Aufregung lag in der Luft, als die fünf Nachwuchsliteraten auf ihren Stühlen in dem voll besetzten Saal Platz nahmen. Die jüngsten Mitglieder des Kulmbacher Literaturvereins eröffneten mit ihren selbst verfassten Texten zum Thema "25" bravourös den Reigen der Vortragenden.

Selbstbewusst präsentierte der 13-jährige Niklas Rauchmaul seine Ansichten zu den 25 dümmsten Gesetzen der Welt. Ihm folgte Hannah Langohr mit ihrer Geschichte über das Dorf, in dem 25 Menschen in 25 Häusern leben. Ein Märchen über ein Mädchen, das über ein magisches 25. Kalendertürchen ins Land der Süßigkeiten einsteigen kann, erzählte das mit sieben Jahren jüngste Mitglied des Vereins, Mona Prawitz. Ihre 10-jährige Schwester Jasmin wiederum verlas einen Brief, den sie an sich selbst im Alter von 25 Jahren richtete, und Julia Sailer, 11 Jahre alt, machte sich Gedanken über die Bedeutung von 25 Jahren im Universum.

"Jeder Verein, der keine Nachwuchsarbeit leistet, hat keine Zukunft", sagte der stellvertretende Landrat Jörg Kunstmann und würdigte die Leistung der jungen Literaten. Dem schloss sich auch Oberbürgermeister Henry Schramm an, indem er die Offenheit des Literaturvereins lobte: "Ihr seid ein wertvoller Baustein im kulturellen Leben unserer Stadt!"

Im Februar 1988 wurde der Literaturverein gegründet und begrüßte am Samstagabend sein 89. Mitglied. "Besonders freue ich mich, dass eines unserer Gründungsmitglieder heute anwesend ist", sagte die Vorsitzende Karin Minet. Margarete Biedermann, Frau der ersten Stunde, war auch eine der Vortragenden und erfreute das Publikum mit ihrem Gedicht "Die Zeit".

Es folgten zwei poetische Texte über Ohr und Licht von Birgit Hächl, amüsante Mundart-Geschichten von Klaus Köstner und Andrea Senf sowie "Exotisches" von Edina Thern und Sun Yu. "Sun Yu ist chinesischer Abstammung und kam vor kurzem in unseren Verein, um etwas besser Deutsch zu lernen", erklärte Karin Minet. "Aber wir lernen gegenseitig voneinander, indem sie uns durch die Übersetzung chinesischer Gedichte die asiatische Lebensweise näher bringt."

Vereinsgeschichte als Märchen

Als Überraschung des Abends übernahm Jutta Lange das Rednerpult und erzählte die Geschichte des Vereins in Form eines kurzen Märchens. "Die blonde Prinzessin aus dem Gebirg gesellte sich zu dem Zwergenhaufen", wandte sich Jutta Lange mit einem Augenzwinkern an die Vorsitzende, "und konnte den Zweiflern glaubhaft machen: Dichten ist nicht gefährlich. Fortan kamen die Literaturfreunde aus ihren Verstecken." Jutta Lange, die einst als Erste die traditionelle Eidechse für besondere Verdienste um den Verein entgegennehmen durfte, überreichte diese Auszeichnung an die nunmehr 10. Preisträgerin, Karin Minet.

Der stellvertretende Vorsitzende, Wolfram Stutz, präsentierte das neueste Themenbuch des Vereins mit dem Titel "25", das unter anderem in der Unteren Apotheke zu kaufen ist.

Im Anschluss hatten die Gäste noch die Möglichkeit, eine kleine Kunstausstellung mit meisterhaften Portraits des Künstlers Stefan Klenner-Otto zu bestaunen und sich von den Fotografien Jürgen Linhardts und den dazu gehörigen stimmigen Zitaten berühren zu lassen.