Der wurde zu einer Geldstrafe verdonnert, kündigte aber noch im Gerichtssaal Berufung gegen das Urteil ein. Im Juni 2018 hatte der Beschuldigte während einer Rabattaktion einen Kulmbacher Baumarkt aufgesucht, um sich zunächst einmal umzuschauen, wie er vor Gericht sagte. Er habe verschiedene Artikel gefunden und den Markt verlassen wollen, um einen Einkaufswagen zu holen. "Da wurde ich vom Ladendetektiv und vom Geschäftsführer mit der Behauptung festgehalten, ich hätte etwas gestohlen."

Der als Zeuge geladene Ladendetektiv sah den Sachverhalt allerdings ganz anders. Er habe den Angeklagten eine ganze Weile dabei beobachtet, wie er in verschiedenen Abteilungen Gegenstände an sich nahm, um sie eine Regalreihe weiter in seinem Rucksack zu verstauen und diesen wieder zu verschließen.

Plötzlich wieder umgedreht

"Dann näherte er sich mit einem prall gefüllt aussehenden Rucksack dem Kassenbereich, drehte plötzlich um und verschwand wieder im Markt", sagte der Detektiv. Kurz darauf sei er an der Kasse vorbei Richtung Ausgang gelaufen, er und der Geschäftsführer hätten ihn angehalten und darum gebeten, einen Blick in seinen Rucksack werfen zu dürfen. "Doch er weigerte sich, wurde pampig, beleidigte mich und sagte, ich hätte eine Macke", sagte der Zeuge.

Die Polizei stellte fest, dass der Angeklagte in der Tat keine Ware bei sich trug. Nach kurzer Sichtung der Videoaufzeichnungen stand jedoch fest, dass der 60-Jährige sämtliche Waren in einer ganz anderen Abteilung auf verschiedene Regale verteilt und teils dort versteckt hatte.

"Er hat weder uns noch dem Detektiv etwas davon gesagt, dass er nur einen Wagen holen wollte", sagte eine als Zeugin geladene Polizistin.

"Es kann ja passieren, dass man mal etwas in seiner Einkaufstasche vergisst - aber wer nichts zu verbergen hat, lässt uns auch problemlos einen Blick hineinwerfen", sagte der Geschäftsführer.

Zwei Polizistinnen bestätigten die Angaben von Ladendetektiv und Geschäftsleiter. "Dem Angeklagten fiel auch ein Einkaufszettel herunter, auf dem er exakt die Artikel notiert hatte, die er in seinem Rucksack verstaut und anschließend wieder im Markt verteilt hatte", sagte eine Beamtin aus.

Verräterisches Video

Für die Staatsanwaltschaft und Richterin Sieglinde Tettmann stand nach den Zeugenaussagen und nach Sichtung des Videomaterials fest, dass sich der Angeklagte des Diebstahls schuldig gemacht hatte.

Der 60-Jährige selbst beantragte Freispruch, "denn sonst wäre ja jeder ein Dieb, der beim Einkaufen etwas vorübergehend in seine Tasche legt". Richterin Tettmann belehrte den Angeklagten, dass es sich in solchen Fällen nicht um Diebstahl handele, weil solche Leute in der Regel die Ware anschließend aufs Kassenband legen und bezahlen. Bereits die Absicht des Angeklagten, die Ware zu stehlen, erfülle den Tatbestand des Diebstahls. Zudem habe der Mann die Ware an verschiedenen Orten abgelegt, um sie loszuwerden. "Sie hatten eine Liste mit den Dingen, die Sie kaufen wollten -da nehme ich doch gleich einen Einkaufswagen." Es zeuge von krimineller Energie, einen Diebstahl nach Einkaufsliste zu begehen.

Da der Angeklagte kein Geständnis abgelegt hatte, gebe es auch diesbezüglich keinen Strafmilderungsgrund.

Richterin Sieglinde Tettmann verurteilte den 60-Jährigen schließlich zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro.