Die Misshandlung des früheren Lebenspartners seiner inzwischen verstorbenen Mutter kommt einem 28-jährigen Kulmbacher ganz schön teuer zu stehen. Die Straftat des Metallbauers wurde vom Amtsgericht als gefährliche Körperverletzung ausgelegt.

Immerhin hatte der Geschädigte, ein 53-jähriger Maler, unter anderem einen Nasenbeinbruch und eine Schulterprellung erlitten und musste wegen dieser Verletzungen auch im Klinikum Kulmbach behandelt werden.
Richterin Sieglinde Tettmann verhängte eine Bewährungsstrafe von acht Monaten. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte sieben Monate gefordert. Daneben hat der Angeklagte eine Geldauflage von 2000 Euro an den Weißen Ring zu leisten und zudem die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Der Vorfall hatte sich am 6. Mai dieses Jahres gegen 22.20 Uhr in der Wohnung des Malers in der Oberen Stadt ereignet.
Die Staatsanwaltschaft Bayreuth ging von einer körperlichen Misshandlung aus, die als strafbare, gefährliche Körperverletzung ausgelegt wurde. Der Angeklagte war in jener Nacht gewaltsam in die Wohnung des Malers eingedrungen, der auf einer Couch im Wohnzimmer schlief. Ohne Vorwarnung schlug der 28-Jährige auf sein Opfer mit der Faust ein - mindestens zehn Mal, wie er einräumte. Danach habe er die Wohnung wieder verlassen.

Als Grund gab der Metallbauer an, dass er "eine wahnsinnige Wut" gehabt habe, denn der Ex-Freund habe seiner Mutter Schulden hinterlassen und sich obendrein von seiner Großmutter noch 2000 Euro geliehen, ohne diese zurückzuzahlen: "Ich bekam laufend Rechnungen und Mahnungen. Ich wollte ihm einfach die Meinung geigen."


"Was willst du denn, du Trottel?"

Der Angeklagte gab zu, dass er an dem Abend knapp fünf Bier getrunken hatte. Als ihn der Maler fragte: "Was willst du denn, du Trottel?", sei es zu der Kurzschlusshandlung gekommen: "Es war einfach zu viel, aber es war nicht meine Absicht, ihn in die Fresse zu hauen."

Auf die Frage von Richterin Sieglinde Tettmann, wie er sich danach gefühlt habe, antwortete der Metallbauer: "Einerseits frei, andererseits aber doch schuldig." Alkohol trinke er eher selten.

Die Anzeigen des Geschädigten wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung wurden, wie Richterin Tettmann feststellte, inzwischen eingestellt, so dass es nur noch um die gefährliche Körperverletzung gehe. Auf die Vorhaltung der Richterin, dass er seinen Kontrahenten vor den Faustschlägen mit den Worten "Willkommen im Leben" begrüßt haben soll, gab es auch eine klare Antwort des Angeklagten: "Nein!"

Genau das bestätigte der Geschädigte aber: "Er stand auf einmal vor mir mit den Worten ,Willkommen im Leben' und hat auf mich eingeschlagen mit der Faust und mit Handschuhen. Er hat auch getreten, ich konnte die Schläge nur abwehren. Irgendwann hat er aufgehört zu schlagen. Gesagt habe ich nichts zu ihm." Das Verhältnis zum Sohn seiner Ex-Freundin bezeichnete der Maler als angespannt.

Die weiteren Zeugenvernehmungen halfen dem Gericht nicht unbedingt weiter, so dass der Vertreter der Staatsanwaltschaft anordnete, noch zwei weitere Personen zu hören. Ein 33-jähriger lediger Anlagen- und Maschinenführer berichtete, dass der Angeklagte sehr aufgebracht in der Gaststätte "Zum Goldenen Spieß" in der Oberen Stadt eingetroffen sei und nach dem Maler gefragt habe. Er hatte auch die Handschuhe an ihm wahrgenommen und noch versucht, mit den Worten "Überlege Dir gut, was Du machst" zu warnen.


Erst bestritten, dann zugegeben

Ein Beamter der Kulmbacher Polizei berichtete, dass der Angeklagte die Tat in seiner Wohnung abstritt, am nächsten Morgen aber einräumte. Bei der Durchsuchung der Wohnung seien die besagten Quarzsandhandschuhe nicht aufgetaucht. Ein bei ihm durchgeführter Alkoholtest ergab einen Wert von 0,76 Promille. Der Mann hatte auch bestritten, Quarzsandhandschuhe getragen zu haben.

Richterin Sieglinde Tettmann verlas noch das Notfallformular des Klinikums, das eine Nasenbeinfraktur sowie eine Schulter- und Handprellung beim Geschädigten attestierte. Im Bundeszentralregister hatte der angeklagte Metallbauer noch keinen Eintrag. Die Verhandlung wurde dann unterbrochen, um weitere Zeugen vorzuladen und einzuvernehmen. Es kam aber zu keinen neuen Erkenntnissen.