Für die 16-jährige Ofeliya Guliyeva aus Kulmbach hielt das Jahr 2020 eine besondere Überraschung bereit: Sie gehört zu den jungen Klaviertalenten, die vom 31. August bis zum 4. September einen Meisterkurs für Klavier in der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau in Lichtenberg absolvieren dürfen.

"Als ich die Zusage bekam, habe ich mich riesig gefreut", erzählt die Schülerin, die im Alter von acht Jahren mit dem Klavierspielen begann. "Wir hatten ein Keyboard zu Hause, darauf spielte ich manchmal für mich", erinnert sie sich. Als ihre Mutter eines Tages mit der Idee kam, Ofeliya in die Musikschule zu schicken, war sie begeistert.

Als Kind wollte sie Ärztin werden

Schon bald wechselte sie zu ihrer Klavierlehrerin Renate von Hörsten, die sie bis heute begleitet und fördert. "Als Kind wollte ich zwar Ärztin werden, aber Musik mochte ich schon immer", sagt Ofeliya. Der Wunsch, einmal professionell Klavier spielen zu wollen, stellte sich dann mit dem Unterricht ganz schnell ein.

Ein bis zwei Stunden am Tag übt Ofeliya am Klavier, vor allem vor Auftritten auch mal mehr. Sie komponiert auch gerne, "am liebsten würde ich Filmmusik komponieren", auf jeden Fall wolle sie beruflich etwas mit Musik machen.

"Ich setze mich hin und spiele einfach drauf los"

Ihre Eigenkompositionen hat Ofeliya bereits zu verschiedenen Anlässen einem öffentlichen Publikum vorgestellt, doch wie entsteht ein solches Lied? "Ich setze mich hin und spiele einfach drauf los."

Schöne Melodien nimmt sie mit dem Handy auf und entwickelt sie weiter, "noch etwas Spannung und Wiederholungen dazu, und wenn es mir gefällt, spiele ich es öffentlich vor". Spannung und Gefühl sind die beiden Elemente, die Ofeliya in ihrer Musikauswahl sehr wichtig sind, daneben schätzt sie schnelle Elemente und Abwechslung. "Am liebsten spiele ich Stücke von Chopin, da ist so viel Gefühl drin."

Ihrer Meinung nach soll eine Komposition nicht zu trocken sein, man soll Traurigkeit oder Glücksgefühl erkennen können. "Deswegen mag ich Bach nicht so sehr." Wenn man Bach spiele, könne man wirklich etwas, aber bei ihm höre sie weder Trauer noch Spannung. "Das ist etwa bei Beethoven, Haydn oder Liszt ganz anders."

Das Beeindruckende dabei: Die meisten Stücke, die Ofeliya vor Publikum spielt, spielt sie auswendig. "Es ist eine Melodie, die irgendwann in meinem Kopf bleibt." Wenn man viel spiele, merke man sich das leichter, "das passiert einfach." Klingt simpel, aber ohne das entsprechende Talent passiert vermutlich doch nichts.

Viele Unterstützer

Dennoch rät Ofeliya allen, die Interesse haben, mit dem Klavierspiel zu beginnen. "Das wichtigste als Klavieranfänger ist es, dran zu bleiben und den Spaß nicht zu verlieren." Sicher gebe es immer Momente, in denen man sich schwer tue, "oder man mag das Stück nicht. Dann eine kurze Pause machen und weiterüben", und zwar klein anfangen und schrittweise weitermachen.

Persönlich freut sich Ofeliya, viele Unterstützer zu haben, die an sie glauben. "Das spornt mich an!", sagt die Schülerin, die das Caspar-Vischer-Gymnasium besucht und neben dem Klavierspiel auch noch anderen Interessen nachgeht. So ist sie Mitglied im Schulsanitätsdienst und engagiert sich ehrenamtlich im BRK, hat dort eine Sanitätsdienstausbildung absolviert und hilft in der Bereitschaft.

"Manchmal ist es schwer, alles unter einen Hut zu bekommen", sagt die Schülerin, aber die vielen Preise, die sie bereits gewonnen hat, zeugen davon, dass sie es gut schafft. Ob Ruckdeschel-Preis oder Auszeichnungen bei "Jugend musiziert" auf Landesebene - Ofeliya Guliyeva ist auf einem guten Weg.

Flüchtlings-Odyssee hinter sich

Und das, nachdem die gebürtige Aserbaidschanerin 2017 eine beachtliche Flüchtlings-Odyssee hinter sich gebracht hatte. Viele Kulmbacher haben ihre Geschichte mit Spannung und teils mit Entsetzen verfolgt. "Deswegen bin ich so dankbar für diese neue Chance, ich werde das Beste daraus machen", sagt Ofeliya, die nach ihrer abenteuerlichen Abschiebung vor zwei Jahren nach Kulmbach zurückkehren durfte.

Sie freut sich auf den bevorstehenden Meisterkurs, auf den Austausch unter jungen Musikern, über die neuen Kontakte und auf den Unterricht bei Professor Wolfgang Manz. "Hierfür habe ich Stücke vorbereitet, die wir dann auf höherem Niveau vertiefen und verbessern." Ein guter Plan, denn schließlich hat Ofeliya große Ziele: Sie will ein Musikstudium absolvieren, eine Tournee in Häusern weltweit spielen und natürlich eine eigene Familie haben. Und damit greift sie berechtigter Weise nach den Sternen.