Ein Faustschlag hat einen 23-Jährigen direkt ins Gefängnis gebracht. Weil der Handwerker aus einem Kulmbacher Stadtteil seine Nachbarin kräftig und unvermittelt ins Gesicht geschlagen und dabei nicht unerheblich verletzt hatte, muss er sechs Monate hinter Gitter.

Hintergrund ist, dass der 23-Jährige bereits mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft ist und zur Tatzeit wegen einer anderen Schlägerei noch eine offene Bewährung hatte. Der Angeklagte war Anfang Juli vergangenen Jahres bei einer privaten Feier mit seiner 44 Jahre alten Nachbarin so heftig in Streit geraten, dass er kurzerhand aufzog und zuschlug. Die Frau traf er dabei unterhalb des linken Auges. Sie erlitt eine Schädelprellung und einen Bluterguss, der sich bis zur Schläfe hinzog.

Körperlich und psychisch: Schlag hinterlässt Spuren 

Die Frau war über zehn Tage krankgeschrieben. Noch heute spürt sie jeden Wetterumschwung, auch psychisch hat die Aktion Spuren bei ihr hinterlassen.

"Es war eine völlig sinnlose Aktion", sagte der Angeklagte sichtlich zerknirscht während der Verhandlung vor dem Kulmbacher Amtsgericht. Er könne sich das Ganze überhaupt nicht mehr erklären. Mit rund 1,4 Promille Alkohol im Blut sei er auch nicht so betrunken gewesen, dass er nicht mehr wusste, was um ihn herum passiert.

Offensichtlich hatte die ebenfalls alkoholisierte Frau ihrem Nachbarn vorgeworfen, dass er ihrer Tochter einige Tage zuvor eine Pizza ins Gesicht geschmissen hatte, was der Angeklagte aber rigoros abstritt.

Vater nimmt Täter in Schwitzkasten

Am Ende war es der Vater des Angeklagten, der die Eskalation beendete. Er nahm seinen Sohn kurzerhand in den Schwitzkasten und verhinderte damit letztlich Schlimmeres.

Der Angeklagte hatte die Tragweite seines Handels allerdings inzwischen sehr wohl erkannt. Er überwies der Frau aus eigenem Entschluss heraus fast 1000 Euro Schmerzensgeld, bezahlte über die Krankenkasse die Behandlungskosten und entschuldigte sich bei ihr.

Die 44-Jährige leidet allerdings noch immer merklich unter dem Geschehen. "Nach dem Schlag war ich erst einmal wie weg", sagte sie. Von Nachbarschaft könne seitdem sowieso keine Rede mehr sein, seit dem Vorfall gebe es keinen Kontakt mehr. Welche Kreise der Faustschlag zog, zeigt, dass die Polizei damals gleich mit mehreren Streifen vor Ort war.

Täter: Alkohol machte ihn aggressiv

Ein Blick auf die Vorstrafenliste des jungen Mannes machte deutlich, dass sein Problem wohl der Alkohol ist. Schon mehrfach schlug er ohne einen zu rechtfertigenden Grund zu, wenn er vorher getrunken hatte. Zuletzt im Juli 2017 beim Bayreuther Bürgerfest. Mit 1,9 Promille Alkohol im Blut schlug er einen anderen nieder und wurde deshalb zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

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Nicht zuletzt deshalb forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft eine Strafe von acht Monaten ohne Bewährung.Der Angeklagte habe nicht nur mehrere einschlägige Vorstrafen und eine offene Bewährung, er habe auch gegen die Weisung des Alkoholverbots verstoßen, sagte sie.

Verteidiger Alexander Schmidtgall sprach dagegen von einer spontanen Entgleisung seines Mandanten. Er habe alle Anstrengungen unternommen, um die Sache wieder gut zu machen. Schmidtgall plädierte auf fünf Monate mit Bewährung. Dieser Argumentation folgte Richterin Sieglinde Tettmann nicht. Bei drei Vorstrafen wegen Körperverletzung könne sie keine Bewährungsstrafe mehr aussprechen, sagte sie und verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten "ohne".

Damit muss der 23-Jährige wohl zusätzlich auch die sechs Monate aus dem früheren Urteil mit absitzen, was unterm Strich ein ganzes Jahr Gefängnis bedeuten könnte.

 

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