Bis 2033 muss jeder Führerschein, der vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt worden ist, in den neuen EU-Führerschein umgetauscht werden. Das gilt auch für den "grauen Lappen", an dem so einige Herzen besonders hängen. Zum Beispiel das von Sparkassen-Vorstand Harry Weiß. Zwar hat er seinen grauen Führerschein ("Pflichtbewusst, wie ich bin") bereits vor drei Jahren in den neuen Führerschein im Scheckkartenformat umgetauscht, aber behalten hat er ihn dennoch. "Als ich ihn damals mit meinem Vater abholte, war das ein ganz besonderer Moment", erinnert sich Weiß, der bei der Fahrschule Buchtler 1979 seine Führerscheinprüfung gemacht und mit Null Fehlern auf Anhieb bestanden hat.

Die Fahrt ohne den Fahrlehrer

Der Zweirad-Fan hat gleich seinen Motorradführerschein mit gemacht. "Ich kann mich noch an eine Fahrstunde erinnern, als mein Fahrlehrer mir an der Schauerkreuzung an einer rot werdenden Ampel davon fuhr." Funk hat es nicht gegeben, also musste er mit dem Motorrad dem Auto hinterher. "Der Fahrlehrer hatte es nicht bemerkt, und so bin ich eine halbe Stunde alleine durch die Stadt gefahren", erinnert sich Harry Weiß.

Total verrostet

Mit seinem Wehrsold hat er sich seine erste Maschine finanziert: eine kleine Honda. Und das erste Auto? Mit seinem Bruder hat er sich einen Renault R4 geteilt, ein ehemaliges Baustellenfahrzeug des Vaters. "Der war so verrostet, wir haben ihn gespachtelt und grün lackiert. Wenn es regnete, lief immer Farbe ab." Bis der TÜV den Wagen aus dem Verkehr gezogen hat.

Schwarzfahrer?

Kreisrätin Brigitte Soziaghi hat ihren grauen Lappen, den sie im Herbst eingetauscht hat, aus Nostalgiegründen aufgehoben. Sie hat die Prüfung bei der Fahrschule Kolb beim ersten Mal bestanden. "Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Sobald die Füße an die Pedale reichten, ist man als Kind Bulldog gefahren", sagt sie. Ihr Fahrlehrer hat ihre erste Fahrstunde mit den Worten kommentiert: "Haben wir wieder so einen Schwarzfahrer erwischt?" 1972 gab es noch nicht so viel Verkehr, sie musste keine Autobahnfahrt und auch keine Nachtfahrt absolvieren. Sie hat ihren fahrbaren Untersatz gebraucht, um zur Arbeit zu kommen. Also kaufte ihr der Vater einen VW Käfer, "den ich ein dreiviertel Jahr später bei Glatteis geschrottet habe." Mit einem "neuen" gebrauchten Käfer fuhr sie anfangs nur mit Tempo 30 über die Landstraße. "Doch nur anfangs."

"Bis es nicht mehr geht"

An seinem grauen Lappen hält Thomas Nagel, Leiter der Akademie für neue Medien, fest. "Bis es nicht mehr geht. Und auch dann werde ich ihn nicht entsorgen". Seit 36 Jahren begleite ihn das gute Stück, das er gleich beim ersten Mal erhalten hat. Wenn er an seine Prüfung zurückdenkt, muss er schmunzeln. "Du bist aber flott unterwegs", sagte sein Fahrlehrer. Seine Mutter habe sich riesig gefreut, als er bestanden hatte. Die sei nervös gewesen, weil es draußen spiegelglatt gewesen sei. "Das hatte ich nicht bemerkt", sagt Nagel, der nach dem Telefon wusste, "weshalb die anderen Autos alle so geschlichen sind". Bezahlt hat er seinen Führerschein auch mit Geld, das er in den Ferien verdient hat. "Ich habe bei meinem Papa im ,Sir Henry' gearbeitet, habe auf der Bierwoche Krüge eingesammelt und Zeitungen ausgetragen." Das erste Auto hat der Vater mit finanziert: einen gebrauchten Ford Fiesta.

Das Rückwärtsparken...

Barbara Geyer, die aus dem Ehrenamt in Kulmbach nicht wegzudenken ist, hängt ebenfalls an ihrem grauen Lappen. Den Führerschein hat sie 1973 gemacht. Das seitliche Einparken sei nicht ihre Stärke gewesen. "Und ist es heute noch nicht." Bevor sie sich mit dem Auto in ein Parklücke quetsche, laufe sie lieber ein paar Meter. Als sie ihren Führerschein bestanden hatte, sei sie perplex gewesen. Ihr Vater habe ihr einen gelben VW Käfer gekauft, damit man sie sehe. Ihren grauen Führerschein hat Barbara Geyer zwar bereits eingetauscht, aber sie hat ihn auch heute noch täglich in ihrer Handtasche dabei, und das im Original-Führerscheinmäppchen der Fahrschule Kolb.

Führerschein schon mit 17

Mit einer Sondergenehmigung durfte Archivar und Stadtführer Erich Olbrich 1975 seinen Führerschein bei der Fahrschule Lang machen - da war er gerade 17 Jahre alt. "Ich wohnte in Presseck und musste zur Abendschule, da fuhr so spät abends natürlich kein Bus mehr." Seinen grauen Lappen habe er aufgehoben, er finde ihn aber gerade nicht mehr, sagt Erich Olbrich. Umgetauscht hat er diesen schon 1981. "Ich habe bei der Bundeswehr den Lkw- und Busführerschein gemacht und das musste ich in den neuen Führerschein eintragen lassen." Sein erstes Auto war ein VW Käfer, den er mit orangefarbenen Rennstreifen aufgepeppt habe.

Das erste "Car-Sharing"

An den Käfer hat Erich Olbrich viele schöne Erinnerungen: Mit ihm habe er seine Frau kennengelernt, denn man habe das erste "Car-Sharing" im Landkreis praktiziert: "Wenn man aus Presseck weg wollte, aber keinen fahrbaren Untersatz hatte, wartete man abends um 18 Uhr am Marktplatz. Jeder, der ein Auto hatte, fuhr dort vorbei, und man wurde mitgenommen. Und wenn keiner dorthin fuhr, wohin du wolltest, bist du eben ins Wirtshaus gegangen."