Unter dem Motto "Flüssiges bricht Fasten nicht!" stand das 7. Gaudi-Bock-Bier-Brettla im Kulmbacher Kleinkunst-Brettla in Untersteinach. So konnten die Zuschauer im ausverkauften Saal guten Gewissens den süffigen Eisbock genießen. Aber was wäre ein Bockbierfest ohne süffisante Worte und starke Musik. Daher gaben sage und schreibe sieben Künstler das Mikrofon in die Hand. Sie verwandelten das Brettla in einen Hexenkessel.


Eisbock schmeichelt den Protagonisten


Gleich zu Beginn erklommen die ehemaligen "Stänkerer" die Bühne und eröffneten den Abend mit dem Song "Bockbierzeit is heut!" Kurze Zeit später war es dann so weit: Unter den Klängen der "Patersbergcombo" wurde der heimliche Star des Abends, der Eisbock, durch den Saal getragen und auf der Bühne platziert.

Nun kam die Stunde von Bürgermeister Volker Schmiechen, der das Fass gekonnt mit einem Schlag anzapfte. Sein Stellvertreter Hans-Peter Röhrlein durfte assistieren. "Ozapft is", hallte es durch den Saal, die "Patersbergcombo" spielte einen Tusch und der süffige Eisbock mit 21,9 Prozent Stammwürze und einem Alkoholgehalt von neun Prozent schmeichelte den Kehlen der Protagonisten. Kurz darauf kamen auch alle Gäste in den Genuss des starken Bieres.


"Mönch Manni" las die Leviten


KKB-Vorsitzender Manfred Spindler stieg dann als "Mönch Manni" auf die Bühne, um den Politikern die Leviten zu lesen und von so manch skurriler Begebenheit zu berichten. Seine Spitzen trafen haargenau, wurden so schnell abgeschossen, dass das Publikum erst im Nachhall begriff - oder gar nicht. Kabarettistische Passagen und tiefsinnige Gedanken wurden im nächsten Moment mit Wortspielereien weggewischt, um im nächsten Atemzug einen Schenkelklopfer zu kreieren.

Ein paar Beispiele: Die Partei "Die Grünen" sei ihm suspekt weil sie zwar wisse, wie der Berliner Drogenmarkt funktioniere, sonst aber keinen Kontakt zur Realität habe. Die Mitglieder der AfD würden angeblich jetzt alle den Angelschein machen, um ihrer Chefin ein völkischen Gruß "Petry-Heil" entgegen rufen zu können. Dem neuen Hoffnungsträger der SPD, Martin(i) Schulz gratulierte Spindler zum Wahlprogramm. Dieses besage: Man darf Parteien nicht an ihren Wahlversprechen messen.


Richard Kofer feiert Bühnendebüt


Zu einem Bühnendebüt kam es dann im KKB. Der Kauerndorfer Richard Kofer wollte dort schon immer mal auftreten. Eine Bekannte schenkte ihm (ohne sein Wissen) eine Mitgliedschaft im Brettla, weil sie meinte, er gehöre auf diese Bühne. Und auf dieser stand er dann und feierte einen viel umjubelten Einstand. In seinem Programm setzte er sich, mit Gitarre und frechem Grinsen, mit den Zweideutigkeiten der deutschen Sprache auseinander. "Steh ich manchmal am Bodensee, tut mir mein Herz so furchtbar weh, wenn ich vom Bierglas den Boden-seh!"

Die Lacher auf seiner Seite hatte auch Lothar Groß alias "Onkel Loda". Zwei Bühnenprogramme hat er schon im KKB aufgeführt, vor jeweils ausverkauften Haus. Mit viel Routine erklärte er so manche Begebenheit aus seinem Leben. Natürlich durften die Auseinandersetzungen mit seiner Frau nicht fehlen. Wenn die einmal durch weibliche Roboter ersetzt würde, müsste man mit einer ganz anderen Geschlechtskrankheiten rechnen: einem Trojaner im Schritt.


"Gaudibrettla" wieder da


Dann stürmten die Macher der ehemaligen Kultveranstaltung "Gaudibrettla" die Bühne und präsentierten sich von ihrer musikalischen Seite. Roland Jonak, Uwe Bär, Ralf Marlock, Manfred Spindler und "Altstänkerer" Bernhard Fiedler brannten ein Feuerwerk ab. Letzt genannter eröffnete den Reigen und zeigte sich als Meister auf dem Schifferklavier. Dem wollten seine Kollegen in nichts nachstehen und "frisierten" den alten Klassiker "Knockin on heavens door" in eine BBB-Version um: "Nackeln mer nuch ans nei!"

Das Schlagzeug ist sein Zuhause, er kann es aber auch mit Löffeln: Roland Jonak, der plötzlich allein auf der Bühne stand, machte aus der Not eine Tugend und zelebrierte mit Unterstützung der Patersbergcombo die "Löffelpolka". Die Gestik und Mimik dazu war zum Schießen - Jonak halt.


Höhepunkt auf dem Barhocker


Danach setzte das Team zum finalen Höhepunkt an. Weil nur noch ein Instrument zur Verfügung stand, aber fünf Mann, dachte man sich ein Novum aus. Lothar Groß wurde kurzerhand das Akkordeon auf den Rücken geschnallt und dieser bäuchlings auf einen Barhocker drapiert. Roland Jonak zog auf der einen - Uwe Bär auf der anderen Seite. Ralf Marlock spielte den Knopfbass und Bernhard Fiedler, in Manier eines Klavierspielers, komplettierte dieses außergewöhnliche Quintett. Die Zuschauer waren aus dem Häuschen.

"Wer hätte gedacht, dass der Nachfolger des legendären Fassmann-Fleischmann-Fest so einschlagen würde", sagte am Ende Manfred Spindler - und kündigte an, dass 2018 alle Akteure der letzten "Gaudibrettla"-Besetzung" von 2009 auf der Bühne stehen werden.