der eine Hof (Forstlahmer Straße 58) zu einem adeligen Sitz gemacht wurde, den Johann Christoph Adam selbst bewohnte. Einer seiner Nachfahren, Erdmann Christoph Albrecht von Waldenfels, trat am 1. Januar 1748 altershalber an seine Söhne Ernst Sigmund und Adolf Ernst beide Höfe in Forstlahm ab.

Etwa 332 Jahre waren die Freiherren von Waldenfels bischöflich bambergische Lehensinhaber zu Forstlahm, ehe sie 1754 den Rittersitz mit sechs dazugehörigen Selden an Christoph Carl von Ritterich verkauften. Der nachfolgende Besitzer war der Würzburger Leutnant Christoph Carl Franz von Ritterich, seine Mutter war eine geborene von Waldenfels. Dieser ließ 1764 eine Kostenaufstellung über die Besitzungen des Rittergutes Forstlahm aufstellen. Das prachtvolle Original befindet sich im Staatsarchiv Bamberg. Jedes einzelne Grundstück samt Pächter ist darin aufgeführt.

Viele Besitzer

Der weitere Besitz kam 1798 in die Hände des württembergischen Leutnants von Arnim. Er soll die betreffenden Güter noch 1849 besessen haben. Der Reichsdeputationshauptschluss brachte 1803 brachte auch das Ende der Bamberger Grundherrschaft in Forstlahm. Sie wurde nun dem Königreich Preußen als Nachfolger des ehemaligen Markgrafentums Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth einverleibt.

Leopold Freiherr von Buseck, General und Geheimrat in Bamberg und Bruder des Bamberger Fürstbischofs, kam wegen des Ablebens des bisherigen Lehensinhabers von Ritterich in Besitz der ehemaligen Bamberger Lehen, die nun in brandenburgische Kanzleilehen umgewandelt wurden.

In den betreffenden Aktenbündeln ist wiederholt die Unterschrift von Carl August von Hardenberg als preußischem Staatskanzler vorzufinden. 1852 befinden sich in der Ortschaft Forstlahm 32 Anwesen einschließlich Tiefenbach, Vordere Herlas und Gelbe Weiden.

Von altersher wurden die Bewohner des Anwesens auch als "Schlösser" oder "Schlossbauern" bezeichnet.