In der neuen Integrierten Leitstelle in Bayreuth (ILS) sieht es ungefähr so aus, wie in einem Flughafen-Tower. Projektleiter Markus Ruckdeschel, der am Freitagabend bei der Dienstversammlung der Feuerwehrkommandanten in Mainleus die Aufgabe hatte, nach vier Monaten Betrieb einen Sachstandsbericht abzugeben, zog folgerichtig einen Vergleich mit der Luftfahrt: "Wenn die Piloten in Ausbildung sind, haben sie kleine Flugzeuge, wenn sie mehr Erfahrungen gesammelt haben, kann man sie in den großen auf Langstreckenflug schicken. In dieser Phase sind wir gerade."
Die ILS nimmt seit November 2011 alle Notrufe, Unfallmeldungen und Informationen für die Rettungsdienste entgegen. Die Erstalarmierung durch die Polizeiinspektionen Kulmbach und Stadtsteinach gehört seitdem der Vergangenheit an. Das monströse Computersystem, das für die Einsatzplanung über eine Million Kombinationen aus Zonen, Zeiten, Schlagwörtern und Einsatzmitteln auswerten kann und in dem jeder der elf Arbeitsplätze mit sieben Monitoren bestückt ist, hat in der Anfangszeit nicht immer volle Zustimmung gefunden. Die Feuerwehr Oberdornlach hatte sich schon beschwert und auch die Löschgruppe aus Thurnau, deren ehemaliger Kommandant Gerald Vogel beklagte, dass die örtliche Wehr nicht zuerst verständigt wurde.
Doch bei Dienstversammlung im Mainleuser Feuerwehrhaus waren Klagen Fehlanzeige, in der Aussprache hatte keiner der über 300 Führungskräfte etwas zu bemängeln. Vielleicht lag das auch an Markus Ruckdeschels Power-Point-Präsentation, die er mit eindrucksvollen Zahlen garnierte: Allein im November und Dezember gab es im Landkreis Kulmbach sowie in Bayreuth Stadt und Land 129 Brände, 157 Technische Hilfeleistungen und 54 sonstige Einsätze zu bewältigen. Mit 133 Einsätzen innerhalb 24 Stunden wurde die höchste Auslastung am 11. Februar dieses Jahres verzeichnet, am "Tag des Notrufes". Ganz zu schweigen vom Missbrauch der Notrufnummer 112, die im Februar nicht weniger als 1528 Mal aus Jux und Tollerei angewählt wurde.
Dass es immer noch Probleme gibt, verhehlte Markus Ruckdeschel nicht. Es seien vor allem Software-Fehler, die die Mitarbeiter zermürben, wenn plötzlich der Patientennahme oder Daten über Einsätze verschwunden seien. Deshalb sei die ILS am 28. und 29. März im Notbetrieb gelaufen - für ein "großes Update" zur Fehlerbereinigung.

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