Gegenwärtig erfolgt die Einleitung über den "Hutweidbach", einem äußerst schwachen Vorfluter. Bliebe es bei diesem Zustand, müsste die Kläranlage entscheidend nachgerüstet werden. Laut stellvertretendem Bürgermeister Alfred Faßold (SPD/OL), der für den verhinderten Vorsitzenden Siegfried Decker die Beratungen leitete, geht es um ein vereinfachtes Wasserrechtsverfahren. Die vom Landratsamt zu erteilende wasserrechtliche Erlaubnis bilde dann die Voraussetzung für die Ausschreibung der Freispiegelleitung, die im kommenden Frühjahr gebaut werden solle.

Die 1540 Meter lange Kanalleitung wird nach den Worten von Diplomingenieur Erich Hahn vom Büro IBP westlich der Eisenbahn verlaufen, wobei sowohl der "Gütleinsbach" als auch der "Krebsbach" unterquert werden müssen. In Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt Hof habe man sich auf eine Nennweite des Kanals von DN 300 festgelegt. Damit werde eine höhere Fließgeschwindigkeit erreicht. Die Maßnahme sei auch die Voraussetzung für eine Ausbaugröße der Abwasseranlage auf 3700 Einwohnergleichwerte.

Freispiegelleitung soll rund 470.000 Euro kosten


In der Trassenführung werde man sich hauptsächlich am Feldweg orientieren. Die Kosten für die Freispiegelleitung, die mit Kunststoffrohren ausgeführt wird, bezifferte Hahn auf rund 470.000 Euro. Mit der Erteilung der wasserrechtlichen Erlaubnis werden die Arbeiten ausgeschrieben. Das Büro geht davon aus, dass mit den Arbeiten im Februar/März nächsten Jahres begonnen werden kann.

"Die Freispiegelleitung ist ein erster Schritt zur Sanierung der Abwasseranlage", betonte Werkleiter Karl Pöhlmann (SPD/OL) und verwies darauf, dass eng damit der Bau eines Regenrückhaltebeckens am Bauhof verbunden ist. Notwendig werde aber auch die Reduzierung des Fremdwassers und die damit einhergehende Sanierung des Kanalnetzes. Pöhlmann: "Wir müssen irgendwo anfangen, um schrittweise vorwärts zu kommen. Wir brauchen zunächst die wasserrechtliche Erlaubnis, dass wir das gereinigte Abwasser in die Schwarze Schorgast einleiten können." In Kürze müsse auch die Planung für das Regenrückhaltebecken am Bauhof auf den Weg gebracht werden. "Auch die Bürger müssen rechtzeitig darüber informiert werden, welche Kosten auf sie zukommen."

Digitales Kanalkataster geplant


Der Werkleiter bezeichnete die Freispiegelleitung aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht als die sinnvollste Lösung. Wolfgang Hörath wollte wissen, ob es nicht besser wäre, Freispiegelleitung und Regenrückhaltebecken miteinander auszuschreiben. Dies verneinte Diplomingenieur Erich Hahn, zumal es sich um völlig unterschiedliche Gewerke handle.

Die Mitglieder des Werkausschusses waren sich auch darüber einig, ein Kanalkataster in digitaler Form anlegen zu lassen. Karl Pöhlmann sah dabei auch die Zustandserfassung des Kanalnetzes als notwendig an. Die Erstellung soll schrittweise über ein bis zwei Jahre erfolgen. Die Verwaltung wurde beauftragt, bis zur nächsten Sitzung des Werkausschusses konkrete Honorarangebote einzuholen. Die Kosten für ein Kanalkataster in digitaler Form werden sich auf rund 60.000 Euro belaufen.

Werkleiter Pöhlmann gab noch bekannt, dass das Regenrückhaltebecken im Gewerbegebiet "Hegnabrunn-Süd" grundlegend gereinigt worden ist. Dadurch seien Kosten von rund 2500 Euro entstanden.
Am Gemeindegarten sei ein neuer Oberflurhydrant errichtet worden. Derzeit würden im Ortsteil Schlömen die "Bürgermeisterkanäle" befahren.