"Was ist, wenn man sich an die Regeln einer Gruppe hält, wenn man einfach mitmacht, Teil einer Gemeinschaft sein will? Wenn man andere ausgrenzt? Wenn man einfach nur das macht, was die anderen tun?", fragte Schulleiterin Ulrike Endres zu Beginn der Aufführung.
"Die Welle" von Reinhold Tritt nach einer wahren Begebenheit erzählt von einem Experiment. In diesem Fall von dem Experiment der Lehrerin Sophie Wenger (Eva Neumann) mit ihren Schülern, die im Geschichtsunterricht nichts mehr vom langweiligen Thema Nazideutschland hören wollen. "So etwas kann doch heute ohnehin nicht mehr passieren", behaupten sie und weisen damit jegliche Verantwortung von sich.
Doch Sophie Wenger schlüpft in die Rolle des "Diktators" und stellt im Unterricht neue Regeln auf. Schnell fängt die bisherige Außenseiterin Emma Schwartz (Lisa-Marie Albrecht) für die neue Idee Feuer, und auch die restlichen Schüler lassen sich von der sich neu entwickelnden Gemeinschaft einfangen. Alle bis auf die kritische Karo (Sarah Neubing), Chefredakteurin der Schülerzeitung, der die ganze Entwicklung nicht ganz geheuer ist. Ihre Mitschüler beginnen, uniforme Kleidung zu tragen und sind über ihren Schlachtruf eine feste Einheit: "Stärke durch Disziplin! Stärke durch Gemeinschaft! Stärke durch Aktion!"
Wer nicht mitmacht, wird notfalls durch Gewalteinwirkung überzeugt, denn die Gemeinschaft berauscht, sie verleiht Kraft und macht es leicht, auf andere herab zu schauen. Das Experiment droht aus dem Ruder zu laufen.
"Wir wollten mit dem Stück einen Beitrag zur Demokratie leisten", sagte Bastian Priemer, der mit seinem Lehrerkollegen Frank Hoyer für die Regie verantwortlich zeichnet. Was sind harmlose Witzchen? Wo wird es gefährlich? "Rechts zu denken und zu handeln wird in unserer Gesellschaft immer salonfähiger, das ist ein Problem", sagte Frank Hoyer. Die Schüler sollen über eine verantwortungsbewusste Haltung in der Gesellschaft reflektieren, und auch das Publikum soll zum Nachdenken angeregt werden - und zwar über die eigene Haltung. "Die Schüler sollen sich selbst eine Meinung bilden (dürfen)", sagte Bastian Priemer, und als Sozialkundelehrer habe er durchaus den Eindruck, dass die Mitwirkenden im Theaterstück reflexiver mit Nachrichten umgingen.
Am Ende gingen die Zuschauer aus dem voll besetzten Forum des CVG nach Hause und hatten gewiss viele Gedanken und Emotionen mit im Gepäck. Die Welle kann natürlich etwas Positives sein, kann berühren und etwas anschieben, sie kann aber zugleich auch zerstörerisch wirken. Schulleiterin Ulrike Endres fasste ihre Eindrücke am Ende in einem Satz treffend zusammen: "Es ist ein Stück mit Gänsehautcharakter, und ihr habt beängstigend gut gespielt."
Wer sich ein Stück weit von der Welle mitnehmen lassen möchte, hat dazu am Mittwochabend um 19 Uhr im Forum des Caspar-Vischer-Gymnasiums nochmals Gelegenheit.