Viel Geld hat Michaela Köppel nicht zur Verfügung. Sie kann aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf nicht mehr ausüben, deshalb ist sie seit zwei Jahren auf Hartz IV angewiesen. Seit dieser Zeit kommt sie regelmäßig nach Kulmbach, um hier in den Kleiderkammern zu stöbern. Heute ist sie im BRK-Sozialladen in der Fischergasse.

Auch Wäsche im Angebot

"Ich suche heute gar nichts Besonderes, einfach mal schauen, was es so gibt und was mir gefällt", sagt sie und schaut die Kleider im BRK-Sozialladen durch. "Da ist jetzt nicht das dabei, was mir so gefällt. Aber das macht nichts", sagt Köppel und geht zur Unterwäsche-Abteilung: Spitzen-BHs, Unterhosen mit feiner Spitze, außergewöhnliche Wäsche, aber auch Alltagswäsche gibt es im BRK-Laden. Die Münchbergerin findet nichts dabei, auch solche Sachen gebraucht zu kaufen.

Die Scheu hat sie längst abgelegt. Sie freut sich stattdessen über die günstigen Preise. Eine Hose kostet drei Euro, Schuhe zwei. Schöne Kleider, die normalerweise über 100 Euro kosten, gibt es im Sozialladen für fünf oder sechs Euro - und sogar Anzüge und Jogginganzüge sind für diesen Preis zu haben. "Für Leute, die Hartz IV beziehen, geben wir noch mal fünfzig Prozent Rabatt", erklärt Elke Fischer, die für das BRK den Laden betreut.

Soeben kommt eine Lieferantin. Sie bringt zwei neue Tüten voller Kleidung und möchte nichts dafür haben. Die Kleidung ist gut, sauber, alle Knöpfe vollständig. Wolfram Fischer, ehrenamtlich im BRK-Sozialladen tätig, räumt die Neuware sofort in die Regale.

Im Sozialladen ist es fast wie vor der Corona-Krise. Die Kunden sind dem Laden treu geblieben - und sie sind froh, dass er wieder geöffnet hat: montags, mittwochs und freitags von 13 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags von 9 bis 15 Uhr.

Hinter Plexiglas

Auch im KuKatz, dem Gebrauchtladen der Geschwister-Gummi-Stiftung, ist fast alles wie sonst. Allerdings verkauft und kassiert Inge Jersch jetzt hinter einer Plexiglasscheibe. Um sich und die Kunden zu schützen. Nur maximal vier Kunden können in den kleinen Räumen stöbern. "Einen Run oder recht viel neue Kunden sind jetzt bei uns nicht zu verzeichnen. Aber das ist noch ein bisschen zu früh. Wenn wir Auswirkungen der Krise spüren, dann wird dies erst später der Fall sein", sagt Elsbeth Oberhammer von der Geschwister-Gummi-Stiftung.

Das KuKatz hat sich vor allem auf Kinder- und Jugendkleidung spezialisiert. Und es gibt einfach zuckersüße Sachen: Jeans in Größe 56, Latzhosen für die Allerkleinsten und Strampler, T-Shirts und Pullis in allen Größen. "Wir schauen uns gerne mal um, weil wir Nachwuchs erwarten. Man muss für ein Baby nicht alles neu kaufen, die Kinder haben die Sachen doch nur wenige Wochen an, dann passt es schon wieder nicht mehr", sagten Chrissi und Ronny, zwei zukünftige Eltern. Die stolze Mama ist noch rank und schlank, möchte aber vorsorgen. "Man weiß ja nicht, ob nicht wieder ein Lockdown kommt. Besser man schaut mal, wenn man Zeit hat. Wir sind eigentlich gegen die Verschwendung. Und die Preise passen hier auch. Da kann man auch mal ein Stück mehr kaufen", sagt der werdende Papa.

Aktuell ist Annahmestop

Betreut wird der Gebrauchtwarenverkauf der Geschwister-Gummi-Stiftung von einer Gruppe von 20 ehrenamtlich Tätigen. "Wir mussten die Leute, die das hier freiwillig machen, natürlich während der Krise auch schützen. Deshalb hatten wir - wie alle anderen auch - auch zu. Aber jetzt wird hinter Plexiglas verkauft. Alle müssen Mundschutz tragen und es gibt Ständer mit Desinfektionsmittel", erklärt Oberhammer die Regeln. Momentan allerdings gilt im KuKatz Annahmestopp, denn bereits ab September kommt die Winterware in die Regale.

Dieselben Regeln gelten auch bei der Caritas in Kulmbach: "Lieblingsstücke" heißt der Laden im Untergeschoss des Caritas-Zentrums. Ab 20. Juli bietet die Caritas eine besondere Aktion. "Wir machen im August immer Sommerpause. Und vorher wollen wir die Sommerware abverkaufen", erklärt Soraya Hebentanz von der Caritas. Der Laden hat nicht nur einen neuen Namen bekommen, er wurde auch neugestaltet: mit Glitzerstoff und eigener Umkleide.

Verkauft wird hier nichts

Und auch die Öffnungszeiten sind neu. Denn künftig ist der Laden "Lieblingsstücke" nicht nur montags und donnerstags von 9 Uhr bis 11 Uhr geöffnet, sondern auch mittwochs von 14 Uhr bis 16 Uhr. Christel Dressel und Erika Sollmann gehören zum Mittwoch-Nachmittags-Team. Auch Herrensachen hat die Caritas im Angebot: Jacken, Sakkos, Hosen, werben die beiden Damen. Verkauft wird bei der Caritas übrigens nichts. Die Waren werden lediglich gegen eine Gebühr abgegeben - und die liegt zwischen 50 Cent und vier Euro.