Es ist 18 Uhr. Langsam laufen die ersten Fußballfans in das Sportheim in Hirschfeld ein. Einige davon mit rot-weißen Schals, beziehungsweise T-Shirts. Der Saal ist im FC-Bayern-Stil dekoriert. Zum Auftakt wird sich gestärkt. Es gibt "Sau am Spieß". Fußball ist natürlich schon ab diesem Zeitpunkt Gesprächsthema. Es wird diskutiert über die einzelnen Spieler, über die Trainer der beiden Mannschaften, Jupp Heynckes und Jürgen Klopp. Die meisten Anwesenden sind sich einig, "der FC Bayern wird's in diesem Jahr schon schaffen, so wie die Jungs in den letzten Monaten gespielt haben".

Dortmund-Fans fallen auf

Selbst Kevin Körlin, der einzige BVB-Fan im Saal meint: "Ich denke, dass Bayern gewinnen wird, aber ich hoffe, dass der Pokal an die Borussen geht!" Er und seine Freundin Denise fallen unter den vielen bayern-Fans richtig auf, mit ihren schwarz-gelben T-Shirts.

Seit 17 Jahren ist der aktive Fußballer beim FC Hirschfeld schon Dortmund-Fan.
Einig sind sich alle, auch die anwesenden "Nicht-FC-Bayern-Fans": Dieses Champions-Leage-Endspiel ist kein gewöhnlicher Kick. Es geht gegen die aufmüpfigen Dortmunder, die bis vor Kurzem keine Gelegenheit ausließen, es dem FC Bayern zu zeigen.

Erstaunte Blicke

Erstaunte Blicke sind in den ersten 20 Minuten in den Gesichtern der Fußballfans zu erkennen, die wie gespannt das Geschehen auf der Großleinwand verfolgen. Die Dortmunder bestimmen das Spiel. Die Bayern-Fans können es nicht fassen. Geht es für die Münchner doch um mehr. Noch immer kommt ihnen das Grauen wenn sie an die Final- Niederlage des Vorjahres gegen Chelsea denken. Kaum auszudenken, wenn auch noch dieses Finale verloren gehen würde, das dritte im vierten Jahr. Kaum auszuhalten, der Spott der Bayernhasser.
Die Spannung legt sich nach dem 1:0 durch den Treffer von Mario Mandzukic. Befreiende Jubelrufe sind zu hören, die Schals werden geschwenkt und so mancher "Cluberer" und "Stuttgarter" blickt verdutzt auf die Leinwand.

Freude kommt vor allem bei Kevin Körlin auf, als nur acht Minuten später Ilkay Gündogan mit einem verwandelten Foulelfmeter den Ausgleich erzielt und somit wieder für Spannung sorgt.
Wieder ist eine beinahe unheimliche Ruhe im Saal zu spüren. Die Bayern-Fans zitterten, Kevin Körlin und die Nicht-Bayern-Fans hoffen. Jubel bei den Bayern-Fans war bricht aus, als schließlich Arjen Robben in der 89. Minuten den Siegtreffer erzielt. Als ob eine immense Anspannung abfällt. Ein Pokal wird aus dem Regal herbeigeschafft, die Sektkorken knallten. "Ja, toll, wir haben es geschafft. Jetzt geht es nach Berlin zum DFB-Pokal-Finale. Jetzt holen wir uns den DFB-Pokal und schaffen das Triple", jubelt der Schriftführer des FC-Bayern-Fan-Clubs, Ingo Ehrhardt. "Es war mir klar, denn nach zwei Finalspielniederlagen ist es mathematisch unmöglich, ein drittes Finalspiel zu verlieren", so der ehemalige Vorsitzende des Bayern-Fan-Clubs, Hans Löffler.

"Nächste Woche bekommen die Bayern ihr Fett weg", ist sich dagegen Stuttgart-Fan, Thomas Wachter sicher.
Der Schmerz über das verlorene Spiel hält sich beim BVB-Fan, Kevin Körlin, in Grenzen. "Schade, dass wir verloren haben, aber nach dem Ausgleich waren die Bayern voll bei der Sache. Letztendlich haben sich die Bayern den Pokal verdient."

Respekt wird den Dortmundern aber von allen Seiten gezollt. Und einig sind sich auch der Vorsitzende des FC Hirschfeld, Markus Grünbeck, und der Vorsitzende des Bayern-Fan-Clubs, Michael Schadeck: Die Fußballübertragung im Sportheim auf Großbildleinwand hat sich gelohnt.