Am 23. Januar 2014 hat das Herz von Alois Harbauer aufgehört zu schlagen. "Ich weiß nichts mehr. Ich habe einen Filmriss. Mir fehlen 14 Tage. Ich erinnere mich erst wieder, dass ich im Februar - 14 Tage später - im Klinikum aus dem Koma erwacht bin", erzählt der 77-Jährige.

Plötzlich ist er umgefallen

Harbauer wollte Anfang Januar im dm-Markt ein Fotobuch gestalten, unterhielt sich mit den Mitarbeiterinnen und war guter Dinge. Er freute sich schon auf das Buch. "Er hat ganz normal mit der Kollegin in der Fotoabteilung gesprochen. Es gab kein Anzeichen, dass irgend etwas nicht in Ordnung wäre. Und plötzlich, mitten im Satz, ist der Stuhl, auf dem der Mann saß, umgefallen, und Herr Harbauer lag regungslos auf dem Boden", erinnert sich Diana Hügerich aus Burgkunstadt an den Vorfall.
"Man hat sofort gesehen, dass das nicht nur eine kleine Kreislaufschwäche war. Ich habe sofort gemerkt, dass es etwas Schlimmeres war", schildert Hügerich den Vorfall. "Kunden haben sich um den Mann gekümmert. Ich habe die Beatmungsmaske geholt und den Notarzt verständigt", sagt die 33-Jährige.
Dass im dm-Markt eine Beatmungsmaske vorhanden ist, ist selbstverständlich. "Wir haben sie aber bisher noch nie gebraucht. Das war der erste Einsatz", sagt Hügerich. "Es war eine Kundin da, die sich wirklich gut auskannte und sofort reanimiert hat", schildert die dm-Mitarbeiterin den Vorfall und gibt offen zu, dass sie einfach schockiert war: "Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen."
Heidi Wendlandt aus Kasendorf saß an der Kasse, als das Unglück passierte. "Alle haben sofort reagiert. Eine Kollegin hat versucht, den Mann anzusprechen. Wir waren alle schockiert, haben gar nicht überlegt, sondern alle einfach gehandelt", sagt Wendlandt. "Eigentlich denkt man immer, man kommt selbst nicht in eine Situation, in der man helfen muss, aber bei dem Vorfall haben wir gesehen, wie schnell das passieren kann", sagt Wendlandt.

Es geht um Minuten

"Es ist entscheidend, dass die Leute nicht lange gewartet, sondern sofort gehandelt haben. Ich hatte einen Herzstillstand, dabei geht es um Minuten. Und dass ich heute ohne Schäden wiederhergestellt bin, habe ich nur denen zu verdanken, die im ersten Moment geholfen haben", sagt Alois Harbauer. Bei den dm-Mitarbeiterinnen bedankt er sich mit einem Blumenstrauß.
Aber auch bei den anderen Ersthelferinnen - bei den Kunden, die Alois Harbauer natürlich nicht kennt - bedankt er sich herzlich. "Diese Menschen haben eine Lebensrettermedaille verdient, einfach als Anerkennung. Ich würde mich freuen, wenn sie sich melden würden. Der Arzt im Krankenhaus hat mir klipp und klar gesagt, dass ich am 23. Januar einen neuen Geburtstag geschenkt bekommen habe", sagt der 77-Jährige dankbar . Erst vor wenigen Tagen ist Alois Harbauer aus der Reha entlassen worden. Noch fühlt er sich natürlich ein bisschen mitgenommen, doch er weiß, dass dieser Vorfall anders hätte ausgehen können.
"Normalerweise fahre ich immer mit dem Auto zum Einkaufen, aber nicht an diesem Tag. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was mit dem Auto hätte passieren können", sagt der Kulmbacher. Wenige Tage nach dem Vorfall haben Bekannte von Alois Harbauer im dm-Markt ein Bild von den beiden Ersthelferinnen gemacht und dem Patienten das Bild neben das Bett gestellt. Auf die Rückseite haben die beiden Mitarbeiterinnen die besten Genesungswünsche geschrieben. Für Alois Harbauer ist das Bild eine Erinnerung an seinen zweiten Geburtstag. "Ich kann mir selbst nicht erklären, wie das passieren konnte. Ich habe nie Probleme mit dem Herz gehabt", sagt er.
Für Filialleiterin Nadine Litt ist der Vorfall nur eine Bestätigung für ihre Personalpolitik. Denn sie legt großen Wert darauf, dass alle Mitarbeiter nicht nur einen Erste-Hilfe-Kurs vorweisen können, sondern auch regelmäßig - spätestens alle zwei Jahre - einen Auffrischungskurs machen. "Zu uns kommen Menschen aller Altersklassen, vom Säugling bis zur Oma - und es passiert schon mal was", sagt die Filialleiterin.

Manchmal tut's ein Pflaster

"Letzte Woche ist einer älteren Dame schwummerig geworden, die hat dann Wasser bekommen. Einmal kam ein Junge mit einer Schramme herein, dem haben wir ein Pflaster gegeben. Aber so einen schlimmen Vorfall hatten wir auch noch nie", sagt Nadine Litt.